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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 15.11.2012

Jungdetektive in Neuseeland

Carl Nixon: "Rocking Horse Road”, Weidle Verlag 2012, 238 Seiten

Ein Strand in Neuseeland: Bei Carl Nixon suchen Teenager nach dem Mörder eines Mädchens. (AP Archiv)
Ein Strand in Neuseeland: Bei Carl Nixon suchen Teenager nach dem Mörder eines Mädchens. (AP Archiv)

Die nackte Leiche einer 17-Jährigen wird an den Strand gespült, und eine kleine Gruppe von Teenagern will den Mordfall auf eigene Faust lösen. Diese in Neuseeland angesiedelte Stroy erinnert an die "Drei Fragezeichen" - aber einige feine Unterschiede gibt es doch.

Sie liegt am Fuß der Dünen, nackt und mit Würgemalen am Hals: die Leiche der 17-jährigen Luy Asher. Wenige Tage vor Heiligabend, am 21. Dezember 1980, wird sie von der Flut an den Strand einer Landzunge unweit von Christchurch angespült. Wer ist der Täter, wer hat die hübsche Schülerin, die häufig hinter der Ladentheke des elterlichen Milchgeschäfts stand, ermordet? Diese Frage lässt die Bewohner der nahegelegenen Rocking Horse Road nicht mehr los. Vor allem aber treibt sie einige Teenager um, die dort wohnen. Sie wollen den mysteriösen Mordfall selbst lösen.

Man darf bei Alan Penny, Roy Moynahan, Big Jim Turner, Pete Marshall, Terrence Gardiner und ihrer "Detektivarbeit” durchaus an die Geschichten der "Drei Fragezeichen" Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews aus Rocky Beach denken. Sie versammeln sich zur Besprechung des Ermittlungsstandes zwar nicht in einem Wohnwagen auf dem Schrottplatz, aber doch in einer Garage. Dort horten sie sämtliches akkurat beschriftetes Beweismaterial – Fotos, Zeitungsartikel, die sich mit dem Mordfall befassen, auch Mitschriften ihrer Interviews von Zeugen und Hinweisgebern, die sie angefertigt haben.

So ernst sie ihre Aufgabe nehmen, Lucy Ashers Mörder ausfindig zu machen, einen feinen Unterschied zwischen den neuseeländischen Jungdetektiven und ihren kalifornischen Geistesverwandten gibt es doch: Im Gegensatz zu dem ewig adoleszenten und seltsam asexuellen Trio Justus, Bob und Peter altern Tug, Grant und die anderen sehr wohl, und sie "platzen fast vor unbefriedigter sexueller Lust". Und selbst dreißig Jahre nach dem Mord sind sie in ihren erotischen Fantasien noch fixiert auf jene Lucy Asher: "Man kann durchaus sagen, dass keiner von uns je über Lucy Asher hinweggekommen ist."

Der gesamte Roman ist aus dieser "Wir"-Perspektive erzählt – eine Gruppe von Freunden, zusammengeschweißt durch einen schrecklichen Mord, der viele Jahre zurückliegt. Carl Nixon gelingt es, diese Geschichte atmosphärisch dicht zu erzählen: In der Rocking Horse Road bildet sich unter anderem nach einer weiteren Attacke auf zwei junge Mädchen eine Bürgerwehr, die mit Golf- und Baseballschlägern im Kofferraum die Straße auf und ab fahren. Und er schreibt sehr sinnlich: über den immer wieder auftauchenden faulenden Tang zum Beispiel, den "Gestank des verrottenden Meersalats" meint man förmlich riechen zu können. Wird das zufällig gefundene Tagebuch der Ermordeten mit den seltsamen Initialen "SJ" die Detektive auf die richtige Fährte bringen? "Eines der Dinge, die wir bei unseren langjährigen Ermittlungen gelernt haben, ist, dass es im Leben fast nie so einfach ist", heißt es einmal in diesem gelungenen, melancholisch gefärbten Kriminalroman.

Besprochen von Knut Cordsen

Carl Nixon: Rocking Horse Road
Roman
Aus dem Englischen von Stefan Weidle
Weidle Verlag 2012
238 Seiten, 19.90 Euro

http://www.litprom.de/weltempfaenger.html

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