Seit 10:07 Uhr Lesart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 10:07 Uhr Lesart
 
 

Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 03.01.2016

"Mein Verein": Artland DragonsEx-Basketball-Bundesligist probiert Neuanfang

Von Heinz Schindler

Maskottchen "Tobi der Drache" beim Spiel der Basketballmannschaft Artland Dragons gegen die Itzehoe Eagles (Deutschlandradio / Heinz Schindler)
Maskottchen "Tobi der Drache" beim Spiel der Basketballmannschaft Artland Dragons gegen die Itzehoe Eagles (Deutschlandradio / Heinz Schindler)

Mitte des Jahres zog sich der Basketball-Bundesligist Artland Dragons aus ökonomischen Gründen freiwillig in die Dritte Liga zurück. Viele Sponsoren blieben, 1800 Dauerkarten wurden verkauft und das junge Team kämpft ehrgeizig für seinen Erfolg bei den Playoffs.

Westlich der Autobahn 1 zwischen Osnabrück und Oldenburg liegt das Artland, eine Kulturlandschaft. Flach, bäuerlich geprägt, kleine Städte wie Quakenbrück mit 12.000 Einwohnern. Kirche, Marktplatz und viel Fachwerk – der Inbegriff der Beschaulichkeit. Außer samstagabends, wenn die Drachen losgelassen werden, die Artland Dragons.

Aus der Bestürzung über den Rückzug der Dragons aus der Basketball-Bundesliga besann man sich auf regionale Kräfte. Der 29-jährige gebürtige Artländer Marius Kröger kam als Geschäftsführer aus Bamberg.

"Was sich eigentlich so angeboten hat, weil ich komm' von hier, es besteht immer ein gewisser Kontakt, wenn man von hier ist, logisch. Und dann Artland Dragons, kennt man natürlich, hab auch tatsächlich schon mal'n Praktikum hier gemacht. Ja, und so hat man einfach mal ganz lose miteinander gesprochen. Ich habe mich kurz den Gesellschaftern vorgestellt, gesagt, vielleicht sprechen wir mal miteinander und haben dann uns relativ schnell am nächsten Tag entschieden, dass wir das versuchen möchten."

Bislang erfolgreich: Viele Sponsoren blieben. Und 1800 Dauerkarten haben die Dragons verkauft, etwa jeder fünfte Einwohner Quakenbrücks kommt zu den Heimspielen in die Artland Arena. Dragan Dojcin, in seiner ersten Saison als Cheftrainer, kennt Quakenbrück noch aus seiner Zeit als gegnerischer Spieler, wenn er mit Trier oder Alba Berlin auflief.

"Ich denke, die Atmosphäre ist die gleiche. Die ganze Stadt lebt für den Basketball. Ich denke, das ist neben Bamberg die einzige Stadt, die immer die gleiche Zahl Fans auf den Tribünen hat. Das ist sehr toll für den Trainer, für meine erste Saison als Headcoach."

Vier Talente aus der eigenen Jugend

Die Infrastruktur ist erstligatauglich, das ist für die Gegner Ansporn, für die Artland Dragons in der Drittklassigkeit aber mitunter auch eine Hypothek. Denn das Drumherum ist nicht immer deckungsgleich mit dem Geschehen auf dem Parkett.

"Auch für die Fans ist andere Situation. Sie alle haben im Kopf Bundesliga. Wenn Spieler machen Fehler, sie können nicht glauben, dass das passiert in dieser Halle. Aber das ist normal. Wenn wir haben angefangen mit Vorbereitung und wo wir jetzt sind: das ist wirklich großer, großer Erfolg. Für alle Leute im Club, für die Sponsoren, für die Spieler und am Ende für die Trainer."

Bei den neuen Dragons stehen vier Talente aus der eigenen Jugend im Kader. Der Jüngste ist derjenige mit der wohl größten Zukunft: Isaiah Hartenstein, mit gerade einmal 17 Jahren Führungsspieler und nächste Saison in Kaunas in Litauen unter den Körben unterwegs.

"Sehr viele sagen, dass sie manchmal nur wegen mir kommen. Ich meine, ich bin erst 17 und ich finde es toll, dass die Fans so hinter mir stehen. Die Fans sind sehr sehr gut zu mir und ich meine, ich mag die auch und die waren schon auch bei meinen JBBL- und U14-Spielen waren die hier, wo ich das erste Mal hier war. Ich fühl' mich auf jeden Fall sehr sehr wohl mit den Fans."

Maskottchen "Tobi der Drache" bei einem Heimspiel der Artland Dragons (Deutschlandradio / Heinz Schindler)Trotz Rückzug in die Dritte Liga: Die Atmosphäre bei Spielen der Artland Dragons ist immer noch gut. (Deutschlandradio / Heinz Schindler)

Die sind fachkundig und wissen inzwischen, dass es für den Tabellenfünften der drittklassigen Pro B kein Selbstläufer wird. Doch sie sehen ehrgeizige Menschen am Anfang ihrer Karrieren – ob Spieler, Trainer Dragan Dojcin oder Geschäftsführer Marius Kröger.

"Wer jetzt Dragan, unseren Trainer kennt und mich kennt ich komm aus Bamberg, hatte das große Glück, zweimal Deutscher Meister zu werden, Dragan ist es mit Alba Berlin geworden. Dass wir uns vor der Saison nicht hingesetzt haben und gesagt haben, wir möchten 'n bisschen in den Playoffs mitspielen, vielleicht überstehen wir eine Runde, vielleicht auch zwei, ist glaube ich völlig logisch. Aber wir haben uns intern ein Ziel gesetzt, wollen in den Playoffs möglichst weit kommen. Das ist in einer Best-of-three- Serie auch immer ein bisschen Glück. Und wir würden uns auch nicht gegen wehren, wenn es in diesem Jahr schon klappen würde logisch!"

Mehr zum Thema

Basketball - Die enteilte Liga
(Deutschlandfunk, Sport am Wochenende, 09.05.2015)

Nachspiel

Das Vereinsheim als TreffpunktDie dritte Halbzeit
Das Vereinsheim vom SV Einigkeit in Hamburg (Imago/Wrongside Pictures)

Die Brötchen sind geschmiert, frischer Kaffee wartet in der Kanne: "Das Vereinsheim ist das Wohnzimmer der Sportbewegung", sagt Peter Hahn, Berater für Sportstätten-Infrastruktur. Dort kommt zusammen, was zusammengehören will – in der Stadt und auf dem Land.Mehr

Ernüchternde Olympia-BilanzDie Moral steht im Regen
Ein Ordner in Regenkleidung weist Besuchern den Weg. Im Hintergrund sind dunkle Wolken zu sehen. (picture alliance / dpa / EPA / Barbara Walton)

Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele mahnte zu Nachhaltigkeit und Fairness. Unserem Redakteur aber fielen vor allem gedopte Sportler, umweltfeindliche Ignoranz und Sportfunktionäre auf, denen der persönliche Profit mehr bedeutet als die Moral. Eine bedrückende Bilanz.Mehr

Crossfit-TrainingSchuften gegen den Schweinehund
Der Sportwissenschaftler und Ex-Rugby-Spieler Leo Löhr beim Crossfit-Training. (Deutschlandradio/ Elmar Krämer)

Mit wenig Aufwand viel Fett verlieren? Damit kann Crossfit nicht gemeint sein. Die in den USA entwickelte Trainingsmethode ist effektiv, aber auch wahnsinnig anstrengend. Unser Reporter hat einen Tag lang in einem Schnupperkurs mitgeschuftet.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur