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Thema / Archiv | Beitrag vom 24.10.2011

Kritischer Privatsender Klubradio in Budapest von der Abschaltung bedroht

Ungarische Regierung schreibt Frequenz neu aus - Radiomacher bitten Hörer um Spenden

Von Jan-Uwe Stahr

Proteste konnten nicht verhindern, dass eine staatliche Behörde in Ungarn die Medien kontrolliert. Das Klubradio will sich aber nicht gängeln lassen.  (AP)
Proteste konnten nicht verhindern, dass eine staatliche Behörde in Ungarn die Medien kontrolliert. Das Klubradio will sich aber nicht gängeln lassen. (AP)

Das Budapester Klubradio gilt als eines der letzten Medien, die sich noch trauen, auch kritisch über die Politik der rechtspopulistischen Regierung in Ungarn zu berichten. Nun ist der private Sender von der Abschaltung bedroht. Die Frequenz soll neu ausgeschrieben werden.

Ferencs Vicsek schaut auf seine Armbanduhr und schaltet das silberne Kofferradio ein, das neben seinem Schreibtisch steht.

"That´s the morning show..."

Das Morgenmagazin vom Klubradio, einem privaten Rundfunksender, der auf "Fakten und Meinungen" setzt, wie Chefredakteur Ferenc Vicsek betont:

"Unsere Moderatoren laden aber auch Personen des öffentlichen Lebens ein, die etwas von dem jeweiligen Thema verstehen. Dabei werden auch die Zuhörer – interaktiv – mit einbezogen. Auf diese Weise können Meinungen viel freier geäußert werden als jetzt beim öffentlich-rechtlichen Radio. "

Im öffentlich-rechtlichen Radio und Fernsehen findet eine offene Auseinandersetzung mit der Regierungspolitik nur noch äußerst selten statt. Nach ihrem Erdrutschsieg, im Frühjahr vergangenen Jahres, besetzte Viktor Orbáns rechtskonservative Regierung alle wichtigen Posten mit seinen Parteianhängern. Bei den staatlichen Medien kam es reihenweise zu Entlassungen von unliebsamen Journalisten. Aber auch das unabhängige Klubradio, das sich mit Geldern aus einer privaten Stiftung und Werbeeinnahmen finanziert, möchte die Regierung offenbar abschalten: So wurden dem Sender die Werbeaufträge sämtlicher staatlicher Institutionen und öffentlicher Unternehmen entzogen. Und damit eine der wichtigsten Einnahmequellen. Um das Programm zu retten, haben wir uns zu einem ungewöhnlichen Aufruf entschlossen, sagt Vicsek und spielt auf seinem Computer einen der "Jingles" vor, die jetzt täglich über den Sender laufen.

"Kedves hallgatunk ... Liebe Hörer! Das Mediensystem ist nach der Wende stärker bedroht, als man sich das vorstellen kann. Das Klubradio startet eine Initiative und dazu bitten wir Sie um ihre Hilfe...."

Die etwa halbe Millionen Hörer des Klubradios werden gebeten, für das Programm zu spenden und dafür Sendeminuten zu "adoptieren". Die Aktion sei bisher sehr erfolgreich gewesen, sagt Vicsek.
Zudem gab es in Budapest zahlreiche Benefizkonzerte für das Klubradio. Dennoch könnten das letzte kritische Politikradio und seine rund 100 Mitarbeiter nun endgültig vor dem Aus stehen: Die neue Medienbehörde, die Orbans Fidesz-Regierung zur Kontrolle der Massenmedien geschaffen hat, lässt die Sendefrequenz des Klubradio jetzt neu ausschreiben.

Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

"Ich hoffe, dass man wirklich mal anfängt zu kämpfen"

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