Fazit / Archiv /

Kämpfer für Gerechtigkeit und Rassengleichheit

Der Harry Belafonte-Film "Sing Your Song" auf der Berlinale

Von Uwe Golz

Harry Belafonte
Harry Belafonte (AP)

Hommage an einen großen Sänger und Bürgerrechtler: Harry Belafonte ist inzwischen 83 Jahre alt – und schon deshalb darf sich ein filmisches Porträt auf regen Publikumszuspruch freuen.

Standing Ovations für Harry Belafonte, als er heute Mittag die Bühne des HAU, des Hebel am Ufer, Ort des Berlinale Talent Campus, betritt. Er ist hier, um über sein Leben zu reden und über seine Erfahrungen. Und natürlich über den Film "Sing Your Song". Wobei das Eine letztlich auch das Andere ist.

Tochter Gina hat die filmische Belafonte-Biografie produziert und ihr lässt der 83-jährige Belafonte noch einmal sein Leben Revue passieren, von den Anfängen in Harlem, wo der trinkende und brutale Vater die Familie im Stich lässt, über die Jahre in der Karibik, wohin die Mutter mit den Kindern ging, bis zu den ersten Erfolgen als Schauspieler und vor allem auch als Sänger.

Für den Film wurden über 800 Stunden Material gedreht. 98 Minuten sind zu sehen. Von den Anfängen als Schauspieler und Sänger und denen als Kämpfer für Gerechtigkeit und Rassengleichheit. Als Bürgerrechtler an der Seite von Martin Luther King, an der Seite von John F. Kennedy und seinem Bruder Robert und auch heute noch als Streiter für die Rechte aller Menschen auf Gleichheit und vor allem als Streiter für die Jugend.

"Als ich jung war, dachte ich, alles ist möglich", sagte er. "Und man muss die Dinge einmal, vielleicht zweimal tun, dann wäre die Welt perfekt. Heute, etwas älter, aber nicht sicher, ob weiser, habe ich festgestellt, dass die Eigentümlichkeiten der menschlichen Rasse uns ewig überraschen werden. Ich habe keine Idee, wann sich wirklich etwas auszahlen wird."

Und immer wieder erwähnt Belafonte auch den Bürgerrechtler Paul Robeson. Dessen Empfehlung an ihn, "Sing Your Song", geh deinen Weg, gab nicht nur dem Film den Titel, er begleitete Belafonte durch sein Leben. Vom FBI als Kommunist verleumdet, von Rassisten angefeindet und auch immer wieder mit dem Tod bedroht, hat er sich nicht beirren lassen.

Der Film "Sing Your Song" ist keine schlichte Hommage an den Calypso-King und Bürgerrechtler, es ist ein hohes Lied auf sein Leben. Manchmal vielleicht zuviel des Guten, einfach ein Mensch ohne Fehl und Tadel.

Und dann erinnert sich Belafonte:

"Ich habe vor einigen Jahren mit dem Singen aufgehört, meine Promoter dachten allerdings, da kommt noch was. Aber ich habe sie enttäuscht. Es war noch ein Konzert in Hamburg, 35.000 Menschen zeigten mir dort ihre Zuneigung. Und ich wurde innerlich emotional berührt. Am Ende schaute ich in die Nacht und sagte mir, das war's."

Unser Programm zur Berlinale - Alle Infos zum Filmfestival bei dradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsMensch oder Maschine?

Hauptdarsteller Johnny Depp steht bei der Premiere von "Transcendence" in Westwood, Kalifornien, mit Sonnenbrille vor einem Filmplakat.

Uneinig sind sich die Feuilletons bei der Bewertung des Thrillers "Transcendence". Ob Johnny Depp tatsächlich ein Superhirn spielen kann, das mit Großrechnern fusioniert, wird in der "SZ" mit einem Seufzen beantwortet.

 

Fazit

Kino"Irre sind männlich"

Die Schauspieler Peri Baumeister (l-r), Fahri Yardim, Milan Peschel und Marie Bäumer kommen am 10.04.2014 zur Premiere des Films "Irre sind männlich" in den Mathäser Filmpalast in München (Bayern).

Die Titelhelden und Programmierer Daniel und Thomas begeben sich in "Irre sind männlich" aufgrund ihrer Beziehungsprobleme in Therapie. Was komisch sein soll bleibt vorhersehbar und lahm und enttäuscht auf ganzer Linie.

RegiedebütLärmende Zukunftswarnung

Hauptdarsteller Johnny Depp steht bei der Premiere von "Transcendence" in Westwood, Kalifornien, mit Sonnenbrille vor einem Filmplakat.

In dem Cyber-Thriller "Transcendence" digitalisiert der Wissenschaftler Dr. Caster (Johnny Depp) kurz vor dem Tod sein Gehirn, um so als Daten-Mensch weiterzuleben. Die Geschichte bleibt aber allzu fade.

Schwabinger KunstfundWie geht es weiter mit den Gurlitt-Bildern?

Ingeborg Berggreen-Merkel 27.11.13

Eine Taskforce untersucht derzeit die verdächtigsten Bilder des Schwabinger Kunstfundes. Das Ziel: Innerhalb eines Jahres soll weitgehend aufgeklärt sein, wem die Bilder aus der Sammlung zustehen.