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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 12.12.2012

Mach flott, den Schrott

Bastler entdecken ausgediente Elektronik

Von Michael Engel

Für die einen ist es Müll, für die anderen eine Herausforderung. (AP)
Für die einen ist es Müll, für die anderen eine Herausforderung. (AP)

Viele ältere Menschen, die in den 40er- und 50er-Jahren aufgewachsen sind, werden sich vielleicht noch erinnern: Wie spannend das damals war, ein ausgedientes Radiogerät auseinander zu schrauben. Seit einigen Jahren gibt es eine wachsende Schar von Tüftlern und Hobby-Bastlern, die mit dem Elektroschrott aus alten Rechnern, Druckern und Beamern neue Geräte entwickeln.

In seiner Freizeit komponiert Georg Zimmermann elektronische Musik - am Rechner: Anima - Orcus - Pendulum: Viele seiner Klänge hören sich sphärisch an. Und dann ist da noch ein Hobby, das schon wieder mit Computern zu tun hat:

"Wie soll ich sagen: Wenn man sich Geräte anschaut, findet man darin geniale Sachen. Und die Halbwertszeit wird immer kürzer. Und einher geht damit - finde ich - dass man die Wertschätzung verliert. Die Wertschätzung dessen, was man da eigentlich hat, oder was da jemand mal erbaut oder erfunden hat. Und ich finde es nicht schlecht, wenn man dann heute auch mal 180 Grad anders herum guckt."

Wenn Georg Zimmermann "180 Grad anders herum guckt", dann baut er aus scheinbar wertlosem Elektronik-Schrott etwas Neues: Geräte mit überraschenden Eigenschaften. An entsprechender Hardware mangelt es dem Mitarbeiter der Uni Osnabrück natürlich nicht. Denn als Administrator muss er immer wieder alte Rechner, Beamer oder Drucker ausrangieren: Kein Fall für den Schrotthändler, sondern ein Fest der Freude.

"Das ist für mich schöner als ein Weihnachtsgeschenk auspacken. Ein Gerät auseinander nehmen, dessen Innereien ich noch nie gesehen habe. Und meist sind da so Kernobjekte drin. Und da entsteht so im Kopf - ich kann das schlecht sagen - im Kopf hat man so eine Liste von Objekten , wenn man so will. Man sagt sich: Ach, das ist interessant, aber ich weiß noch nicht so genau, aber damit muss ich irgendwas machen ."

Zum Beispiel diese Kurbel hier. Damit treibt der Tüftler den ausgebauten Schrittmotor eines alten Diskettenlaufwerkes an und erzeugt Strom für eine Taschenlampe, die nun keine Batterie mehr benötigt. Für diese Entwicklung wurde Georg Zimmermann von der renommierten Computerzeitschrift "c't" mit dem ersten Preis bedacht. 2005 startete der in Hannover ansässige Heise Verlag den Recycling-Wettbewerb "Mach flott den Schrott", wie Redakteur und Jurymitglied Daniel Bachfeld erklärt:

"Es geht im wesentlichen darum, einfach aus ausgemusterten Materialien, zum Beispiel einem alten PC, kann man etwas herstellen: Eine Festplatte kann man zum Beispiel zu einem Schleifgerät umfunktionieren oder zu einem Galvanometer, um eine Lasershow zum Beispiel selber zu basteln. Also viele verschiedene Dinge, was man eben so findet, was im PC drin ist. Die Lüfter, daraus kann man zum Beispiel ein Hoovercraft bauen, also ein Luftkissenfahrzeug. All das machen unsere Leser mit diesen ausrangierten Materialien."

Neueste Kreation von Georg Zimmermann ist eine Türklingel - entstanden aus einer umgebauten Festplatte. In der Mitte des geöffneten Datenspeichers sieht man noch die silberne Scheibe, auf der früher einmal die Gigabits landeten. Bei seiner "Festplattenklingel" indes schlägt ein Metallbügel dagegen, rhythmisch bewegt vom ehemaligen Lese-Schreibkopf. Dass ein Datenspeicher nun als Glocke über der Eingangstür fungiert, freut den Tüftler besonders.

"Auf dieser Platte sind ja Gigabyte an Daten drauf gewesen. Mit wichtigen Daten vielleicht. Ja. Und was mache ich jetzt damit? Ich lass da einen Draht drauf rumhämmern, ja, das hat ja auch ein bisschen einen symbolischen Wert (lacht) wenn man so will. Es ist ein bisschen ein Witz. Aber kein flacher. Sondern mit Hintergrund, wenn man so will. Also schönes Design und eine interessante Symbolik."

"Mach flott den Schrott". Mehrere hundert eingefleischte Hardcore-Bastler beteiligten sich an dem ungewöhnlichen Wettbewerb. Mittlerweile gibt es sogar eine eigene Zeitschrift - c't Hardware Hacks - die im vierteljährlichen Rhythmus erscheint. Des Weiteren ein Forum, in das auch nicht registrierte User mal rein schnuppern können.

Neueste Entwicklungen der Hobby-Tüftler: ein Festplatten-Tellerschleifer, ein Laserplotter aus 3D-Laufwerken, eine Mega-CD-Schubladen-Uhr. Nein, das sind keine Spinner, die nichts wegschmeißen können, sagt Daniel Bachfeld aus dem Heise-Verlag in Hannover. Er hält die Szene zusammen.

"Na ja, das sind eben so kreative Leute, die es einfach satt haben, Sachen einfach nur wegzuwerfen. Man muss aber schon sagen: So ein kleines Messie-Gen haben die auch, weil die natürlich sehr viele Sachen immer aufheben, und schauen, was kann ich da für spätere Projekte benutzen. Das sind Leute, die sind schon sehr technisch, aber auch ein bisschen ökoangehaucht und gehen mit dem Trend nicht alles wegzuwerfen."

Und natürlich können die "Hardware Hacks" - Bastelarbeiten mit schrottigen Computerteilen - gerade auch junge Leute motivieren, vielleicht mal über ein Ingenieursstudium nachzudenken. Vielen Lehrer gefällt das, sie greifen die Ideen für ihren Informatik-Unterricht auf. Georg Zimmermann - der Administrator aus Osnabrück - ist da schon weiter. Er baut gerade einen rekordverdächtigen Fernseher: Ein innovatives TV-Gerät, das mit nur minimaler Elektronik farbige Fernsehbilder an die Wand projizieren soll. Dieses Projekt wird ihn wohl noch lange beschäftigen.

"Ich merke, ich mache Sachen, die haben durchaus Niveau. Ich habe auch schon viele Zuschriften bekommen hier von der technischen Universität. Einzelleute, die dann sagen, Gratulation, Klasse, und ohh, das will ich nachbauen. Das macht schon Spaß, weil nur "stilles Kämmerlein" gefällt mir auch nicht so gut. Also ich hab‘ auch etwas mitzuteilen."

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