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Länderreport | Beitrag vom 29.02.2016

Landtagswahl in Rheinland-PfalzWahlkampf-Medizin von der CDU

Von Anke Petermann

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Landtagswahl 2016: Großflächige Wahlplakate der rheinland-pfälzischen Parteien von FDP (l-r), Die Linke, CDU und SPD stehen am 26.02.2016 am Rheinufer in Mainz. (picture-alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)
Landtagswahl 2016 in Rheinland-Pfalz: Wahlplakate am Rheinufer in Mainz (picture-alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

Die politischen Aussichten in Rheinland-Pfalz sind leicht verwirrend. Aktuelle Umfragen für die Landtagswahl am 13. März lassen eine Große Koalition wahrscheinlicher werden. Die Wahlkämpfer von der Jungen Union sind jedenfalls hochmotiviert.

"Gute Besserung!"

Ein paar Mittzwanziger, in weiße Kittel gewandet, passen Anhänger der SPD Rheinland-Pfalz auf dem Weg zum Mainzer Parteitag ab. Eine Gruppe junger Ärzte – so sieht's aus. Orange-weiße Pillenschachteln verteilen sie. Aufschrift "CDUVision 2016".

"Guten Morgen! Wir bieten CDUVision gegen Rot-Grün-Schwäche an!"

Marian Bracht reicht einem Genossen eine Schachtel. Laut Kleingedrucktem versprechen die Pillen mindestens fünf Jahre Linderung bei einem Wahlsieg der CDU-Spitzenkandidatin. Dass manche in der SPD Julia Klöckner eine "Braunschwäche" attestieren, eine Neigung zu rechter Symbolpolitik, irritiert Marian Bracht nicht:

"Das halte ich für abstrus, weil – also, die Argumentation der SPD in dieser Frage ist eh ein bisschen zweifelhaft. Einerseits sagen sie, Julia Klöckner will die AfD stärken, andererseits sagen sie, Julia Klöckner übernimmt deren Argumente. Also da passt vieles nicht zusammen, was die SPD da behauptet."

Nicht alle greifen bei den Pillen zu

Miguel Vicente, SPD-Integrations-Staatssekretär in der rot-grünen Regierung Dreyer, lehnt die Pillen gegen "Rot-Grün-Schwäche" jedenfalls dankend ab:

"Ich glaub nicht, dass die schmecken."

Insgesamt aber läuft es mit dem Absatz des christdemokratischen Aufputschmittels:

"Überraschend gut, überraschend gut!"

Findet Marian Bracht. Der Politikwissenschaftler in spe stammt aus einer Politikerfamilie. Der Einsatz vorm SPD-Parteitag ist vielleicht sein schwierigster, aber nicht sein einziger im Landtagswahlkampf:

"Ja, mein Studium leidet wahrscheinlich etwas darunter bis zum 13. März, aber - macht auch Spaß. Das ist einfach der Glaube daran, dass 25 Jahre SPD reichen, und ich bin jetzt 25 Jahre alt, ich kenn's nicht anders, und ich bin der Meinung, es wäre mal Zeit, dass es einen richtigen Regierungswechsel gibt. Mit der CDU in der Regierung."

Um den Preis von Studiengebühren?

"Die CDU fordert ja keine Studiengebühren, sondern nur Langzeitgebühren. Das heißt für diejenigen, die im dreißigsten Semester studieren und wirklich auch nicht versuchen, fertig zu werden, die Langzeitgebühren, die es bisher gab, wieder einzuführen. Und: normale Studiengebühren wird's mit der CDU auch nicht mehr geben."

Kein Zweifel, dieser familiär und akademisch gestählte Jungunionist kontert jeden Einwand gegen seine CDU. Der Pfälzer Sozialdemokrat Heribert Sachs lässt sich lieber nicht auf eine Diskussion ein, nimmt aber einen Traubenzucker in Pillenform:

"Das wird zwar nix mit mir, aber trotzdem."

Ein Genosse gesellt sich zu Jungen Union

Ein Genosse mit Prinz-Heinrich-Mütze gesellt sich demonstrativ zum CDU-Nachwuchs. Seit fast vier Jahrzehnten ist Ralf-Peter Beaury in der SPD und nicht zu bekehren, aber:

"Das ist der politische Gegner, aber nit der Feind."

Rote Ansteckungsgefahr?

JUler: "Ich glaub, wir sind geheilt." - Beaury: Lachen

Immun gegen "Rot-Grün-Schwäche". Damit sein Traum vom Wahlsieg der CDU wahr wird, will Marian Bracht sein Studium zugunsten des Wahlkampfs noch ein Weilchen vernachlässigen.

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