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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 18.01.2011

Mehr als nur ein Schifferklavier

Das elektronische Akkordeon bietet unzählige Möglichkeiten

Von Thomas Migge

Akkordeonspieler
Akkordeonspieler (Stock.XCHNG Amos Stuck)

Akkordeon ist nicht gleich Akkordeon. Wer argentinischen Tango oder bayerische Polka spielen will, brauchte bislang zwei Akkordeone. Mit der elektronischen Variante kann man nun per Knopfdruck den richtigen Sound einstellen - plus Begleitorchester.

Giorgia Comelli präsentierte sich beim 4. Internationalen Akkordeonfestival in Rom mit einem von Johann Sebastian Bach komponierten Orgelstück. Das war im vergangenen Mai. Sie griff in die Tasten ihres Schifferklaviers und die Zuhörer staunten: Aus dem Instrument erklangen eigentümliche Töne, ein kurioser Mix aus Akkordeon und Orgel.

Giuseppe Russos Akkordeon klang ganz anders. Die eigene Komposition, die er auf dem Festival präsentierte, erinnerte an eine elektrische Orgel. Von typischen Schifferklavierklängen keine Spur.

Ein Akkordeon ist ein Handzuginstrument. Durch das Auseinanderziehen und Zusammendrücken des Instruments wird Luft in den sogenannten Balg gezogen und durch die Stimmstöcke in die beiden Seitenteile geführt. Töne werden durch frei schwingende Metallplättchen, den Zungen, erzeugt.

So war das jedenfalls noch bis vor wenigen Jahren, bis sich Musikinstrumentenhersteller an die Modernisierung des Schifferklaviers machten. Das Unternehmen Roland erfindet im italienischen Acquaviva Picena das Akkordeon neu. Elektronische Instrumente, die den gewohnten Klang des Akkordeons weit hinter sich lassen und Musikern erstaunlich viele neue Möglichkeiten geben.
Manrico Sbaffoni ist Forschungsleiter bei Roland in Acquaviva Picena:

"Das klassische Akkordeon hat einen großen Nachteil: Es gibt zu viele verschiedene Instrumente dieser Art. Ein Akkordeon für Folk- und klassische Musik, für Jazz und so weiter. Es gibt spezielle Akkordeone für italienische und französische aber auch südamerikanische Musik. Jedes mit einem anderen Klang. Das sind im Sound voneinander recht unterschiedliche Instrumente."

Will also beispielsweise ein Musiker auf einem Schifferklavier Volks- und auch klassische Musik spielen, braucht er dafür in der Regel zwei Instrumente. Instrumente, die nicht gerade billig sind.

Die Firma entwickelt deshalb Akkordeons, die alles in einem bieten: den Sound eines Bandoneons, des baskischen Triktixa, des Cajun aus dem US-amerikanischen Louisiana, der Steierischen Harmonika etc. Das neue Instrument ist zwar nicht ganz preiswert, dafür gibt es Musikern aber die Möglichkeit, von einem tonalen Genre in ein anderes zu wechseln - per Knopfdruck.

Doch die in Acquaviva Picena hergestellten Instrumente können noch viel mehr: hier wird zum Beispiel der Sound eines Banjo imitiert, begleitet von einem Bassinstrument. Die neuen Akkordeone bieten also auch instrumentale Begleitung. Oder aber den Klang eines Orchesters.

Die traditionelle Tastatur eines Akkordeons verfügt über eine Vielzahl von Tasten und Knöpfen. Roland hat sie elektronisch aufgemotzt. Das Resultat ist auch ein so erstaunlicher Klang wie dieser.

Das neue Instrument verfügt im Grunde genommen nur noch über eine Hülle, die an das gute alte Schifferklavier erinnert. Drinnen im Kasten sieht alles ganz anders aus.

Manrico Sbaffoni: "Wir haben das Innere des Instrumentenkastens komplett auf den Kopf gestellt. Das Akkordeon verfügt über kein Kabel, das es von außen während des Spielens mit Energie versorgt. Es wird an einer Steckdose aufgeladen. Die Lautstärke kann ohne externe Lautsprecher variiert werden. Dafür haben wir mit Lautsprecherunternehmen zusammengearbeitet, um kleine und extrem leistungsstarke Boxen einbauen zu können."

In seinem Innern verfügt das elektronische Akkordeon über eine Art Bordcomputer. Er steuert die musikalischen Programme und das Lautsprechersystem. Drückt der Musiker auf bestimmte Tasten und Knöpfe, wird auf Wunsch ein ganz bestimmter Sound erzeugt, der sich auf verblüffende Weise nicht von traditionellen Instrumenten unterscheidet. Die elektronischen Programme des neuen Akkordeons bieten, so der römische Musikkritiker Franco Soda, tausend Möglichkeiten:

"Mit solchen Instrumenten kann ein einziger Musiker ein ganzes Konzert allein bestreiten. Er kann, und das ist der enorme Vorteil herkömmlichen Instrumenten gegenüber, per Knopfdruck einen komplett anderen Klang erzeugen oder ihn variieren. Das Gerät birgt in seinem Innern die Möglichkeiten aller existierenden Akkordeone."

Das Soundprogramm des Akkordeons funktioniert allerdings nur in Verbindung mit dem Zusammen- und Auseinanderziehen des bewegbaren Mittelteils des Instruments. Die Elektronik entfaltet also erst dann ihre ganzen Möglichkeiten, wenn der Musiker nicht nur in die Tasten greift, sondern auch, wie ein klassischer Akkordeonspieler, sich hin und herbewegt, um Luft in das Gerät zu pumpen. Und: Man kann das neue Akkordeon auch tief in der Nacht spielen, ohne seine Nachbarn zu stören: mit Hilfe eines Kopfhörers, der an das Gerät angeschlossen wird.