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Interview / Archiv | Beitrag vom 13.07.2012

Meteosat-10 bringt "Schritt nach vorne in der Qualität der Vorhersage"

Darmstädter Wetterforscher über den Start eines neuen Satelliten und die Kunst der Daten-Interpretation

Peter Albert im Gespräch mit André Hatting

Europa, wie Meteosat-9 es im Dezember 2010 sah: Infrarotbild mit topographischem Hintergrund
Europa, wie Meteosat-9 es im Dezember 2010 sah: Infrarotbild mit topographischem Hintergrund (dpa / picture alliance / Deutscher Wetterdienst)

Meteorologen haben den Satelliten Meteosat-10 ins All geschickt, um mehr über Wolken, Niederschlag und Wasserdampf zu erfahren. Peter Albert vom Institut Eumetsat in Darmstadt erhofft sich genauere Daten und höhere Treffsicherheit der Kurzprognosen.

André Hatting: Genug Politik in der "Ortszeit" heute, reden wir doch mal übers Wetter! Wie wird eigentlich der Sommer? Bislang ist der ziemlich verregnet und ganz schön kalt. Ob das so bleibt, sagen uns die Wetterforscher mit Hilfe von Satelliten. Am Freitag wurde wieder einer hochgeschickt. Peter Albert ist Meteorologe am Eumetsat in Darmstadt, das steht für Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten. Guten Morgen, Herr Albert!

Peter Albert: Guten Morgen, Herr Hatting.

Hatting: Was kann denn Meteosat-10?

Albert: Meteosat-10 beobachtet die Erde, er liefert Beobachtungen von Wolken, von Niederschlag, Wasserdampf. Das sind alles Daten und Informationen, die zum einen für die Kurzfrist-Vorhersage verwendet werden, also die schnelle Vorhersage von zum Beispiel Unwettern, aber auch in die sogenannte numerische Wettervorhersage eingehen, das heißt in die Vorhersage, die am Computer entsteht. Er füttert sozusagen die Wettermodelle mit den Informationen über das aktuelle Wetter, damit die Vorhersagen dann genauer sein können.

Hatting: Wie genau?

Albert: Zurzeit ist die Qualität der Wettervorhersage so, dass man sagt, für drei bis fünf Tage beträgt die Eintreffwahrscheinlichkeit so 90, 95 Prozent, und darüber hinaus nimmt dann die Wahrscheinlichkeit langsam ab bis hin zu, bei einfachen Vorhersagen, über zwei Wochen. Weiter kann man dann nicht vorhersagen.

Hatting: Was kann denn der Satellit nicht, außer das Wetter verbessern?

Albert: Dieser Satellit – wir sprechen vom Meteosat Second Generation – ist ein geostationärer Satellit. Der steht von der Erde aus betrachtet immer über der gleichen Stelle und beobachtet den Atlantik, Afrika, Europa, ein großes Gebiet – die Erdscheibe. Aber dieser Satellit kann zum Beispiel nicht an die Pole sehen, er kann natürlich auch nicht auf die Rückseite der Erde sehen. Zu diesem Zweck betreibt Eumetsat noch eine zweite Generation von Satelliten, sogenannte polarumlaufende Satelliten, die in einer wesentlich näheren Umlaufbahn von Norden nach Süden fliegen, die Pole überstreifen und dabei dann auch Daten über den Polen aufnehmen können und über den gesamten Tag verteilt dann auch Daten von der gesamten Erdkugel liefern können.

Hatting: Meteosat-10 ist eine Verstärkung. Es sind immer zwei Satelliten davon im Einsatz und das 24 Stunden an 365 Tagen. Wie lange können die Geräte bei dieser Beanspruchung eigentlich arbeiten?

Albert: Typischerweise beträgt vom Design her die erwartete Lebensdauer sieben bis zehn Jahre, und das ist auch der Grund, warum wir jetzt Meteosat-10 gestartet haben. Es ist der dritte Satellit einer ganzen Generation und der erste dieser Satelliten wurde 2002 gestartet. Der ist immer noch operationell, tut seinen Dienst, aber das Ende dieser geplanten Lebenszeit ist erreicht und deshalb wird ganz regulär der jetzt ausgetauscht, um die Qualität des Service aufrecht zu erhalten. Sie haben es schon gesagt: Wir haben uns unseren Mitgliedsländern gegenüber verpflichtet, eben diesen operationellen Service zu liefern, und ein Teil dieses operationellen Service bedeutet Redundanz, dass wir immer zwei völlig funktionelle Satelliten im All haben.

Es ist nicht so, dass dann nach zehn Jahren automatisch abgeschaltet wird. Es gibt zum Beispiel jetzt noch einen Satelliten der ersten Generation, der über dem Indischen Ozean noch arbeitet und dort Daten liefert, und es wird zurzeit diskutiert, was wir mit Meteosat-8, dem ersten Satelliten der Meteosat Second Generation, machen, wenn der jetzt gestartete nach den letzten Tests im All in ein paar Monaten seinen operationellen Betrieb aufnimmt.

Hatting: Welche Möglichkeiten gibt es da, was man mit ihm machen kann?

Albert: Man wird ihn wahrscheinlich auf eine andere Position schieben, um ein weiteres Gebiet insgesamt abdecken zu können, aber das bedeutet Absprache mit anderen Raumfahrtagenturen. Man muss wissen: Der geostationäre Ring auf der Äquatorebene um die Erde herum ist abgedeckt von Satelliten von verschiedenen Agenturen, Eumetsat für das europäische Segment, die Amerikaner, Koreaner, Russen, alle zusammen betreiben Satelliten, und da muss man dann in Absprache entscheiden, wo Meteosat-8 am besten aufgehoben ist.

Hatting: Wie viel Handwerk ist eigentlich noch vonnöten bei den Meteorologen, wenn sie Daten auswerten? Machen das alles Software-Programme, oder was genau muss man da noch beherrschen können?

Albert: Es kommt darauf an, was man genau jetzt unter Vorhersage versteht. Ich habe es vorhin schon kurz angemerkt: Man unterscheidet ein bisschen zwischen dieser Kurzfrist-Vorhersage und der numerischen Wettervorhersage. Bei der Kurzfrist-Vorhersage, bei den Wetterwarnungen, da steckt sehr viel Handwerk darin, weil da die Kunst ist, aus den verschiedenen Informationen, die man über das Wetter jetzt hat, Warnungen zu erstellen, die für einen Zeitraum von einer halben Stunde gelten. Da sitzen dann wirklich Meteorologen, die mit ihrer Ausbildung und ihrer Erfahrung all diese Informationen zusammenbringen.

Etwas anders sieht es aus bei der numerischen Wettervorhersage, wo große Computermodelle laufen, wo das Handwerk und die Erfahrung in der Vorbereitung steckt, wo sich dann Wissenschaftler damit auseinandersetzen, wie man am besten die Daten in die Modelle reinbringt, auch sich teilweise widersprechende Daten, wie das Modell lernt, am besten mit diesen Daten umzugehen.

Hatting: Sie entwickeln selber neue Satelliten. Was muss denn die nächste Generation noch besser machen als die jetzige?

Albert: Typischerweise wird bei der nächsten Generation von Satellitendaten die räumliche Auflösung besser, die zeitliche Auflösung wird besser, das heißt, man kann mehr Daten in einer höheren Qualität liefern. Jetzt speziell für die geostationären Satelliten der nächsten Generation, Meteosat Third Generation, wo wir den ersten Start 2018 planen, da wird es ein Instrument geben, auf das sich die Meteorologen besonders freuen: Das ist ein sogenannter Sounder, mit dem es möglich ist, die Vertikalstruktur der Atmosphäre zu erfassen.

Wir haben ein solches Gerät zurzeit schon auf einem polarumlaufenden Orbit, "YASI" nennt sich das Gerät, und das hat einen enormen Fortschritt in der Qualität der numerischen Wettervorhersage geliefert, weil das Vertikalprofil, also die Abnahme oder Zunahme von Temperatur und Feuchtigkeit, mit der Höhe enorm wichtig ist für die Wetterentwicklung. Und jetzt auf Meteosat Third Generation ist ein solches Sounding-Gerät auch im geostationären Orbit geplant. Das heißt, man wird diese hochqualitativen Daten auf einer viel größeren Fläche und in einer viel höheren zeitlichen Auflösung bekommen, und da rechnen wir dann wirklich noch mal mit einem deutlichen Schritt nach vorne in der Qualität der Vorhersage.

Hatting: Jetzt habe ich viel über kurzfristige Vorhersage und eine numerische Vorhersage gelernt. Herr Albert, deswegen kann ich Ihnen die Frage nicht ersparen. Jetzt die Zwei-Monats-Prognose: Bleibt dieser Sommer so nass, oder wird es noch richtig schön?

Albert: Da muss ich jetzt leider meine Glaskugel herausholen.

Hatting: Das war auch ein Scherz. Das war Peter Albert, Meteorologe am Eumetsat in Darmstadt. Mit ihm sprach ich über die neue Generation von Wettersatelliten. Vielen Dank, Herr Albert.

Albert: Danke.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.