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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 07.05.2013

Kontakte in die Vergangenheit

Auf der Suche nach Spuren von russischen Kriegsgefangenen

Von Thilo Schmidt

Ein erschöpfte russische Zwangsarbeiterin ruht sich im April 1945 in der Sammelstelle für Zwangsverschleppte in Würzburg auf Gepäckstücken aus.  (picture alliance / dpa / A0009_dpa)
Ein erschöpfte russische Zwangsarbeiterin ruht sich im April 1945 in der Sammelstelle für Zwangsverschleppte in Würzburg auf Gepäckstücken aus. (picture alliance / dpa / A0009_dpa)

Über 5 Millionen sowjetische Militärangehörige wurden von den Nazis im Zweiten Weltkrieg verhaftet. Jeder zweite sah seine Heimat nie wieder - erfroren, verhungert, am Straßenrand erschossen. Wo erinnert ein Denkmal in Deutschland daran? Als Opfergruppe werden sie kaum wahrgenommen. Eine Entschädigung erhalten sie - anders als Zwangsarbeiter - nicht.

Radczuweit: "Die sowjetischen Kriegsgefangenen damals waren überall präsent. Und wir wissen von vielen deutschen Zeitzeugen, dass viele damals auch einfach Mitleid hatten mit diesen Elendsgestalten in zerlumpter Uniform. Und nach '45, das verwundert uns schon, war es wie ausgelöscht, ja? Niemand erinnerte sich mehr!"

Es ist ein dunkler Fleck in der Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen. Über fünf Millionen gerieten in deutsche Gefangenschaft, über drei Millionen starben in den Kriegsgefangenenlagern, auch Stammlager, "Stalag" genannt. Sie waren die größte Opfergruppe nach den Juden. Unter Verweis auf das Kriegsrecht erhalten sie bis heute keine Entschädigung aus Deutschland, anders als die zivilen Zwangsarbeiter.

Suchan-Floss: "Es war völlig klar, dass im ersten Winter, 41/42, die überwiegende Mehrheit, also 90 Prozent der noch lebenden sowjetischen Kriegsgefangenen nicht arbeitsfähig waren, es gab trotzdem keine höheren Essensrationen, die Bedingungen, vor allem in der Schwerindustrie und im Bergbau waren schrecklich, selbst die Wehrmacht, die ja immer noch die Oberaufsicht hatte, auch in den Arbeitslagern, hat sich massiv beschwert über die Bedingungen von Krupp und Thyssen."

… sagt Sibylle Suchan-Floss von "Kontakte-Kontakty – Verein für Kontakte zu den Ländern der ehemaligen Sowjetunion". Der Verein hat sich 1990 gegründet. Er setzt sich für die Opfer des Nationalsozialismus im ehemaligen Ostblock ein, besonders aber für die sowjetischen Zwangsarbeiter. Weil deren Schicksal bis heute tabuisiert und marginalisiert wird. In Deutschland und der ehemaligen Sowjetunion.

Suchan-Floss: "Die Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen, nicht der Kriegsgefangenen im zweiten Weltkrieg überhaupt, sondern der sowjetischen Kriegsgefangenen, ist, nach allem, was man weiß, eine solche Sache der besonderen Grausamkeit und Sache der rassischen und ideologischen Verfolgung einer bestimmten Gruppe."

Die noch lebenden Kriegsgefangenen stellten im guten Glauben, dass sie auch von der Zwangsarbeiterentschädigung profitieren, einen Antrag an die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft".

Kontakte-Kontakty hat Spenden für Ex-Kriegsgefangene gesammelt

Eine Personalkarte eines russischen Zwangsarbeiters in Buchenwald (AP Archiv)Eine Personalkarte eines russischen Zwangsarbeiters in Buchenwald (AP Archiv)Radczuweit: "All diese 20.000, die Anträge gestellt hatten auf Kompensation für geleistete Zwangsarbeit, ja? Die russische "Kompensazja" war da allgegenwärtig, die bekamen ein bürokratisches Ablehnungsschreiben, dass sie tief getroffen hatte, ja? "Nicht leistungsberechtigt" zu sein. Das haben sie einfach nicht verstanden, und sie haben natürlich auch nicht das deutsche Gesetz verstanden, diesen Paragraphen, der da stand, das ist für sie bis heute unverständlich."

Eberhard Radczuweit und seine Mitstreiter vom Verein Kontakte-Kontakty begannen daraufhin, selbst Spenden einzutreiben und die noch lebenden Kriegsgefangenen zu bedenken – mit einer symbolischen Entschädigung. 7.000 Kriegsgefangene hat der Verein erreicht, und damit, so sagt Radczuweit, vermutlich fast alle, die überhaupt noch leben.

Sowjetische Kriegsgefangene - in Deutschland ignoriert, in der Sowjetunion diskriminiert. Wer sich in Kriegsgefangenschaft geriet, war in den Augen Stalins ein Verräter, sagt Dmitri Stratievski. Der gebürtige Ukrainer hat Geschichte in Berlin studiert. Auch er engagiert sich bei "Kontakte-Kontakty".

Stratievski: "Also ich würde das nicht pauschaliert als "letzte Kugel für sich selbst" betiteln, aber von der Führung der Sowjetarmee war natürlich Kampf bis zuletzt erwartet, also selbst in einer ausweglosen Situation."

Unter Stalin noch kamen ein Drittel der Heimgekehrten in Strafbataillone oder ins Gulag. Aber auch nach Stalins Tod setzt sich die Diskriminierung fort. Auf staatlicher und privater Ebene, in Ausbildung und Karriere.

Stratievski: "Damals gabs und gibt’s immer noch mächtige Veteranenräte, und Kriegsgefangene waren oft keine Mitglieder eines Veteranenrates. Und innerhalb einer kleinen Dorfgemeinde war es natürlich für diese Menschen extrem kritisch und beleidigend. Sie haben auch gekämpft für ihr Vaterland, sie haben ihr Vaterland verteidigt … diese Nichtanerkennung, Nicht-Akzeptanz in der Gesellschaft, das war praktisch die schwerste Wunde."

Popov: "Was Weißrussland betrifft, so kann ich nicht sagen, dass sich irgendetwas gegenüber den Kriegsgefangenen änderte …"

… sagt der ehemalige Kriegsgefangene Boris Antonowitsch Popov aus Weißrussland.

"Die Parteiorganisation diskriminierte uns weiterhin. So verwehrte man mir 1969 die Teilnahme an einem Kongress in London. Die Parteiorganisation lehnte dies ab und war ich von der Delegation ausgeschlossen."

Popov geriet im Sommer 1941 nahe Minsk in deutsche Kriegsgefangenschaft. Im April 1945 wurde er aus dem "Stalag IV B" in Mühlberg an der Elbe im Südwesten Brandenburgs befreit.

"Wir kannten denselben Hund noch. Lumpi"

Neuburxdorf, ein Nachbarort von Mühlberg. Bernd-Jürgen Fritsch hat als langjähriger Vorsitzender des örtlichen "Heimat- und Naturschutzvereins" begonnen, sich für das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen zu interessieren. Das ehemalige Lager kann man von seinem Wohnzimmerfenster aus sehen.

Fritsch: "Sie müssen sich bücken, ja, Sie müssen sich hier, setzen Sie sich dort hin … und da sehen Sie dort diese Pappelstrünke, über diesen Fichten. Da ist die Zufahrt schon, ja?"

Fritsch und der Heimatverein haben Kontakt zu einem ehemaligen Kriegsgefangenen des Lagers Mühlberg aufgenommen. 1999, zum Hundertjährigen Bestehen des Ortes wollten sie ihn einladen. Unterkunft, Reisekosten, Krankenversicherung, alles schien geklärt. Doch die Reise scheiterte am Dickicht staatlicher Bürokratie – an Visaformalitäten.

Fritsch: "So. Das is ja das Schreckliche. Ich hab mit ihm gesprochen. Am Telefon. Wir kannten noch … ich bin ja viel jünger als er. Wir kannten aber denselben Hund noch. Lumpi. Der hatte drei Läufe, drei Beine. Deswegen erinnert man sich, so ein gelber war das, ja? Aber das ist ja nun nicht der Kern der Sache."

Michail Wasilewitsch Schidkows Glück im Unglück war, dass er nicht zur Zwangsarbeit in der Industrie herangezogen wurde, sondern als Landarbeiter bei einer Familie in Neuburxdorf diente – die unter der Uniform einen Menschen erkannte. Und dass ihm die Flucht aus dem Lager gelang. Auf seiner Flucht schrieb er der Familie einen Brief. Fritsch zeigt das vergilbte Papier und liest aus einer Übersetzung:

"Im zweiten Monat meiner Flucht befinde ich mich nordöstlich von Lodz. Mein Tisch ist die Feldflasche, mein Arbeitszimmer der Wald und mit Fenster nach dem Süden. Dort ist der See. Ich bin auch menschenscheu geworden, ich fürchte mich vor allem, und daher kehrte ich nicht zu ihnen zurück. Wie viel habe ich gesehen und überlebt. Aber warum? Um den Schandfleck zu tilgen und die Ehre wieder herzustellen. Dann werde ich nicht …"

Herr Fritsch ringt um Fassung:

"… um meine Mädchen Angst haben. Leider weiß ich nichts mehr zu schreiben. Alles Gute, 9.10.44. Lodz, Schidkow."
Autor: "Das nimmt Sie sichtlich mit?"
"Ja, na klar."

Bernd-Jürgen Fritsch wird keine Gelegenheit mehr haben, Schidkow zu treffen. Er ist 2002 gestorben.

Dass die Neuburxdorfer ihn überhaupt fanden, und das schon vor der Wende, ist ein Zufall: Ein Journalist aus der Umgebung traf ihn zufällig in seiner Heimatstadt Lipezk im fernen Russland.

Fritsch: "Aber: Der Herr Schidkow gilt ja in Russland – oder galt – ja noch als Held! Er ist ja zurückgeflüchtet. Während die anderen hier umkamen. Und die galten in Russland – als nichts!"

Und so erfuhren lange Zeit oft noch nicht einmal die engsten Angehörigen etwas über das Schicksal ihrer verschollenen Angehörigen. Etwa 3.000 Kriegsgefangene starben im Lager Mühlberg. Mehr als zwei Drittel davon waren Rotarmisten.

Fritsch: "So, mach mer los, mach mer los. Wir finden hier sonst kein Ende."

Das Lager Mühlberg, keine fünf Gehminuten von Fritschs Haus entfernt. Wo heute lichter Laubwald ist, befanden sich die Baracken für die Kriegsgefangenen.

Fritsch: "So, das war rechts und links, hier, diese großen Dinger, das war die Barackenstadt. In der Mitte war dann so ein Ofen drin, hier an den Köpfen waren so ne Aborte, das waren bloß die Nachtaborte, die großen Aborte, da gehen wir jetzt hin, das ist dort, wo wir vorhin vorbeigegangen sind, wo sie reingehen wollten . Und jetzt gehen wir mal hier …"

Der Heimatverein hat dem ehemaligen Kriegsgefangenen Michail Schidkow eine Stele an der Gedenkstätte am ehemaligen Lager Mühlberg gewidmet, es ist bereits die achtzehnte Stele, die die Ehrenamtlichen aufgestellt haben.

Menschen vegetierten in Erdhöhlen vor sich hin

Zeithain, Nordsachsen, ein paar Kilometer entfernt von Mühlberg. Ein Außenlager des "Stalag IV B", das stufenweise zum Lazarettlager ausgebaut wurde. Geplant wurde es kurz vor dem Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion.

Nagel: "Nur war das Lager bei der Ankunft des ersten Transportes bei der Ankunft des ersten Transportes am 12. Juli im Grunde genommen nur ein stacheldrahtumzäunter Ferch mit ein paar Wachtürmen. Da standen gerade mal zwölf solcher Baracken hier. Und schon am zehnten August waren 32.000 Gefangene hier im Lager. Also kann man sich ja vorstellen, es war im Grunde genommen wie so ein offenes großes Gelände, wo einfach da die Menschen in Erdhöhlen, die sie sich selber gegraben haben, vor sich hin vegetiert haben. Und dann dabei, irgendwie, begann man mit dem Bau des Lagers."

… sagt Jens Nagel, der Leiter der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain auf dem Gelände des ehemaligen Lagers.

Wir gehen in eine Baracke, die heute Teil der Gedenkstätte ist. Was im Lager Zeithaim geschehen ist - kaum in Worte zu fassen.

"Ein Offizier, der später Kompaniechef war, der berichtet, dass bis zu 300 sich im Herbst, Winter 41/42 in so eine Baracke nachts einfach reingestellt haben, um irgendwie Schutz vor der Witterung zu bekommen. Und das war natürlich nicht so, dass die hier noch irgendwie hier auf den Boden legen konnten, sondern die standen einfach. Und da beschreibt er eben auch in seinem Wachdienst, wie er dann da dieses Stampfen, um sich selber vor Kälte zu schützen, hörte, dass sie aber nur ihrem Tode weiter zuarbeiteten durch weitere Entkräftung. Also denen war schon bewusst, was da los war."

144 dieser Baracken gab es im Lager Zeithain, jede 160 Quadratmeter groß. Heute weiß man: Die überwiegende Mehrheit der sowjetischen Kriegsgefangenen ist verhungert, sie wären an den Krankheiten, die in den Lagern grassierten – Ruhr, Typhus – nicht gestorben. Alleine in Zeithain waren es …

"Also irgendwo zwischen 25 und 30.000 wird die Wahrheit liegen, was die Opferzahlen angeht, also wir haben alleine jetzt schon knapp 25.000 Namen, also kann man sich überlegen, dass die Opferzahl wahrscheinlich eher an die 30.000 rangehen wird im Moment, so sieht es aus. Also das ist sozusagen von der Dimension her, ja? Und das sind Dimensionen, die man sonst nur aus Konzentrationslagern kennt."

Gebt ihnen ihre Namen zurück! Den fern der Heimat grausam zu Tode gekommenen Kriegsgefangenen, anonym in Massengräbern verscharrt, ein Andenken zu geben – ein Anliegen von Jens Nagel und der Gedenkstätte Zeithain.

Nagel:"Sie sehen ja draußen, auf dem Friedhof hier, wie haben ja hier symbolisch, also 5.100 Namen sind das hier, also alleine auf diesem Friedhof bestatteten sowjetischen Kriegsgefangenen. Das war also unser Versuch, deutlich zu machen, dass das hier keine anonyme Masse ist. Denn das ihre Namen hier nicht verzeichnet waren, oder nach wie vor nicht sind, war auch eine Folge der stalinistischen Verfolgung, denn dieser Friedhof sowjetischer Kriegsgefangener wurde umgedeutet, er wurde zu einem Ort, um den Sieg der Sowjetunion über das faschistische Deutschland zu manifestieren, das heißt, diese Kriegsgefangenen spielten dabei überhaupt keine Rolle."

Auch in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten spielten sie keine Rolle. Erst 2008 ließ die russische Regierung die Namen der ihr bekannten gestorbenen Kriegsgefangenen in einem Online-Archiv veröffentlichen.

"Und seitdem haben wir hier ja auch vermehrte Nachfragen, Besuche, Familien, hier, an den Gräbern, und dabei haben wir erlebt, dass eben auch die Verfolgung über den Tod hinausging, denn diese Familien haben ja eigentlich bis zu diesem Online-Portal 2008 keinerlei Informationen gekriegt, was mit ihren Angehörigen eigentlich passiert ist."

Sowjetunion rächt sich in eigenen Lagern

In der Sowjetunion diskriminiert – in Deutschland ignoriert. Und bis heute ist die deutsche Gedenkstättenpolitik mehr auf die "NKWD-Lager", die sowjetischen Speziallager fokussiert, durch die die Russen die ihnen widerfahrenen Kriegsleiden vergelten wollten. Die Sowjets nutzen dazu nach der Befreiung Deutschlands die Anlagen bestehender Konzentrations- und Kriegsgefangenenlager, so auch das Lager Mühlberg und das Lazarettlager Zeithain.

"Ja …. Gut, das ist natürlich bezogen auf das NKWD-Lager immer das Problem, dass da viele, viele, viele unschuldig da saßen, aber es gab natürlich auch welche, die durchaus Täter waren. Also ich kenn zum Beispiel einen Fall, da ist ein Stabsfeldwebel der Wehrmacht durch ein SMT verurteilt. Dieses Verfahren entspricht natürlich keinerlei rechtsstaatlichen Normen. Aber der Mann war ein Mörder! Das wissen wir. Der hat entflohene KZ-Häftlinge auf 'nem Arbeitskommando, das er hier verwaltet hat, mit eingefangen und erschießen lassen. Kurz vor Kriegsende, ja? Der landet dann nachher natürlich in Bautzen, wird dann '56 entlassen, geht in den Westen, und wird als Opfer des Stalinismus anerkannt. Solche Geschichten gibt’s auch."

Trotz der offiziellen Heroisierung des Sieges der Sowjetunion und dem gleichzeitigen Verschweigen des Schicksals der Kriegsgefangenen entstand die Gedenkstätte in Zeithain noch vor der Wende:

"Die Gedenkstätte selber ist eingerichtet worden 1985, noch zu DDR-Zeiten, die ist dann aber im Zuge der Wende abgewickelt worden und geschlossen worden."
Autor: "Das ist aber jetzt nicht wahr, oder?"
"Doch, das ist wahr. Da merkt man natürlich auch, das sowas möglich war, weil natürlich diese Opfergruppe im kollektiven Gedächtnis auch heute noch keine wirklich große Rolle spielt. Und man muss auch sagen, dass der Bund bis heute in seiner Gedenkstättenkonzeption zur Förderung der Gedenkstätten in Deutschland diese Opfergruppe nicht erwähnt."

Endlich die lang vermisste Anerkennung

Zurück in Berlin, beim Verein "Kontakte-Kontaki":

Russische Zwangsarbeiter, die von den einmarschierenden Truppen der 9. Amerikanischen Armee befreit wurden, feiern vor ihren Baracken in Klotze den 1. Mai 1945 in Freiheit. (picture alliance / dpa / A0009_dpa)Russische Zwangsarbeiter, die von den einmarschierenden Truppen der 9. Amerikanischen Armee befreit wurden, feiern vor ihren Baracken in Klotze den 1. Mai 1945 in Freiheit. (picture alliance / dpa / A0009_dpa)Stratievski: "Diese Menschen zeigen stolz Briefe aus Deutschland, die erzählen in ihrer Nachbarschaft stolz: Wir sind anerkannt, wir bekommen Post aus Deutschland, und jetzt sind wir schon endgültig mit anderen Kriegsteilnehmern gleichgestellt. Also diese Stimme aus Deutschland ist für ehemalige sowjetische Kriegsgefangene besonders wichtig."

300 Euro hat jeder Kriegsgefangene erhalten, den der Verein ausfindig machen konnte. Geld, das ausschließlich aus privaten Spenden stammt. Es ist nur eine Geste, aber es ist ein wichtiges Signal aus Deutschland – und das erste Signal überhaupt.

Popov: "Am meisten hat mich die materielle Hilfe von 300 Euro und der Brief des Vereins Kontakte-Kontakty berührt. Das hat mich erstaunt und derart tief in meiner Seele berührt, es war die erste Anerkennung der ungerechten Behandlung und der Vernichtung der russischen Kriegsgefangenen."

Schon Jahre fordert der Verein "Kontakte-Kontaky" auf politischer Ebene, die russischen Kriegsgefangenen rechtlich mit den zivilen Zwangsarbeitern gleichzustellen. Eberhard Radczuweit:

Radczuweit: "Seit sechs Jahren schmort unsere Petition im Bundestag, ist noch nicht abschließend beantwortet worden. Wurde dann aber doch von zwei Parteien aufgegriffen … ach, ich nenne sie einfach, SPD und Grüne, die auf der Grundlage dieser Petition eine parlamentarische Initiative ergreifen wollen. Ja? Um dann doch die letzten der noch lebenden erreichen zu können …"

Der Antrag der Opposition wird im Mai im Bundestag zur Abstimmung gestellt. Beobachter rechnen nicht damit, dass er angenommen wird.

Radczuweit: "Ein Insasse eines Stalags wurde strafversetzt ins KZ Buchenwald. Er erinnert sich daran, und schrieb in einem Brief, dass Buchenwald für ihn wie ein Paradies erschienen sei. Feste Baracken, ja, es gab Bettgestelle mit Stroh, die Baracken wurden beheizt, das war für ihn unglaublich, der zuvor sich seine Lagerstätte mit den bloßen Händen in die Erde wühlen musste, um Schutz vor der Witterung zu bekommen. Das konterkariert die Meinung der Bundesregierung, es handele sich bei den sowjetischen Kriegsgefangenen nur um allgemeines Kriegsschicksal."

Weitere Informationen über die Arbeit des Vereins "Kontakte-Kontakty" finden Sie im Internet.

Länderreport

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