Seit 05:05 Uhr Aus den Archiven
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 05:05 Uhr Aus den Archiven
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 06.06.2012

"Kochen ist Chefsache"

Eine amüsante Komödie von Regisseur Daniel Cohen

Von Hannelore Heider

Szene aus "Kochen ist Chefsache" mit Jean Reno (2.v.l.) und Michael Youn (rechts) (picture alliance / dpa /  Stephane Reix)
Szene aus "Kochen ist Chefsache" mit Jean Reno (2.v.l.) und Michael Youn (rechts) (picture alliance / dpa / Stephane Reix)

Mit eitler Selbstverliebtheit und schöner Selbstironie spielt Jean Reno einen berühmten Sternekoch in seiner größten Schaffenskrise. Erst mit Hilfe eines jungen Hilfskochs, dargestellt vom französischen Komiker Michael Youn, findet er wieder zu alter Form.

Um diese neue französische Komödie von Regisseur Daniel Cohen zu mögen, reicht es, wenn man Jean Reno gern wieder einmal in einer komischen Rolle sehen will und - Kochen mag! Damit hat der Film ein großes Publikum sicher und diesmal muss auch niemand befürchten, dass uns hier wieder einmal mit für deutsche Augen völlig überzogenem, französischen Brachialhumor à la "Die Besucher" die Laune verdorben wird. In dieser leicht komponierten Geschichte erleben wir zwei Helden, die nicht nur ihrer Leidenschaft frönen, sondern auch eine Tradition verteidigen, die der berühmten französischen Haut Cuisine.

Jean Reno spielt mit seiner imposanten Gestalt und wieder bewundernswerten Leinwandpräsenz einen der ganz großen seiner Zunft, den Dreisternekoch Alexandre Lagarde. Er führt in Paris ein berühmtes Restaurant, das freilich aus der Mode zu kommen scheint. Denn der neue junge Besitzer (Julien Boisselier) will daraus unbedingt einen Molekularküchen-Tempel machen, was Monsieur Lagarde vehement ablehnt. Die neue Frühjahrskreation steht an, vor den berüchtigten Restaurantkritikern muss er seine Sterne verteidigen und genau das beschert ihm eine Kochblockade. Auch wenn er in seiner Kochshow im Fernsehen immer noch den Geschmack des Publikums bedienen kann, fällt dem alten berühmten Mann einfach nichts mehr ein.

Mit eitler Selbstverliebtheit und schöner Selbstironie spielt Jean Reno einen Mann in Panik und es ist Zeit für den Auftritt seines Gegenspielers Jacky Bonnot (Michael Youn). Der in Frankreich außerordentlich beliebte Komiker, Sänger, Drehbuchschreiber und Schauspieler erinnert in seinem komischen Eifer sehr an Louis de Funès. Mit ungebrochenen Selbstvertrauen traktiert der gesegnete Autodidakt seine Gäste und lässt keinen wie auch immer gearteten Sonderwunsch der Kundschaft gelten. So ist der leidenschaftlich für den guten Geschmack Kämpfende noch aus jedem Job geflogen, bis er per Zufall als Hilfskoch in der Küche des berühmten Alexandre Lagarde landet und gemeinsam mit dem Alten letztlich die Chose rettet.

Der Film versucht erst gar nicht, sein Publikum mit visuellen Kochkreationen zu überwältigen, Kochen ist hier komisch ausgekämpfte Teamarbeit zweier unterschiedlicher Charaktere. Damit macht Regisseur Daniel Cohen das beste aus seinen erlesenen Zutaten, nämlich aus den beiden sympathischen und mit viel Spaß agierenden Hauptdarstellern, die auch einmal zu turbulenter Slapstickkomik herausgefordert sind. Frauen spielen in dem Film zwar eine Rolle, allerdings nur als leidgeprüfte Partner zweier Kochverrückter. Die erteilen am Ende modischem Schnickschnack, wie der Molekularküche und gierigen Managern, die eine einzigartige Tradition Frankreichs auf dem Tempel des Profits opfern wollen, eine überzeugende Absage.

Frankreich 2012; Regie: Daniel Cohen; Darsteller: Jean Reno, Michael Youn, Raphaelle Agoqué, Julien Boisselier; 88 Minuten; ohne Altersbeschränkung

Filmhomepage

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Fazit

MusiktheaterWarum Stuttgart das "Opernhaus des Jahres" hat
Stuttgarter Opernhaus in der Abenddämmerung (dpa/picture alliance/Bernd Weißbrod)

Das "Opernhaus des Jahres" steht in Stuttgart. Das ergab die Umfrage der Zeitschrift "Opernwelt" unter 50 Kritikern aus Europa und den USA. Was Stuttgarts Musiktheater unter dem Intendanten Jossi Wieler auszeichnet, erläutert unser Musikkritiker Jörn Florian Fuchs.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur