Seit 01:05 Uhr Tonart
 
Mittwoch, 25. Mai 2016MESZ03:26 Uhr

Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 11.11.2013

Kostenloses mobiles Surfen

Düsseldorf ist die erste Stadt in Deutschland, die Gratis-WLan anbietet

Von Stephanie Kowalewski

Blick auf Düsseldorf mit Lambertuskirche, Schlossturm und Rheinuferpromenade (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)
Blick auf Düsseldorf mit Lambertuskirche, Schlossturm und Rheinuferpromenade (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)

In der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen können jetzt Einwohner und Touristen kostenlos und unbegrenzt online gehen: zunächst an rund zehn Hotspots, später an 50 Stellen in der Innenstadt.

Die Königsallee ist die Prachtmeile Düsseldorfs. Hier haben die großen Modelabels der Welt ihre Boutiquen, hier flanieren die Reichen und Schönen und die, die sich das Ganze einfach mal ansehen wollen. Die Kö steht wohl bei jedem Touristen auf dem Programm, der die Stadt besucht. Und hier, mitten auf der Kö, fiel der Startschuss für das kostenlose WLan-Netz, auch WiFi genannt, für jedermann, sagt Michael Maletz.

"Wir haben jetzt hier erstmalig in einer deutschen Stadt dieses WiFi in den öffentlichen Raum gebracht: Es ist frei, es ist kostenlos und es ist einmalig."

Michael Maletz ist NRW-Regionalmanager der Wall AG, die in Düsseldorf seit Jahren so genannte elektronische Stadtinformationsanlagen betreibt. An diesen Säulen konnten Besucher bislang kostenlose und mehrsprachige Informationen über Restaurants, Veranstaltungen, Hotels und Einkaufstipps abrufen. Jetzt sind hier auch die neuen Hotspots untergebracht. Ein großflächiger Sticker mit der Aufschrift "bluespot Free WiFi" macht auf das neue Angebot aufmerksam. Um den drahtlosen Gratis-Internetzugang nutzen zu können, ist allerdings eine Registrierung erforderlich. Und so wird’s gemacht:

"Im Grunde gehen wir bei jedem Handy auf die Einstellungen, suchen dort nach Drahtlosnetzwerken, gehen dann auf die WLan-Einstellungen, dort werden dann alle Netzte angeziegt, die im Umfeld hier zur Verfügung stehen. Das erste, was hier auftaucht, ist das bluespot. Das ist unser Netz, da gehen wir jetzt drauf. Wir verbinden."

Es öffnet sich eine Seite, auf der man sich einmalig mit Vor- und Nachnamen, das können auch Fantasienamen sein, sowie der realen E-Mail Adresse und einem Passwort anmelden muss. Das geht flott und ist unkompliziert, meint diese Frau, die sich gerade registriert hat – allerdings erst nach einigem Zögern, räumt sie ein.

"Das kostet dann schon erst einmal Überwindung, weil man sich denkt: Sind die Daten dann sicher? Zumindest in letzter Zeit kriegt man ja immer wieder mit von Datenklau und, und, und. Also, muss man sich schon gut überlegen."

Die Registrierung der Daten ist aus rechtlichen Gründen zwingend notwendig, sagt Michael Maletz. So könnten über das kostenlose WLan-Netz zum Beispiel illegale Seiten besucht oder Daten heruntergeladen werden, die dem Urheberrecht unterliegen, was verboten ist:

"Stichwort ist die so genannte Störerhaftung. Störerhaftung heißt, dass derjenige, der WiFi zur Verfügung stellt eben auch dafür haftet, was über seine Datendienste abgerufen wird an Daten. Und da gibt es natürlich nicht nur positive Beispiele sondern auch negative Beispiele. Wir müssen natürlich sicherstellen, dass wir denjenigen auch bekommen, adressieren können, der eben eine Nutzung hier eben vornimmt, die nicht in unserem Sinne ist."

Er beteuert aber, dass die Datensicherheit gewährleistet sei. Die persönlichen Daten und die Informationen, auf welchen Seiten gesurft wurde, lägen auf unterschiedlichen Servern. Außerdem würden die Daten zu den angesteuerten Internetseiten nach der Nutzung gelöscht. Dennoch: Bei einem mehrmonatigen Pilotproket in Berlin kritisierten Mitglieder der Piratenpartei, dass die Wall AG als Betreiber personenbezogene Daten der Nutzer erhebt und speichert. Letzlich sei aber ein Gratis-WLan troz aller Zweifel richtig und wünschenswert. Das findet auch der Mann im Anzug, der ein paar Meter neben der Multimediasäule auf der Kö steht. Seit Minuten schon schaut er konzentriert auf sein Smartphone. Er ist für ein paar Tage aus geschäftlichen Gründen in Düsseldorf, sagt er:

"Ich bin aus Dänemark und ich mag es. Es ist umsonst und in den Hotels ist es sehr teuer. Daher spare eine Menge Geld. Ich hab zwar keine Ahnung, wer dahinter steckt aber es funktioniert. Also checke ich gerade meine E-mails."

Ein paar Meter weiter sitzt ein Pärchen aus Belgien in einem Cafe auf der schicken Königsallee beim Latte Macciato. Während sie das Treiben auf der Edelmeile verfolgt, ist er mit seinem Tablet-PC auf der Suche nach den Öffnungszeiten eines Museums. Auch er surft kostenlos mit "bluespot WiFi" und spart sich so die sonst fälligen Roaming-Gebühren.

"Es ist leicht. Man hat ja auch eine Menge Apps auf dem Handy, für die man WiFi braucht und die man hier umsonst nutzen kann. Es ist eine sehr gute Idee für Touristen."

Bis Mitte kommenden Jahres sollen 50 werbefinanzierte Hotspots in der Innenstadt ein breites WLan-Netz zum Nulltarif für jedermann bieten. Je nach Standort variiert die Reichweite der kabellosen Internetverbindung zwischen 50 und 250 Metern. Nutzer müssen also nicht in unmittelbarer Nähe des Hotspots sein, um das Angebot nutzen zu können. Das alles macht die Messestadt Düsseldorf noch attraktiver, ist Oberbürgermeister Dirk Elbers überzeugt, besonders für Besucher.

"Ich glaube, das ist für alle Städte ganz ganz wichtig eben auch als Marketinginstrument. Es ist zunächst mal ganz wichtig für Businessleute, für Touristen. Die sind natürlich hier in der Altstadt, an verschiedenen Stellen, wo man sich dann auch mal hinsetzten kann, und auf der Königsallee. Und wenn sie 50 von diesen Hotspots haben, dann ist das, glaube ich, für die Innenstadtbereiche sehr ausreichend."

Für den OB war es obendrein wichtig, dass die WLan-Netze stabil und leistungsstark sind, die Daten also schnell transportiert werden können.

"Ganz wichtig ist auch, dass es nicht so langsam wird, wenn zehn drumherum sitzen und surfen wollen. Dann hat man keine Lust mehr. Sondern da können 20 sitzen und dann ist es doch immer noch ziemlich schnell. Ich glaube, auch das ist ein großer Vorteil."

Die Info-App Bluespot der Firma Wall AG (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)Die Info-App Bluespot der Firma Wall AG, hier mit Infos zu Berlin (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)Dass das alles funktioniert, hat die Wall AG in einem Pilotversuch im vergangenen Jahr in Berlin getestet. Da brach das Netz auch dann nicht zusammen, als rund einhundert Nutzer gleichzeitig über einen Hotspot ins Internet gegangen sind, beteuert Michael Maletz. Und weil das imagestärkende und hippe Angebot für die Städte und Kommunen kostenlos ist, beobachten im Moment viele wie es in Düsseldorf läuft.

"Wir haben natürlich aufgrund dieser Eröffnung hier rege Nachfrage aus der ganzen Republik zu diesem System, weil natürlich es für jede Stadt auch ein Kriterium ist, freies WiFi anzubieten. Also wir sind gespannt, wie es weitergeht. Wir denken, dass wir weitere Städte verbinden werden. Jetzt erstmalig haben wir es in Düsseldorf gemacht."

Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Offene WLANs

Elektronische Welten

MedizinKrank gespielt
Eine Geige, eine Flöte, eine Mundharmonika und ein Banjo liegen auf einem Notenblatt.   (picture-alliance / dpa / Wolfgang Thieme)

Einige leiden unter Kreuzschmerzen, andere bekommen verkrümmte Finger: Viele Musiker leiden unter Berufskrankheiten. Wissenschaftler der ETH Zürich wollen den Ursachen häufiger Beschwerden auf den Grund gehen.Mehr

EmpfehlungenAbenteuer, Strategie, Denkspiel
Das Exemplar einer durchsichtigen Sonderedition des ersten Gameboys ist am 14.04.2014 im Computerspielmuseum in Berlin in einer Vitrine zu sehen. (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)

Im Sommer gibt es wenig Neues auf dem Spielemarkt, wir haben dennoch drei Spiele gefunden. Man kann sich als strategisch denkender Ermittler austoben, sich auf eine gefährliche Insel begeben oder ein Männchen durch ein Level zum Ausgang führen. Mehr

GefahrgutEin Roboter für den Treibstofftransport
Mitarbeiter in der PCK Raffinerie GmbH im brandenburgischen Schwedt  (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)

Roboter gibt es heute in vielen Bereichen. Auch die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt will künftig eine mobile Maschine einsetzen. Dort soll sich ein Roboter sogar in komplexen Situationen von selbst zurechtfinden.Mehr

weitere Beiträge

Wissenschaft und Technik

Drogen"Kommt ein guter Rauch"
Vier E-Shishas (dpa / picture alliance / Daniel Reinhardt)

Eine E-Shisha ist wesentlich kleiner als die orientalische Wasserpfeife und ähnelt in der Funktion einer elektronischen Zigarette. Die meist sehr bunten elektronischen Shishas machen Jugendliche glücklich − Eltern und Suchtexperten sind hingegen besorgt.Mehr

weitere Beiträge

Breitband

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj