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Thema / Archiv | Beitrag vom 20.11.2012

Mentalitätswechsel an deutschen Hochschulen?

Bilanz zum Deutschlandstipendium des Bildungsministeriums

Von Jürgen König

Bis zu ein Prozent der Studenten einer Uni kann mit dem Deutschlandstipendium gefördert werden.
Bis zu ein Prozent der Studenten einer Uni kann mit dem Deutschlandstipendium gefördert werden. (picture alliance / dpa / Armin Weige)

Es ist mit großem Tamtam eingeführt worden: das Deutschlandstipendium von regionalen Unternehmern für Studenten. 2012 wurden so fast 11.000 junge Menschen gefördert. Doch die Skepsis gegen das Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung war anfangs groß.

10.977 Deutschlandstipendien wurden in diesem Jahr vergeben, mehr als doppelt so viele wie 2011. Von 388 deutschen Hochschulen beteiligten sich 263, von ihnen wiederum erreichten 104 Hochschulen mit einem Prozent ihrer Studierenden die Höchstförderquote; von der Möglichkeit, ungenutzte Mittel innerhalb eines Bundeslandes zu verteilen, machten 40 Hochschulen gebrauch.

Damit ist Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, zufrieden: Vom erklärten Ziel, ein Prozent aller Studierenden zu Deutschlandstipendiaten zu machen, sei man noch entfernt, aber Interesse und Bereitschaft privater Sponsoren hätten im gesamten Bundesgebiet deutlich zugenommen, auch in wirtschafts- und strukturschwachen Gebieten. Zum Beispiel im brandenburgischen Eberswalde, wo Günther Vahrson, Präsident der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, nach anfänglich großer Skepsis und ohne, dass es an seiner Fachhochschule Strukturen für ein professionelles Fundraising gegeben hätte, erstaunlich schnell Geldgeber für 28 Stipendiaten fand.

"Wir versuchen, das zur Bindung der Studenten an die Hochschule zu nutzen, zur Bindung aber auch der Unternehmen; es gibt Veranstaltungen mit den Stipendiaten, mit den Stipendiengebern, mit den Hochschullehrern, und wir nutzen das Ganze als Katalysator für die noch stärkere regionale Einbindung der Hochschule. Die Studenten sind begeistert, von daher haben wir uns bei dem Stipendienprogramm von einem sehr skeptischen Saulus in einen sehr optimistischen Paulus gewandelt, und es ist Teil einer - etwas, was uns stärker fehlt als in anderen Ländern - einer Anerkennungskultur, dass wir Leistungen anerkennen und damit auch Studenten motivieren, doch noch ein bisschen mehr zu machen, als sie eigentlich müssten."

Das Deutschlandstipendium habe sich an den Hochschulen etabliert, sagte Helge Braun vom Bundesbildungsministerium - wenn man auch noch nicht von einer "neuen Stipendienkultur" sprechen könne.

"Das Wort Mentalitätswechsel: Ich glaube, der beginnt. Ich würde das jetzt nicht so hochjubeln zu sagen, wir haben jetzt grundlegend Deutschland schon umgekrempelt, aber man merkt, dass auch zu Beginn viele gefragt haben: Warum ist das eine Aufgabe von Hochschule, Stipendien einzuwerben? Viele Unternehmer haben gesagt: Warum soll es unsere Aufgabe sein, Stipendien zu vergeben? Und jetzt trifft man mehr und mehr eben Leute, die den gesamtgesellschaftlichen Kontext sehen, so dass ich glaube, das Deutschlandstipendium wird diesen Mentalitätswechsel herbeiführen, und wir haben ziemlich gut angefangen damit."

Man kann die Zahlen natürlich auch anders lesen: Fast ein Drittel der Hochschulen lehnt das Deutschlandstipendium nach wie vor ab. Von denen, die sich beteiligen, hat nur ein gutes Drittel es geschafft, Geldgeber für ein Prozent ihrer Studierenden zu finden. Dass das Deutschlandstipendium sich "an den Hochschulen etabliert habe", erscheint da doch als ein kühner Satz.