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Krieg oder Frieden

Rudy Wiebe: "Friede wird viele zerstören", Tweeback Verlag, Bonn 2009, 377 Seiten

Schauplatz sind die Urwälder Kanadas.
Schauplatz sind die Urwälder Kanadas. (Stock.XCHNG / Gerla Brakkee)

Der Leser findet sich in Rudy Wiebes Roman "Friede wird viele zerstören" im Kriegsjahr 1944 wieder. Ein junger Kanadier steht vor der Alternative, entweder den Kriegsdienst grundsätzlich aus religiösen Gründen zu verweigern - oder aber doch in den Krieg gegen Hitler zu ziehen.

"'Wie kann ein Mensch einen anderen lieben?'
Da war nur das Knistern des Holzes im Ofen."


Kanada gilt als eines der kosmopolitischsten Länder der Welt; ein kanadischer Schriftsteller trägt sogar einen deutschen Namen: Rudy Wiebe.

Rudy Wiebe, Jahrgang 1934, war 30 Jahre Professor für Literatur und gilt als einer der renommiertesten Autoren seines Landes. Zwölf Bücher hat er geschrieben, zwei davon wurden mit dem wichtigsten Literaturpreis Kanadas ausgezeichnet, und drei Romane von ihm wurden bisher auf Deutsch verlegt. Als erster sorgte "Land jenseits der Stimmen" 2001 für Furore.

Zu schreiben begann Wiebe 1959. Sein erster Roman erschien 1962, jetzt, fast 50 Jahre später, ist "Friede wird viele zerstören" auch in Deutschland angekommen.

Das Bibel-Zitat im Titel spiegelt den Grundkonflikt des Romans. Der Leser findet sich im Kriegsjahr 1944 wieder. Ein junger Kanadier, ein radikaler Pazifist - die Hauptfigur des Romans - steht vor der Alternative, entweder den Kriegsdienst grundsätzlich aus religiösen Gründen zu verweigern oder aber doch in den Krieg gegen Hitler zu ziehen. Mit Hitler Frieden zu schließen, hieße, dem Morden zuzuschauen: "Friede wird viele zerstören".

Schauplatz des Romans ist ein winziges Dorf in den Urwäldern Kanadas, in dem Deutsch gesprochen wird. Die deutschstämmigen Einwohner gehören zur Religionsgemeinschaft der Mennoniten, auch Wiedertäufer genannt, einem Zweig des Protestantismus, der strikt pazifistisch lebt und der nach einer jahrhundertelangen Odyssee durch Europa 1930 aus der Sowjetunion nach Kanada geflohen ist. Die meisten Romane Wiebes sind weitgehend autobiografisch.

"Friede wird viele zerstören" kommt zunächst als Idylle daher, als Zeitreise in ein kleines deutsches Dorf, das um die Idee einer heilen Welt kämpft, wundersam poetisch und zugreifend. Aber Wiebes expressive Sprache, "… die weiße Dunkelheit des eisigen Winters …", ist ebenso emotional und moralistisch: "… die Ordensspangen spannten sich …wie Narben ungeheurer Potenz über seine Brust".

Was passiert? Eine junge Frau stirbt an einer ungewollten Schwangerschaft. Eine andere wird fast vergewaltigt. Ein Weißer heiratet eine Indianerin. Der Dorflehrer zieht in den Krieg. Kühe entlaufen. Die neue Lehrerin ist eine Sexbombe, und es kommt zur Schlägerei am schönsten Weihnachtsabend, den das Dorf bis dahin erlebt hatte. Was eben so alles passiert in einem Dorf.

Besprochen von Lutz Bunk

Rudy Wiebe: Friede wird viele zerstören
Aus dem Englischen übersetzt von Joachim Utz
Tweeback Verlag, Bonn 2009
377 Seiten, 24,95 Euro

Lesungen:

13. Nov. 19 Uhr Bolanden-Weierhof, Mennonitengemeinde, Crayenbühlstraße 7
15. Nov. 19 Uhr Neuwied-Torney, Mennonitengemeinde, Pommernstr. 9
16. Nov. 19 Uhr Marburg, Kanadasaal der Uni-Bibliothek, Wilhelm-Röpke-Str. 4
18. Nov. 19 Uhr Hamburg-Altona, Mennonitengemeinde, Mennonitenstraße 20
19. Nov. 19 Uhr Krefeld, Mennonitengemeinde, Königstr. 132
21. Nov. 17 Uhr Detmold, Aula der AHF-Schule, Georgstr. 24

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