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Kulturboom am Amazonas

Internationales Filmfestival im brasilianischen Manaus

Von Ole Schulz

Das Teatro Amazonas, die Oper von Manaus, ist Hauptort des Festivals.
Das Teatro Amazonas, die Oper von Manaus, ist Hauptort des Festivals. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas versucht, sich durch die Förderung von Kunst und Kultur international einen Namen zu machen. Beim internationalen Filmfestival war dieses Jahr sogar erstmals ein Film aus Manaus selbst im Wettbewerb dabei.

Samstagnacht (vor einer knappen Woche) in Manaus, Brasilien: Zur Eröffnung des 9. Amazonas Film Festivals geben sich einige bekanntere Schauspieler des Landes die Ehre – und laufen bei fast 40 Grad und unter lautem Jubel über den "Tapete vermelho", wie der "rote Teppich" auf Brasilianisch heißt.

Hauptort des Festivals ist das "Teatro Amazonas", die berühmte Oper von Manaus, in der schon Werner Herzogs Film "Fitzcarraldo" seinen Anfang nahm. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der neoklassizistische Prachtbau errichtet, als die mitten im Regenwald gelegene Stadt durch den Kautschukboom zu plötzlichem Reichtum gekommen war und einige Jahre als "Paris der Tropen" galt.

Diese dekadente Zeit der Kautschukbarone gehört aber schon lange der Vergangenheit an. Nun versucht die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, sich durch die Förderung von Kunst und Kultur international wieder einen Namen zu machen.

Zum Auftakt des Amazonas Film Festivals läuft der Spielfilm "Colegas", "Kumpels", des Brasilianers Marcelo Galvão. "Colegas" ist ein Roadmovie der ungewöhnlicheren Art: Im Mittelpunkt stehen drei junge Menschen mit Downsyndrom, die aus dem Heim ausbrechen, um ihre Träume zu verwirklichen. Der Regisseur Marcelo Galvão:

"Ich bin mit einem Onkel, der das Downsyndrom hatte, groß geworden und habe mit ihm viele magische Momente erlebt. Diese Freude, die ich empfand, wenn ich ihn getroffen habe – denn er war ein sehr lustiger Mensch –, ist das, was ich anderen zeigen will. Es ist kein Film, der vom Downsyndrom handelt, sondern einer, bei dem Menschen mit Downsyndrom die Hauptrollen spielen."

Die meisten Wettbewerbsfilme in Manaus waren schon vorher bei anderen Festivals zu sehen – zum Beispiel der liebevolle dänische Film "Teddy Bear", der von einem ebenso riesenhaften wie schüchternen Bodybuilder und seiner Suche nach einer Frau handelt.

Oder der verstörende amerikanische Film "Compliance" (Fügsamkeit) von Craig Zobel: Er zeigt, wie schnell Menschen gegen ihre eigenen moralischen Regeln handeln können, wenn sie von vermeintlichen Autoritäten unter Druck gesetzt werden.

Die argentinische Kuratorin Patricia Martin über das künstlerische Konzept des Amazonas Film Festivals im brasilianischen Manaus:

"Es ist ein kleines Festival, für das wir wenige, aber spezielle Filme ausgesucht haben. Sie sollen zur Bildung des Publikums beitragen: Interessante Filme von überall aus der Welt, durch welche die Zuschauer an das Autoren- und Arthouse-Kino herangeführt werden sollen; also Filme, die hier in Manaus sonst nicht zu sehen sind."

Für die Stadt Manaus und den abgelegenen Bundesstaat Amazonas vielleicht wichtiger als der internationale Wettbewerb sind weitere Elemente des Festivals: So gibt es auch einen Wettbewerb für Kurzfilme nur aus der Region. Und: der Eintritt zu allen Filmen ist kostenlos.

Patricia Martin: "Die Regierung des Bundesstaates Amazonas will das Festival auch zu jenen Menschen bringen, die es normalerweise nicht wahrnehmen würden – es gibt zum Beispiel auch Filme in Krankenhäusern und Gefängnissen zu sehen. Oder es wird in Dörfern, die mehrere Stunden entfernt liegen und nur mit dem Boot zu erreichen sind, eine Leinwand aufgebaut. Und auch an Bushaltestellen werden Kurzfilme gezeigt. An all diesen Orten sind Filme zu sehen, damit das Festival die Menschen erreicht."

Hinter all dem steht eine Strategie der Film- und Kulturförderung, welche der langjährige Kulturminister des Bundesstaates Robério Braga entwickelt hat. Während anderswo die Kulturbudgets zusammengestrichen werden, steigt es in Manaus seit Jahren. Dadurch sollen Arbeitsplätze geschaffen und Touristen angelockt werden.

Das Konzept scheint aufzugehen. So hat es dieses Jahr auch zum ersten Mal ein Spielfilm aus Manaus in den Festivalwettbewerb geschafft – "A Floresta de Jonathas", "Jonathas Wald". Der Film handelt von zwei Brüdern und ihrer Familie, die an Grenze von urbanem Umfeld und dem Amazonas-Regenwald lebt.

Bei einem Camping-Ausflug mit einer Touristen verirrt sich Jonathas, einer der beiden Brüder, schließlich im Urwald. Dieser wird im Film allmählich zu einer klaustrophobischen Hölle unter freiem Himmel.

Mehr zum Thema bei dradio.de:
Boom im Regenwald - Die brasilianische Amazonasmetropole Manaus, (DKultur, Weltzeit)



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