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Buchkritik | Beitrag vom 24.02.2017

Jesper Wung-Sung: "Weg mit Knut!"Mit der Macht der Fantasie überleben

Von Sylvia Schwab

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Buchcover "Weg mit Knut!" von Jesper Wung-Sung. Im Hintergrund eine Kinderkrebsstation. (Hanser Verlag / dpa / Waltraud Grubitzsch)
Buchcover "Weg mit Knut!" von Jesper Wung-Sung. Im Hintergrund eine Kinderkrebsstation. (Hanser Verlag / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Ein Junge kämpft gegen den Krebs: William stellt sich in "Weg mit Knut!" der bedrohlichen Erkrankung, die er in seiner Fantasie zu einer Figur mit eigenem Namen macht. Jesper Wung-Sung erzählt diese besondere Krankheitsgeschichte sensibel und ohne Pathos.

William ist jung genug, um seiner Fantasie noch freien Lauf zu lassen. Und alt genug, um sich mit existentiellen Fragen zu quälen. Mit seinem Tod zum Beispiel, denn William hat Krebs. In "Weg mit Knut" erzählt der dänische Schriftsteller Jesper Wung-Sung von den zwei Jahren, in denen William schwer erkrankt, kämpft und - trotz Rückfall - nicht aufgibt, schwach ist und stark zugleich und schließlich gesund wird. Endgültig. Wahrscheinlich.

Knut ist der geborene Feind

Alle unterstützen William in dieser Zeit, Eltern, Freunde und Ärzte - und ganz besonders Knut! Ein unsympathischer Junge, der fordernd, unberechenbar, voller Selbstmitleid und sarkastisch bis zynisch ist. Knut ist der geborene Feind und er verkörpert Williams Krebserkrankung. Denn Knut ist Fantasie, er ist nur für William sichtbar: ein Streithahn, der die Einsamkeit, die Ängste, Hoffnungen und Fragen des Jungen böse, frech und trotzdem witzig runterredet und damit relativiert. Wodurch Ernst der Geschichte ein wohltuend unbeschwertes, komisches Gegengewicht erhält.

Dass Knut eine Art böser Bruder von Astrid Lindgrens unsichtbarem "Karlsson vom Dach" ist, macht ihn nicht liebenswerter. Wie Karlsson ist Knut klein, dick, ironisch und das Gegenteil von einem Freund. Und doch wird er jeden Tag gebraucht. Wie Jesper Wung-Sung diese Fantasiefigur einbaut in Williams realistische Krankheitsgeschichte, wie Knuts fantastische Märchen und bitterböse Bemerkungen mit der sachlichen Erzählweise kontrastieren und die absurden Dialoge der beiden Jungen immer wieder optimistische Tupfer setzen, das ist einfach genial! Mag sein, dass nicht jeder diesen verdrehten Humor goutiert und mit Knuts Unberechenbarkeit klar kommt – aber als Knut endgültig verschwindet, hat William trotzdem seinen besten Freund verloren.

Sehr, sehr froh und ein bisschen traurig

In "Weg mit Knut" geht es um mehr als eine Krankheitsgeschichte mit gutem Ausgang, sondern auch um die Macht der Fantasie. Denn nicht nur Knut ist Williams Fantasiefigur ist, er selbst unterhält William mit erlogenen Fantasiegeschichten, so wie ja überhaupt die ganze Geschichte eine Fantasie des Autors ist – der Roman spielt so mit den verschiedenen Stufen der Fiktion.

Aber nicht nur deshalb ist dieses Buch für gesunde Kinder genauso interessant wie für kranke, sondern auch darum, weil fast jeder junge Mensch Williams emotionalen Schwankungen, seine Verletzlichkeit, seine Enttäuschungen und seine Verliebtheit kennt und versteht. Wie William zwischen Freude und Trauer, Wut und Glück hin und her gerissen wird, das erzählt Jesper Wung-Sung sehr sensibel und ohne Pathos. Letzteres ist nur der Schwadroneur Knut, doch der ist am Schluss ja weg, Gott sei Dank. Und doch auch: leider!

Jesper Wung-Sung: Weg mit Knut!
Aus dem Dänischen von Friederike Buchinger
Hanser Verlag, München 2017
224 Seiten, 15 Euro, ab 12 Jahren

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