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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 30.07.2013

Liebeserklärung ans Huhn

Joseph Barber (Hg.): "Das Huhn. Geschichte, Biologie, Rassen", 224 Seiten, Haupt Verlag, Bern 2013

Herausgeber Joseph Barber setzt vieles daran, den Leser von der Schönheit von Huhn und Ei zu überzeugen.  (dpa)
Herausgeber Joseph Barber setzt vieles daran, den Leser von der Schönheit von Huhn und Ei zu überzeugen. (dpa)

Joseph Barber und seine Autoren nehmen die Leser mit auf eine spannende Entdeckungsreise in die Welt der Hühner. Sie enthüllen die erstaunlichen Fähigkeiten dieser faszinierend eigenständigen Lebewesen und vermitteln Wissenswertes über Biologie und Verhalten der Tiere.

Sein Leben beginnt in einer kleinen Höhle aus Kalziumkarbonat, aus der es keinen Ausgang gibt. Gelegentlich fällt ein Lichtschimmer durch die dicken Wände, aber die meiste Zeit herrscht vollkommene Dunkelheit. Mit der Zeit allerdings lassen sich Laute wahrnehmen, Rufe und Gegenrufe. Das Küken ist also nicht allein. Im Gegenteil: Es steht in regem Austausch mit Mutter und Geschwistern, und bricht nach zirka drei Wochen Höhlenaufenthalt zur verabredeten Zeit aus dem Ei.

So anschaulich und atmosphärisch beschreibt Mark Hauber die Brut- und Schlupfphase einer Schar von Küken. Der in New York lehrende Verhaltensbiologe ist einer von fünf Autorinnen und Autoren der schön gestalteten Monografie "Das Huhn. Geschichte, Biologie, Rassen". Tatsächlich verbirgt sich hinter dem sachlichen Titel - sämtliche Schreibende sind anerkannte Wissenschaftler - nicht weniger als eine Liebeserklärung an diese "eigenständigen, faszinierenden Lebewesen".

"Evolution", "Anatomie", "Verhalten", "Intelligenz" und "Rassen" sind die das Buch strukturierenden Kapitel überschrieben, und bereits in der Einleitung wird deutlich, dass die menschliche Faszination für das Huhn am Anfang seiner Domestikation stand.

So waren es keine kulinarischen Interessen, die Mensch und Huhn zusammenbrachten, sondern kulturelle: Der Hahnenkampf hatte unsere Vorfahren vor 10.000 Jahren derart begeistert, dass das zuvor im Dschungel lebende Tier zum Haushuhn wurde, wie die Tiermedizinerin Janet Daly erläutert. Erst die Römer erkannten in ihm den Fleisch- und Eierlieferanten und begannen mit der Zucht, die heute zur industriellen Massenproduktion geworden ist.

Zwanzig verschiedene Warn- und Futterrufe

Wie sehr diese dem Wesen des Huhns zuwider läuft, lässt sich in den Kapiteln zu Verhalten und Intelligenz studieren. So erklärt etwa Joseph Barber die soziale Gemeinschaft der Tiere, die am liebsten in stabilen Kleingruppen mit fester Hackordnung leben. Nur hier funktioniert ihr ausgeklügeltes, auf Farben und Lauten beruhendes Kommunikationssystem mit beispielsweise zwanzig verschiedenen Warn- und Futterrufen. Dass das Huhn zudem zirka 96 Individuen unterscheiden kann, beweist seine besonderen kognitiven Fähigkeiten. Und wenn es innerhalb seiner ersten 48 Lebensstunden auf einen Menschen geprägt wird, lässt sich sogar mit dem Vogel spielen.

Als Skateboardfahrer dürfte es allerdings versagen. Dass es im Lernkapitel dennoch auf einem Brett in Szene gesetzt wird, zeugt von hohem gestalterischen Ideenreichtum und Witz. Es gibt kaum eine Seite ohne Abbildung, darunter viele Zeichnungen und herausragende Fotos - von Details wie Kämmen oder Federn bis hin zum Gruppenbild mit Hahn. Außerdem werden im Schlusskapitel vom Strupphuhn über die Appenzeller Spitzhaube bis hin zum Paduaner einzelne Rassen wie Models in ihrer Schönheit porträtiert; freigestellt vor schwarzem oder weißem Hintergrund.

Dieses Buch versteht durchweg zu überzeugen: wissenschaftlich fundiert und unterhaltsam geschrieben, vermag es, Begeisterung für sein Thema zu wecken und bereitet auch dem Auge Freude.

Besprochen von Eva Hepper

Joseph Barber (Hg.): Das Huhn. Geschichte, Biologie, Rassen
Übersetzt von Susanne Schmidt-Wussow
Haupt Verlag, Bern 2013
224 Seiten, 29,90 Euro


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