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Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.10.2014

Kunstbiennale VenedigDer deutsche Pavillon setzt auf die Macht der Bilder

Medienkünstlerisches Konzept für die Biennale vorgestellt

Von Claudia Wheeler

Florian Ebner (l), Kurator des Deutschen Pavillons auf der Biennale in Venedig 2015, unterhält sich am 24.10.2014 im Folkwang Museum in Essen (Nordrhein-Westfalen) mit dem Fotografen Tobias Zielony (M) und der Videokünstlerin Hito Steyerl.  (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)
Florian Ebner (l), Kurator des Deutschen Pavillons auf der Biennale in Venedig 2015, unterhält sich am 24.10.2014 im Folkwang Museum in Essen (Nordrhein-Westfalen) mit dem Fotografen Tobias Zielony (M) und der Videokünstlerin Hito Steyerl. (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)

Es wird ganz um Fotografie und Medienkunst gehen bei der Gestaltung des deutschen Pavillons für die Kunstbiennale in Venedig. Florian Ebner vom Folkwangmuseum hat sich dafür ein abwechslungsreiches Team aus deutschen und ägyptischen Künstlern gesucht.

Fotografie und Medienkunst spielen die Hauptrolle im deutschen Pavillon – kein Wunder, schließlich ist Florian Ebner als Leiter der Fotografischen Sammlung des Folkwangmuseums ein Experte auf diesem Gebiet. Drei Künstler aus Deutschland und ein Künstlerduo aus Ägypten werden sich in Venedig mit der Frage beschäftigen, welche Rolle die Fotografie im digitalen Zeitalter spielt.

"Heute leben wir in einer Zeit, in der es evident ist, dass die Bilder unser Leben gestalten mitbestimmen  und diese Allgegenwart der Bilder ist etwas, was nicht zu übersehen ist. Und die Frage ist, gibt es darauf eine interessante Antwort, wie reflektieren die Künstler diese Allgegenwart der Bilder. Das war der Moment gerade an einem solchen Ort wie dem deutschen Pavillon in Venedig diese Frage noch mal zu stellen, also Fotografie jetzt anders zu stellen sie auch politischer wieder zu stellen wie sie im Moment auch gebraucht wird. "

Dramatische Fotos von Bootsflüchtlingen

Einer der ausgewählten Künstler ist Tobias Zielony, einer der interessanten Dokumentarfotografen in Deutschland, der mit seinen Fotos schon in vielen Museen ausgestellt war: Er portraitiert Jugendliche aus Vorstädten, junge Männer aus Osteuropa, die in Deutschland als Stricher arbeiten, minderjährige Flüchtlinge aus Bangladesch, die an den Stränden Italiens Uhren und Sonnenbrillen verkaufen. Aktuell beschäftigt er sich mit Bootsflüchtlingen, die ihre dramatische Überfahrt nach Europa überlebt haben. Das wird wahrscheinlich auch sein Thema im deutschen Pavillon sein.

"Es wird um die Frage der Migration gehen, aber auch um den Versuch, die Geschichte der Ankommenden aus der Perspektive der Herkunftsländer zu erzählen oder der Frage, ob man das aus einer anderen Perspektive erzählen kann. Und auch welche Frage die Bilder in diesem Austausch zwischen Europa oder Deutschland und den Ländern, wo die Leute herkommen, spielen."

Mit dem Thema Flucht und Gewalt beschäftigt sich auch das Duo Jasmina Metlawi und Philip Rizk aus Ägypten. Zusammengefunden haben die Videoaktivistin und der Blogger 2011 während der Revolution in Ägypten. Sie verbreiteten kleine Filme in den sozialen Netzwerken und auf Youtube, in denen sie den Akteuren der Revolution eine Stimme gaben. Migration der Bilder - das ist ein Thema der Ausstellung im deutschen Pavillon. Über das eigentliche Motto hat Florian Ebner mit seinen Künstlern lange diskutiert.

Nicht damit abgeben, wie die Welt verfasst ist

"Wir sprachen am Ende von Widerständigen Bildern in Zeiten digitaler Überbelichtung im Sinne dass sie sich nicht damit abgeben wollen, wie die Welt verfasst ist. Widerständig aber auch, dass sie aus dieser Flut der Bilder heraus heraustritt, widerständiger also in dem Sinne als Bild wahrnehmbarer bleibt  und anders berichten als es die Medien tun."

In dieses Konzept fügt sich noch die Filmemacherin Hito Steyerl ein, die mit ihren kritischen und ironischen Filmen viele kluge Kommentare zu Themen wie Überwachung und der Rolle von Frauen in politischen Konflikten gegeben hat.

Bleibt die Frage, wie die Künstler mit der Architektur des Pavillons umgehen, der 1936 im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie umgestaltete wurde. Diese Aufgabe übernimmt Olaf Nicolai, der gerade erst mit der Umgestaltung der Meisterhäuser in Dessau bewiesen hat, das auch ein dezenter Eingriff große Wirkung entfalten kann.

Details werden noch nicht verraten

"Wir haben mit Olaf Nicolai jemand gefunden, der auf subtile Weise reagiert. Aber die großen Gesten des Protests der Archäologie nach dem Suchen in der deutschen Vergangenheit, all das ist schon gemacht worden. Dieses ganzen Exorzisten, Haacke, letztlich bis hin zu Schlingensief, und auch dieses Abarbeiten an diesen Mythen, all das ist natürlich Teil der deutschen Kunstgeschichte, vor der ich großen Respekt habe, aber das ist auch schon gemacht worden."

Auch wenn heute noch keine Details verraten wurden, verspricht allein die Auswahl der Künstler eine spannende Ausstellung. Weil sie alle in ihren Arbeiten die wichtige Frage nach dem Umgang mit Bildern im digitalen Zeitalter stellen und zum Nachdenken über die politische Bedeutung – und damit auch die Macht der Bilder anregen.

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