Thema / Archiv /

Mentalitätswechsel an deutschen Hochschulen?

Bilanz zum Deutschlandstipendium des Bildungsministeriums

Von Jürgen König

Bis zu ein Prozent der Studenten einer Uni kann mit dem Deutschlandstipendium gefördert werden.
Bis zu ein Prozent der Studenten einer Uni kann mit dem Deutschlandstipendium gefördert werden. (picture alliance / dpa / Armin Weige)

Es ist mit großem Tamtam eingeführt worden: das Deutschlandstipendium von regionalen Unternehmern für Studenten. 2012 wurden so fast 11.000 junge Menschen gefördert. Doch die Skepsis gegen das Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung war anfangs groß.

10.977 Deutschlandstipendien wurden in diesem Jahr vergeben, mehr als doppelt so viele wie 2011. Von 388 deutschen Hochschulen beteiligten sich 263, von ihnen wiederum erreichten 104 Hochschulen mit einem Prozent ihrer Studierenden die Höchstförderquote; von der Möglichkeit, ungenutzte Mittel innerhalb eines Bundeslandes zu verteilen, machten 40 Hochschulen gebrauch.

Damit ist Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, zufrieden: Vom erklärten Ziel, ein Prozent aller Studierenden zu Deutschlandstipendiaten zu machen, sei man noch entfernt, aber Interesse und Bereitschaft privater Sponsoren hätten im gesamten Bundesgebiet deutlich zugenommen, auch in wirtschafts- und strukturschwachen Gebieten. Zum Beispiel im brandenburgischen Eberswalde, wo Günther Vahrson, Präsident der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, nach anfänglich großer Skepsis und ohne, dass es an seiner Fachhochschule Strukturen für ein professionelles Fundraising gegeben hätte, erstaunlich schnell Geldgeber für 28 Stipendiaten fand.

"Wir versuchen, das zur Bindung der Studenten an die Hochschule zu nutzen, zur Bindung aber auch der Unternehmen; es gibt Veranstaltungen mit den Stipendiaten, mit den Stipendiengebern, mit den Hochschullehrern, und wir nutzen das Ganze als Katalysator für die noch stärkere regionale Einbindung der Hochschule. Die Studenten sind begeistert, von daher haben wir uns bei dem Stipendienprogramm von einem sehr skeptischen Saulus in einen sehr optimistischen Paulus gewandelt, und es ist Teil einer - etwas, was uns stärker fehlt als in anderen Ländern - einer Anerkennungskultur, dass wir Leistungen anerkennen und damit auch Studenten motivieren, doch noch ein bisschen mehr zu machen, als sie eigentlich müssten."

Das Deutschlandstipendium habe sich an den Hochschulen etabliert, sagte Helge Braun vom Bundesbildungsministerium - wenn man auch noch nicht von einer "neuen Stipendienkultur" sprechen könne.

"Das Wort Mentalitätswechsel: Ich glaube, der beginnt. Ich würde das jetzt nicht so hochjubeln zu sagen, wir haben jetzt grundlegend Deutschland schon umgekrempelt, aber man merkt, dass auch zu Beginn viele gefragt haben: Warum ist das eine Aufgabe von Hochschule, Stipendien einzuwerben? Viele Unternehmer haben gesagt: Warum soll es unsere Aufgabe sein, Stipendien zu vergeben? Und jetzt trifft man mehr und mehr eben Leute, die den gesamtgesellschaftlichen Kontext sehen, so dass ich glaube, das Deutschlandstipendium wird diesen Mentalitätswechsel herbeiführen, und wir haben ziemlich gut angefangen damit."

Man kann die Zahlen natürlich auch anders lesen: Fast ein Drittel der Hochschulen lehnt das Deutschlandstipendium nach wie vor ab. Von denen, die sich beteiligen, hat nur ein gutes Drittel es geschafft, Geldgeber für ein Prozent ihrer Studierenden zu finden. Dass das Deutschlandstipendium sich "an den Hochschulen etabliert habe", erscheint da doch als ein kühner Satz.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Thema

80. GeburtstagMit Witz und Fransenfrisur

Shirley McLaine lacht während der Verleihung des Ordens der Ehrenlegion 2011 in Paris

Ihre Frisur und ihr loses Mundwerk sind legendär. 1984 bekam Shirley MacLaine den Oscar als Hauptdarstellerin in "Zeit der Zärtlichkeit". Vor 80 Jahren wurde die US-Schauspielerin, Tänzerin und Autorin geboren.

Russland"Eine Ideologie, aber keine Künstler dafür"

Wladimir Puitin überall: Der russische Präsiden stellt sich im Staatsfernsehen Bürgerfragen.

Im russischen Kulturleben habe es in den letzten Jahren einen Elitenwechsel gegeben, meint der Komponist Sergej Newski. Derzeit könne nur ein konservatives Weltbild die Menschen für Politik begeistern.

Bergtouren in NepalSolidarisch mit den Sherpas

Reinhold Messner kritisiert den Tourismus am Mount Everest. Hunderte von nepalesischen Bergführern würden "ihren Kopf dafür in die Schlinge legen", damit "reiche Leute" auf vorbereiteten Pisten den Gipfel erreichen könnten.