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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 19.02.2014

KinderromanSchmöker aus der guten alten Zeit

Esther Glen: "Ferien auf Kamahi"

Von Sylvia Schwab

Schafe in Neuseeland: In Esther Glens Buch verbringen Kinder ihre Ferien auf einer Farm (picture alliance / dpa)
Schafe in Neuseeland: In Esther Glens Buch verbringen Kinder ihre Ferien auf einer Farm (picture alliance / dpa)

Esther Glens fast 90 Jahre alten Geschichten können literarisch zwischen Astrid Lindgrens "Kindern aus Bullerbü" und Enid Blytons "Fünf Freunden" angesiedelt werden. Ein spannendes Lese-Abenteuer für Acht- bis Zehnjährige.

Als im Jahr 2012 Neuseeland das Gastland der Buchmesse war, konnte man in Deutschland einige hier bisher unbekannte Schriftsteller entdecken. Unter ihnen auch die 1881 geborene und 1940 verstorbene Esther Glen. Ihren Debütroman "Wir sechs aus Neuseeland" aus dem Jahre 1917 hatte der kleine Susanna Rieder Verlag vor der Buchmesse 2012 aufgestöbert. Nun liegt die Fortsetzung des idyllischen Kinderromans vor: "Ferien auf Kamahi".

Hatten die sechs "Kinder" zwischen 9 und 19 Jahren in Esther Glens erstem Roman ein ganzes Jahr bei den drei Onkels auf der Farm Kamahi verbracht, so kehren sie in diesem Jahr für sechs Ferienwochen zurück. Abgesehen davon, dass sie alle ein Jahr älter geworden sind und Kathie, die älteste, sich mit Onkel Dan verlobt hat, ist alles beim Alten. Und das ist gut so!

Wieder kann die Ich-Erzählerin Ngaire von vielen Abenteuern der "herrlichsten Sorte" auf der abgeschiedenen Farm berichten. Unwetter und Ausritte in die Berge, jede Menge dumme Streiche und kleine Katastrophen, spannende Entdeckungen, ein Kinderfest und zum Schluss ein Happyend mit Hochzeit sorgen für Aufregung und großen Spaß.

Die Abenteuer der sechs Geschwister sprechen Jungen wie Mädchen an und wirken so wenig bedrohlich wie die von Astrid Lindgrens "Kindern aus Bullerbü" oder Enid Blytons "Fünf Freunden". Dort - zwischen Klassik und Kinderabenteuer - sind sie auch literarisch angesiedelt. Dass die kleinste Schwester Pipi heißt, könnte sogar bedeuten, dass sie Vorbild für die weltbekannte Pipi wurde.

Große Liebe zur Natur und Landschaft 

Vieles ist erstaunlich an dieser zuerst 1926 erschienen Fortschreibung von Esther Glens "Wir sechs aus Neuseeland". Zum einen die unbekümmerte Erziehung und das für europäische Verhältnisse sehr liberal anmutende gleichberechtigte Aufwachsen der sechs Jungen und Mädchen.

Erstaunlich ist aber auch eine große Liebe zur Natur und Landschaft ihres Heimatlandes, die sich in Esther Glens großartigen Panoramen und Ngaires begeisterten Schilderungen ausdrückt. Junge Leser mögen manche Passagen ein wenig pathetisch finden, aber sie wecken auch Sehnsucht nach Freiheit und Ferne. Die unserer Kinderliteratur ja zunehmend fehlt.

Man kann Esther Glens Kinderromane ruhig altmodisch nennen. Ihre Sprache und ihre Dialoge, auch ihr Witz und ihr Erzähltempo kommen gemächlich und mit ein wenig Patina daher. Wie soll es auch anders sein, bei Büchern, die fast neunzig Jahre alt sind? Aber ihre liebenswürdigen Protagonisten, ihr entspannter Ton, Ngaires Mutterwitz und überschwängliche Gefühle und vor allem eine heiter-positive Atmosphäre tun kleinen Lesern, die heute häufig von schwierigen Themen gefordert werden, einfach gut. Man kann abtauchen in diese Bücher wie in das erfrischende Wasser des Flusses am Rande der Farm. Oder wie in die Ferien.

Die rührend kindliche und dann wieder altkluge Ngaire würde heute als Dreizehnjährige nicht mehr durchgehen. Ob ein paar kleine stilistische und auch sachliche Unstimmigkeiten auf ihre Naivität zurückgehen oder auf das Konto der Übersetzerin, ist nicht auszumachen. Aber eines ist sicher: Für Acht- bis Zehnjährige ist das ein interessanter, abenteuerlicher und lesenswerter Schmöker aus der "guten alten Zeit"!

Esther Glen: "Ferien auf Kamahi"
Aus dem Englischen von Susanna Rieder
Susanna Rieder Verlag, München 2013
230 Seiten, 14,90 Euro, ab 8 Jahren

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