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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 27.01.2011

Mit "Pong" ging's los

Das Computerspielemuseum in Berlin

Von Susanne Nessler

Legendäres Computerspiel: Pacman (AP)
Legendäres Computerspiel: Pacman (AP)

Heute erwirtschaftet die digitale Spiele-Industrie mehr Geld als die Filmindustrie mit ihren Blockbustern. Ein neues Museum in der Hauptstadt erinnert an die Anfänge - an Pac Man, Mistery House, Vectrix oder den Polyplay aus der DDR.

Wir schreiben das Jahr 1975. Moderator Thomas Gottschalk jung, dünn, ein bisschen schlaksig, mit welligem schulterlangem Haar und Pullunder stellt zum erstem Mal im deutschen Fernsehen ein Computerspiel vor. "Telespiele" so hieß die Sendung, und so wurden auch die ersten Computerspiele genannt. Denn gespielt wurde damals noch am Fernsehmonitor.

"Pong", so der Name des ersten Telespiels, funktionierte wie Ping Pong - eine Art Tischtennis am Bildschirm, erinnert sich Michael Lange, Direktor des Computerspiele Museums in Berlin.

"Es ist ganz einfach. Es ist ein Rechteck rechts und links und ein Ball in der Mitte und man muss wie beim Tischtennis versuchen, den Ball auf die andere Seite rüber zu schlagen."

Auf einem Monitor, eingelassen in eine der vielen Säulen in der Ausstellung, huscht der kleine weiße Ball von links nach rechts und wieder zurück. PONG! Über einen roten Joystick, direkt unter dem Monitor, kann der Besucher verschiedene Filmausschnitte auswählen, und mehr über die Hintergründe des ersten kommerziell genutzten Videospiels erfahren.

Entwickelt wurde es von Ralph Baer. Der Deutsche, der vor den Nazis nach Amerika geflohen war, arbeitete dort als Fernsehtechniker. Er baute 1969 für "Pong" die erste Spielekonsole, die berühmte "Magnavox Odyssee" – und legte damit den Grundstein für die neue digitale Spiele Industrie. Heute ist der Erfinder, Ralph Baer Schirmherr des Computerspielemuseums. Lange:

"Seine Idee war die Einbahnstraße Fernsehen zu einer interaktiven Sache zu machen. Als Fernsehtechniker ist das gar nichts Besonderes, dass man Symbole auf dem Bildschirm bewegt, weil man die Fernseher eben richtig einstellt und er hatte eben die Idee, dass es nicht nur eine Sache von Technikern sein sollte, sondern warum das nicht auch spielerisch als Unterhaltungsgerät zu nutzen."

Auf zahlreichen Schautafeln und Monitoren, erfährt der Besucher viel Interessantes zur Entwicklungsgeschichte und der rasanten Verbreitung der neuen Spieletechnik. Kaum zehn Jahre nach ihrer Einführung gehörten Computerspiele schon zu populären Anwendungen im Alltag. Circa 1000 Spiele kommen heute jedes Jahr neu auf den Markt. Und Spielemaschinen – wie der Commodore C64, der meist verkaufte Computer aller Zeiten - schrieben Geschichte. Zu sehen sind viele der Originalgeräte in der "Wall of Hardware" - einer grün angeleuchteten großen Vitrine. Lange.

"Zum Beispiel hier der Vectrix, vor dem wir auch direkt stehen. Das ist ein Gerät das 1982 herauskam, und die Besonderheit hatte, dass es einen eingebauten Vektormonitor hatte. Aber was auch ganz besonders an diesem Gerät ist, ist die 3D-Brille. Es handelt hier tatsächlich um die erste 3D-Brille bei einem Videospiel."

Nur zwei Schritte weiter stößt der Besucher auf die Software. 52 ausgesuchte Spiele-Tophits der 80er und frühen 90er lassen sich hier per Joystick ansteuern und auf einen Bildschirm abspielen.

Die Entwicklung ist atemberaubend schnell und erstaunlich vielfältig. Aus abstrakten Spielfeldern, die zu Beginn nur Punkte und Linie zeigten, sind virtuelle Räume geworden. Mistery House, Pac Man, Super Mario, Dungeons and Dragons, Tetris, Space Invader – neben Weltraumschlachten, sind in den 80er Jahren besonders die Strategie- und Rollenspiele sehr gefragt.

""Das ist so eine Reise in die Kindheit, obwohl ich finde, es ist nicht so lange, aber wenn man so die Entwicklung mitbekommt, was heute alles möglich ist, liegt das Jahrzehnte zurück."

So freut sich ein Besucher. Den Joystick in der Hand gleitet er von Spiel zu Spiel, hilft Lemmingen, den richtigen Weg zu finden, erobert den Mond oder sucht virtuelle Schätze. Eine echte Spielwiese schwärmt auch der Geschäftsführer des Museums Klaus Spieler. Er rettet die Welt am liebsten vor einem kleinen gefährlichen Männchen mit großem Hut.

"Der Nachfolger von Manic Manson, Tage des Tentakel, wunderbares Spiel, es gibt einen mutierten Tentakel der versucht die Weltherrschaft zu erringen und sie müssen jetzt klug und listig sein und ihn davon abbringen und am Ende mutiert er wieder zu einem ganz netten."

Dieses Spiel "Tage des Tentakels" stammt von 1993 und wurde berühmt, weil man im Spielverlauf einen Hamster in der Mikrowelle auftauen musste. Die Hersteller wiesen auf der Verpackung ausdrücklich darauf hin, dies nicht in der realen Welt nachzuahmen.

Und auch Computerspiele aus der DDR zeigt das Museum. Informationen und Geräte finden sich am Ende des Ausstellungsraums. Lange:

"Wir gehen dann weiter, hier zu dem ersten und einzigen Spieleautomaten der DDR, das ist der Polyplay. Gebaut im VEB Polytechnik Karl Marx Stadt. Aber auch Polyplay genannt, weil man hier acht Spiele auswählen kann."

Darunter das Spiel "Hase und Wolf" – eine Pac-Man-Adaption, bei der ein kleiner Hase in einem Labyrinth vor dem bösen Wolf flieht. Aber auch Spiele wie Wasserrohrbruch oder Schießbude gab es, erzählt Michael Lange.

"Insgesamt haben sie schon versucht diese martialischen Ballersachen draußen zu lassen, es ist ein Merkspiel zum Beispiel drin. Oder Wasserrohrbruch, dass sind alles Sachen, die im Westen keine Renner gewesen wären, die auch hier keine Renner waren. Mir wurde gesagt von dem Spender dieses Automaten, der einen sehr guten Überblick hatte: Der Renner im Polyplay war die Schießbude. Das war das, was die Hardcore Gamer gespielt haben, um den High Score zu knacken."

In der DDR stand der Polyplay, ein großer brauner Spielautomat, meist in Jugendclubs oder Pionierheimen. Sehr beliebt, aber unerreichbar, war der berühmte Kleincomputer KC 85, der Mitte der 80er-Jahre in der DDR hergestellt wurde. Eine Art C64 des Ostens. Kaufen konnte man den KC 85 allerdings lange Zeit nicht. Genehmigt wurde er nur auf Antrag zum Beispiel für die Berufausbildung.

Klaus Spieler, der damals in Ostdeutschland lebte, verkaufte 1988 heimlich seinen ersten und einzigen Trabanten, um sich einen eignen Westcomputer leisten zu können:

"Das war der Armstrong Joyce mit grünem Bildschirm und der hatte sehr interessante Spiele. Und es gab in Cottbus eine Handwerksfirma, so als Geheimtipp, wenn man eine Diskette eingeschickt hat, hat man die bespielt mit allen möglichen Programmen zurückbekommen."

Dass viele Jugendliche heute in ihrer Freizeit nichts anderes machen, als stundenlang vor dem Computer Rollen oder Actionspiele zu spielen, ist auch ein Thema der Ausstellung. Dokumentiert wird dazu die Projektarbeit einer 9. Klasse. Weitere kritische Themen sind Gewalt, Abhängigkeit und Sucht. Insgesamt überwiegt aber das Positive in der Ausstellung. Der Mensch spielt seit weit über 2000 Jahren und Computerspiele fordern uns zum Spielen auf, sagt Museumsdirektor Michael Lange, sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur.

"Wir haben es hier wirklich mit einer neuen Kulturtechnik zu tun. Die wir auf derselben Ebene wie den Buchdruck oder die Erfindung des Films sehen, und auch da gab es am Anfang Irritationen. Und eines was hilft, ist wirklich es kulturell zu vermitteln und das kann man in einem Museum hervorragend tun."

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