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Kompressor | Beitrag vom 25.02.2016

"Krass - Kultur Crash Festival"Ein Stück gegen den medialen "Zschäpe-Kult"

Branko Simic im Gespräch mit Timo Grampes

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Beate Zschäpe NSU-Prozess Oberlandesgericht München (dpa /picture alliance / Peter Kneffel )
"Wie das Lächeln aus dem Gesicht von Beate Zschäpe verschwindet" heißt die Uraufführung in Hamburg, die sich mit den NSU-Umtrieben auseinandersetzt. (dpa /picture alliance / Peter Kneffel )

Die NSU-Umtriebe beschäftigen Festivalleiter Branko Simic beim "Krass - Kultur Crash Festival" in der Hamburger Kampnagelfabrik ebenso wie die Lage der Flüchtlinge. Er setzt auf Interaktion mit den Zuschauern.

In seiner Theaterproduktion "Wie das Lächeln aus dem Gesicht von Beate Zschäpe verschwindet" beschäftigt sich der Regisseur Branko Simic mit der Person Zschäpes als Symbolfigur für den rechtsterroristischen "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) und dem "Rechtsruck in der Gesellschaft". Es gebe einen Kult um Zschäpe, sagte Simic im Deutschlandradio Kultur über die Angeklagte im NSU-Prozess. Diesen Kult hätten vor allem die Medien betrieben. "Da haben wir versucht, etwas dagegen zu setzen", sagte der Regisseur über die Uraufführung im Rahmen der vierten Ausgabe des "Krass - Kultur Crash Festival".

Theater als offenes Medium

Das Festival binde Flüchtlinge bewusst ein, sagte Simic.  Er kenne auch die kritischen Stimmen, die Theaterarbeit mit Flüchtlingen anders bewerteten. "Ich sehe diese Grenzen grundsätzlich nicht im Theater, will sie auch nicht sehen." Theater solle ein offenes Medium bleiben. Er wisse aus persönlicher Erfahrung, dass Kultur und damit auch Theater, eine freiende Arbeit haben könne. "Wir arbeiten seit Monaten mit einem Flüchtlingsheim in Neugraben", sagte der Regisseur. Es gebe Tanzkurse und Gespräche über die Erfahrungen der Flüchtlinge.  "Wenn man dort ist, versteht man im Grunde genommen alles."  Im Flüchtlingsheim begegne einem eine "enorme Langeweile  und eine Passivität", weil die Menschen monatelang nichts tun könnten und in ihren Räumen wie eingesperrt lebten. Er habe dort auch einen Regisseur aus Bagdad kennengelernt. Die Leute seien sehr frustriert. Da, wo er mit seinen Tänzern hingekommen sei, erlebten die Flüchtlinge es wie eine "Befreiung".   

Bis 6. März sind in der Kampnagelfabrik 18 Aufführungen, interaktive Installationen und Konzerte internationaler Künstler zu den globalen Migrationsbewegungen zu erleben.

 

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