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Lesart / Archiv | Beitrag vom 21.08.2011

Kurz und kritisch

Zehn Jahre Terroranschläge vom 11. September

Von Ernst Rommeney

Die Türme des World Trade Center sind in sich zusammengestürzt (picture alliance / dpa)
Die Türme des World Trade Center sind in sich zusammengestürzt (picture alliance / dpa)

Die Literatur über den Al-Kaida-Anschlag auf die Twin-Towers in New York reichen von Verschwörungstheorien, über Geschichten der Täter und Opfer. Zwei der drei heute vorgestellten Bücher versuchen sich auf unterschiedliche Weise den Fakten zu nähern.

Sie unterstützen jene Amerikaner, die verlangen, die Ermittlungen über die vier Flugzeugattentate des 11. September wiederaufzunehmen. Auch die beiden deutschen Journalisten Mathias Bröckers und Christian C. Walther halten die offizielle Version für ein Lügengebäude, das sie vor den Augen der Leser einstürzen lassen.

Auch sie kennen nicht den wahren Tathergang. Sie haben nur ihren Zweifel, dass 19 junge arabische, recht unbedarfte Männer auf sich gestellt und ohne fremde Hilfe solche Terroranschläge durchführen können. Und als Helfer - ob nun unfreiwillig und pannengeplagt oder bewusst und böswillig - stehen die amerikanischen Geheimdienste im Verdacht.

Cover "11.9. - zehn Jahre danach" von Mathias Bröckers und Christian C. Walther (Westend-Verlag Frankfurt)Cover "11.9. - zehn Jahre danach" von Mathias Bröckers und Christian C. Walther (Westend-Verlag Frankfurt)Die Autoren mühen sich, nicht in den Sog umlaufender Verschwörungstheorien zu geraten, geben zu, dass die Flugzeugattacken sich eignen, ebenso mysteriös zu erscheinen wie der Mord an John F. Kennedy, erwägen so gar, ob die Amerikaner Hintergründe gar nicht wissen wollten, weil sie die Erkenntnis nicht ertrügen, die eigenen Staatsdiener hätten an diesem Verbrechen mitgewirkt.

Bröckers und Walther spüren den Fakten nach, akribisch und detailliert. Das macht ihr Buch spannend und lesenswert, weil vieles, was man vor Jahren in der Zeitung las, sich auch ganz anders deuten und erzählen lässt. Und da sie eine neue Untersuchung befürworten, setzen sie ans Ende eines jeden Kapitels ihre Fragen und laden schon einmal fiktiv Zeugen ein.

Mathias Bröckers, Christian C. Walther : 11.9. - zehn Jahre danach. Über den Einsturz eines Lügengebäudes
Westend-Verlag Frankfurt

Schon 2003 hatte der Dokumentarfilmer Gerhard Wisnewski über die Operation 9/11 geschrieben. Nun hat er sein Buch aktualisiert, um auf kriminalistische Weise der Wahrheit auf der Spur zu bleiben. So weit, so interessant - und solange sich die Autoren daran halten.

Cover "Operation 9/11 - Der Wahrheit auf der Spur" von Gerhard Wisnewski ( Droemer Verlag München)Cover "Operation 9/11 - Der Wahrheit auf der Spur" von Gerhard Wisnewski ( Droemer Verlag München)Leider folgen weder Mathias Bröckers, Christian C. Walther noch Gerhard Wisnewski diszipliniert der roten Linie ihrer eigenen Recherche, sondern schweifen immer wieder ab zu Spaziergängen durch die eigene Weltsicht, schreiben wie politische Feuilletonisten und nicht wie Staatsanwälte. Weniger davon wäre mehr, möchte man den Verlagen empfehlen, die es gern reißerisch mögen. Denn es leidet die Schärfe der Aussagen.

So hebt Gerhard Wisnewski hervor, dass er die Attentäter des 11. September für Dilettanten hält, welche eine solche Operation unmöglich durchgeführt haben können. Eher schon hätten sie sich wie Werkzeuge ungekannter Hintermänner benommen. Und den amerikanischen Behörden hält er vor, wer so kurz nach einer Tat bereits alles über die Täter zu wissen glaube, der müsse vorab informiert gewesen sein.

Gut ist es, dass diese Recherchen tief in einen großen, grausamen Kriminalfall inmitten der westlichen Gesellschaft hineinführen, und dadurch nochmals belegen, wie falsch und aufgeblasen die Parole vom "Krieg gegen den Terror" war. Im Gegenteil - und darauf weist er Autor hin - wäre es brisant, wenn mit dem Fingerzeig auf den "Islam" absichtsvoll der falsche Schuldige gebrandmarkt worden wäre.

Gerhard Wisnewski: Operation 9/11 - Der Wahrheit auf der Spur. Über neue Beweise nach 10 Jahren
Droemer Verlag München

Ein "Schwarzbuch Bundeswehr" hat Achim Wohlgethan geschrieben. Er selbst diente als Fallschirmjäger und war unter anderem im Feldlager Kundus in Afghanistan eingesetzt - nahm in diesem Sinne also am Feldzug gegen den Terrorismus teil.

Und vielleicht wäre es klüger gewesen, er hätte sich streng an seine eigenen Erlebnisse gehalten. Eindrucksvoll ist es allemal, wenn er aus dem Alltagsdienst der Soldaten berichtet, vor allem darüber, dass nicht selten das Erlebte nachwirkt und zu psychosomatischen Krankheiten führt. Wenigstens aus einem Buch sollte der Leser erfahren, warum sich ein Soldat, zurückgekehrt aus dem Auslandseinsatz, in der Heimat nicht verstanden fühlt.

Achim Wohlgethan hat Recht zu warnen, dass weder die Bundeswehr noch die Politik oder gar die Öffentlichkeit richtig darauf eingestellt seien, weltweit eine Armee im Einsatz zu haben. Er wiederholt die Kritik, dass die Einheiten im Ausland nicht gut ausgerüstet seien, dass die deutsche Verteidigungsstrategie nicht ausdiskutiert sei.

Aber er verkennt, dass vieles, was er schreibt, bekannt ist. Es wurde nicht nur in den Medien, sondern auch in den Beiträgen der sicherheitspolitischen Fachgemeinde erörtert. Ferner haben das Parlament, der Verteidigungsausschuss sowie sein Wehrbeauftragter, die Bundeswehr fest im Blick. Für ein echtes "Schwarzbuch", welches das offizielle "Weißbuch" hinterfragt, hat es nicht gereicht.

Achim Wohlgethan: Schwarzbuch Bundeswehr. Überfordert, demoralisiert, im Stich gelassen.
C. Bertelsmann Verlag, München 2011



Lesart Lektüre-Tipp:

Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, empfiehlt:

Janosch: "Oh, wie schön ist Panama", erschienen im Beltz-Verlag Weinheim, 9. Auflage (2011)

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