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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.12.2014

Meeresbiologe Nikolas Gelpke"Ich mag das Meer, weil es Sehnsucht weckt"

Moderation: Susanne Führer

Nikolas Gelpke, Meeresbiologe und Chefredakteur des Magazins mare (Mathias Bothor)
Nikolas Gelpke, Meeresbiologe und Chefredakteur des Magazins mare (Mathias Bothor)

"Eine Stimme für die Meere" wollte Nikolas Gelpke schon als Jugendlicher sein. Er studierte Meeresbiologie, wurde dann aber doch kein Wissenschaftler, sondern Chefredakteur des Magazins mare.

Nikolas Gelpke war Taucher, Segler, Hundesitter und schließlich Bibliothekar bei der Seerechtsexpertin und Ökologin Elisabeth Mann Borgese in Kanada. Mann Borgese riet ihm zu einem Studium der Meeresbiologie. Er ging aber nicht in die Wissenschaft, sondern wurde Chefredakteur des Magazins "mare". Heute engagiert sich der Meeresbiologe auch als Präsident der Ocean Science and Research Foundation und des International Ocean Institute für die Meere.

Frühe Faszination für das Meer  

Gelpke hatte schon in der Kindheit seine Liebe zum Meer entdeckt: "Ich war baden und wurde von den Wellen runtergedrückt und fühlte mich da sehr wohl unter Wasser", erinnerte er sich im Deutschlandradio Kultur an erste Erlebnisse an der See. Die meisten hätten eher Angst am Meer. "Die Möglichkeit, sich dem Meer hinzugeben und dem Meer zu vertrauen und dieser Macht, das hat mich sehr früh fasziniert." Gelpke gründete 1996 die Zeitschrift "mare", die sich seither mit einer Mischung aus tiefgehender Information und sinnlicher Gestaltung mit großen, schönen Bildern diesem besonderen Themenfeld widmet. "Ich mag das Meer, wie die meisten Menschen das Meer mögen, weil es wild ist, weil es schön ist und weil es sinnlich ist und weil es weit ist, weil es Sehnsucht weckt", sagte Gelpke über seine Faszination. Dennoch müsse seine Begegnung mit dem Meer offenbar intensiver ausgefallen seien als bei anderen Menschen, die auch schon als Kinder mit ihren Eltern an die See fuhren.

Urängste spielen eine Rolle

Das Meer sei extrem lebensfeindlich, sagte Gelpke. "Man muss großen Aufwand betreiben, technischer Art, um auf dem Meer zu bestehen, mit dem Schiff oder als Taucher." Anderseits wecke das Meer Urgefühle, die man am Land nicht so entwickele. "Vielleicht ist es diese Mischung aus Verzückung über die Sinnlichkeit des Wassers, dann vermischt mit Sehnsucht und ganze kombiniert mit einer gewissen Angst." Es gebe eine Urangst, was kommt aus der Tiefe. Im Umgang mit dem Meer müsse man einige Ängste überwinden. "Ich gehe nicht unter, was kommt von unten, was beißt mich, was kneift mich gleich?" Wer als Schwimmer ins große Meer hinausschwimme, komme nirgendwo an. "Das sind alles so Gefühle, die miteinander spielen, die einfach sehr starke Emotionen auslösen."

Das Gefühl der Unendlichkeit

Früher hätten die Menschen, die beispielsweise im Westen Frankreichs am Meer standen, nicht gewusst, was dahinter kommt. "Bis Kolumbus losfuhr, war das ja völlig unbekannt", sagte Gelpke. "Das heißt, die Menschen betrachteten das Meer und wussten nicht, ob dahinten die Unendlichkeit beginnt." Es sei so ähnlich gewesen, wie wenn wir heute ins Weltall schauten.

Mehr zum Thema:

Meereswissenschaftler - Warum Aquakultur besser als ihr Ruf ist
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 12.11.2014)

Meerestiere - Die Lieder der Riesen
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 11.11.2014)

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