Seit 11:05 Uhr Lesart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 11:05 Uhr Lesart
 
 

Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 15.03.2012

Meister des spontanen Blues

Vor 100 Jahren wurde der Musiker Sam Lightnin' Hopkins geboren

Von Karl Lippegaus

Ab den 40er-Jahren setzte Sam Lightnin' Hopkins auf den elektrischen Gitarrensound.  (Stock.XCHNG / Herb Collingridge IV)
Ab den 40er-Jahren setzte Sam Lightnin' Hopkins auf den elektrischen Gitarrensound. (Stock.XCHNG / Herb Collingridge IV)

Lightnin' Hopkins war ein einflussreicher und rätselhafter Bluesmusiker. Die Wurzeln seiner Musik reichten weit zurück in seine ländliche Herkunft in Mississippi. Seine fesselnde, sehr menschliche Art, alles aus seiner Umgebung in die Songs einzubeziehen, zog sein Publikum geradezu magnetisch an.

1964 begegnete der Bluesforscher Paul Oliver dem Objekt seiner Begierde in London:

""Lightnin' betrat gemächlich die Bühne. Er sah scharf aus, seine Goldzähne funkelten und sein krauses Haar war frisch geglättet. Er sang von einer einäugigen Frau, die weint - ein Erlebnis, das ihn vor Jahren tief erschüttert hatte. Und zog damit alle in seinen Bann."

"Lightnin'" Sam Hopkins konnte alles in spontane Songs verwandeln: die Jahre auf den Baumwollfeldern, im Knast, auf der Straße, die unzähligen Affären.

"Er konnte rau und spöttisch sein, extrovertiert und sarkastisch, oder auch tiefernst",

schreibt sein Biograf Alan Govenar.

"Der Mann war ein Enigma: fesselnd und irritierend. Misshandelt und betrogen stellte er sich häufig dar; doch nur wenig war wirklich autobiografisch. Er schuf sich seinen eigenen Mythos inklusive seines Spitznamens 'Lightnin': Blitz."

Am 15. März 1912 soll Sam Hopkins zur Welt gekommen sein. Der Großvater war noch Sklave gewesen, der Vater Landarbeiter; sie konnten alle weder lesen noch schreiben. Der Vater wurde erschossen, als Sam gerade mal drei Jahre alt war.

"Meine Familie stammt aus Leonville County, in Centerville/Texas. Ein kleiner Flecken Land, wo sie Baumwolle, Mais, Erbsen und Erdnüsse anbauten. Ich hörte meinen Bruder zu Hause Gitarre spielen. Die erste Gitarre bastelte ich mir aus einer Zigarrenkiste und ´nem Stück Draht."

Mit nur acht Jahren begegnete er schon Blind Lemon Jefferson, dem berühmtesten Bluesmusiker der 20er-Jahre.

"Ich rannte zu ihm hin, eine Menge Leute waren um ihn 'rum. Ich spielte auf meiner Gitarre einfach zu dem, was er tat. Das hörte er und fragte, 'Wer spielt da?' – Die Leute sagten, 'Ach, nur so´n kleiner Junge.'- 'Bringt ihn her.' Er befühlte mich, merkte, dass ich klein war und meinte, 'Junge, mach weiter so, du wirst mal ´n guter Gitarrenspieler!'"

Lightnin' sang auf der Straße, trank viel, verspielte sein Geld und eckte mit dem Gesetz an. Er trug ein Messer und später eine Pistole bei sich. Monatelang arbeitete er mit anderen Sträflingen aneinander gekettet. Später zeigte er auf den großen Folkfestivals weißen Studenten die Wundmale an seinen Knöcheln. In verräucherten Bretterbuden gab er den Gefühlen und dem Leiden seiner Zuhörer eine Stimme.

"Blues kannst du durch alles kriegen. Einen platten Reifen. Niemand hilft dir. Du bist pleite. Deine Frau ist weg. Fühlst du dich so traurig, kannst du der ganzen verrotteten Welt sagen, du hast nichts als den Blues."

Aus einem Fundus unzähliger Songs konnte Sam Hopkins spontan etwas herauspicken und mit Neuem vermischen.

"Als ich erwachsen war, blieb ich beim Blues. Das ist in Ordnung. Ich habe harte Zeiten erlebt. Als die Leute mich spielen hörten, konnte ich mich bei ihnen aufwärmen und sie haben mir zu essen gegeben."

Seine Wahlheimat wurde Anfang der 40er-Jahre das vom Rassismus geprägte Houston, Texas, mit einem der größten schwarzen Gettos der USA. Hier konnte er seiner dunklen Vergangenheit entfliehen und einen Neuanfang wagen. Lightnin' trug Tag und Nacht eine tiefschwarze Sonnenbrille und seine Schuhe waren so blank, dass sich sein Gesicht darin zu spiegeln schien. Über 30 Jahre hatte er eine Affäre mit einer Frau, Antoinette, die mit einem anderen Mann verheiratet war und Kinder hatte. Plattenverträge hasste er und wollte immer erst Bargeld sehen, dann sang er einen Song. Die Dollarbündel trug er in den Strümpfen versteckt.

Mit dunkler, weicher Stimme erzählte und sang Lightnin', jene Magie ausströmend, die den Country Blues so einzigartig macht.

"Ich kaufte mir ´n schwarzen Cadillac mit Weißbandreifen. Ich sitz´ da drin, ich bin schwarz, mit weißen Zähnen und weißen Augen."

1964 kam er für eine Tournee nach Europa und war bereits eine Legende. Lighnin' Sam Hopkins starb am 30. Januar 1982.

Kalenderblatt

Vor 100 JahrenDer Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer geboren
Der Schriftsteller (u.a."Masante", "Klage und Antiklage") Wolfgang Hildsheimer, aufgenommen während der Internationalen Frankfurter Buchmesse im Oktober 1977. Er wurde am 9. Dezember 1916 in Hamburg geboren und ist am 21. August 1991 in Poschiavo (Schweiz) gestorben. (picture alliance / dpa )

Wolfgang Hildesheimer, Sohn jüdischer Eltern, emigrierte 1934 nach Palästina, studierte Malerei in London und war Simultan-Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen. Danach begann er zu schreiben: Essays, Romane und Theaterstücke. Den größten Erfolg errang er mit seiner Mozart-Biografie.Mehr

Regisseur Richard FleischerDer Meister der B-Movies
Der Regisseur Richard Fleischer (1916-2006) während Dreharbeiten hinter der Filmkamera (undatiert) (picture alliance / dpa / Bert Reisfeld)

"Die phantastische Reise", "Conan der Zerstörer", "20.000 Meilen unter dem Meer": Richard Fleischers Filme verströmen schon im Titel den Willen zum Entertainment. Er war ein besessener Handwerker Hollywoods und zeigte, dass auch Unterhaltungsfilme zur Gesellschaftskritik taugen.Mehr

Vor 75 JahrenDer Angriff auf Pearl Harbor
Japanische Kampfflugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs (picture alliance / dpa / Publifoto)

Am 7. Dezember 1941 startete Japan einen überraschenden Luftangriff auf den amerikanischen Militärstützpunkt Pearl Harbor. Große Teile der US-Pazifikflotte wurden dabei zerstört. Ein traumatisches Ereignis für die Amerikaner, das weitreichende weltpolitische Folgen hatte. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur