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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 05.05.2010

"Iron Man 2"

Hans-Ulrich Pönack über einen Film ohne Überraschungen

Nachdem "Iron Man" am Ende des ersten Teils als das technische Tüftler-Genie Tony Stark enttarnt wurde, hat er es nun mit neuen Feinden zu tun - etwa mit dem mächtigen Waffenindustriellen Justin Hammer, der sich als sein Freund ausgibt.

Der am 19. Oktober 1966 in Queens/New York als Jonathan Favreau geborene Schauspieler, Produzent und Regisseur Jon Favreau ("Buddy – Der Weihnachtself"/2003) war auch 2007 für die 186 Millionen-Dollar-Event-Produktion beziehungsweise Comic-Adaption mit einer legendären Figur aus dem berühmten Marvel-Comic-Haus verantwortlich.

Der 43-jährige Robert Downey Jr. überraschte damals als charismatischer, selbstironischer Augenzwinker-Typ, dessen millionenschwerer Rüstungsindustrieller zunächst als Playboy, Alkoholiker und Zyniker in unangenehme Erscheinung trat, bevor er in seinem "speziellen" Ganzkörper-Metallanzug zum heldenhaften Pazifisten und Gerechtigkeitsfanatiker mutierte.

Vom Saulus-Großkotz zum edlen Paulus-Ritter: In der Mixtur aus Politfilm, Kriegsfilm, Science-Fiction-Fantasy-Thriller-Movie mit ordentlichen Special-Effects funktionierte "Iron Man" als pointierte Show mit viel selbstironischem Popcorn-Charme ganz prima.

Ganz anders nun in beziehungsweise mit der Fortsetzung. Die Comic-Figur Iron Man, also "Eisen-Mann", die ja "auf dem Papier" seit 1963 existiert, ist bekanntlich nun "enttarnt": In der letzten Szene des Originals lüftet das technische Tüftler-Genie Tony Stark bekanntlich vor der Weltpresse das Geheimnis: "Ja, ich bin Iron Man!" Aus. Nachspann.

Nun geht es "da" weiter. Aus dem cleveren, sensiblen Zweifler ist ein regelrechter "Quatschkopf" geworden. Nichts mehr von Weltmann, sondern nur noch privater Blödmann. Tony Stark, der nach eigener Aussage "den Weltfrieden privatisiert", also für "internationale Friedensruhe" gesorgt hat, legt sich gerne selbstherrlich an.

Zunächst mit der US-Regierung, die seine Erfindung, seine Technologie gerne "für das Land" eingemeindet hätte. Doch er hat bessere (optische) Argumente und kann den (unangenehmen) Ausschuss-Senator-Vorsitzenden öffentlich "bezwingen", bloßstellen. Dann aber auch "so": Stark haut mächtig auf den Show-Putz in seinem Vergnügungspark, lässt "die Puppen tanzen", lässt sich großkotzig feiern, umjubeln.

Aber - die nächsten Feinde lauern schon. Wollen den sich für unangreifbar haltenden Blech-Typ herausfordern. Da ist einmal sein "Kompagnon", der mächtige Waffenindustrielle Justin Hammer (Sam Rockwell), ein "falscher Fuffziger" in der unmittelbaren Nähe, der ein falsches, doppeltes Ego-Spiel spielt und geschäftstüchtig mit dem gierigen Militär "kooperiert", und dann taucht andererseits ein schon vom dämonischen Äußeren her äußerst schmutziger, düsterer, aber technisch brillanter Russe auf, Ivan, der Schreckliche (Mickey Rourke), der es ebenfalls auf den unbesiegbaren Tony abgesehen hat.

Feinde also soweit nun das Auge reicht, und zu allem Übel ist Mr. Gernegroß gerade auch gesundheitlich ziemlich angeschlagen. Sein Blut ist vergiftet, das leibliche Ende naht. Vorher allerdings taucht er in Monte Carlo auf, um an einem mörderischen Autorennen teilzunehmen. Natürlich geht es dabei "heiß" her, mit viel Action-Krach und gigantischen Monster-Posen. Optisch rasant und tricktechnisch furios.

Danach fällt der Film in sich zusammen, wird nun noch eine lahme Aneinanderreihung von Viel-Gequatsche, Maschinen-Wrestling und dümmlichen Figuren-Bewegungen. "Denen" ist hier einfach "die Ideen-Puste" ausgegangen. Aus Tony Stark, dem Pfiffigen, wird Tony, der Doofmann. Der sich nicht wie ein intelligenter Bursche benimmt, sondern plötzlich intellektuell "überfordert" erscheint, nur noch angreifbar, verletzlich, schwächlich auftritt. Als belangloser, plumper Harmlos-Held. Robert Downey Jr. macht gute Mine zum blöden Nix-Spiel und hält sein nettes Gesicht (profitabel) in die Kamera.

Während Drumherum ebenso "plattes Personal" rummacht. Sam Rockwell als Dandy-Krimineller wirkt wie ein behämmert-arroganter Grau-Versicherungsvertreter im schmucken Maßanzug. Mickey Rourke ("The Wrestler") als Langhaar-Schurke aus dem Osten, mit Dreck-Fingernägeln und dem ewigen Grinsen und Streichholz in der Gusche, hantiert andauernd "technisch"-albern herum und agiert mit seiner elektrischen Feuer-Peitsche wie ein unappetitlicher Schmuddel-Dschingis-Khan auf Speed. (Und erinnert in seiner Voll-Tätowierung an den Ex von Sandra Bullock).

Don Cheadle schließlich ("Hotel Ruanda"/2004) ist mal Kumpel, mal Militär-Verräter und "Ring"-Gegner, ein typischer Oh Je-No-Part, und dann taucht auch mal kurz "der geheimnisvolle" Samuel L. Jackson für ein paar uninspirierte Augenblicke und Sätze auf, während die Ladys genauso einfältig herumstolzieren: Gwyneth Paltrow trampt besorgniserregend lächerlich durch die "ramponierte" Szenerie und strahlt den Erotik-Charme einer minderbemittelten Gouvernante aus; und die schöne Scarlett Johansson (25) als angeberische Assi im Leder-Outfit darf schon mal Männer verkloppen (weil die alle immer nur "einzeln" antreten müssen).

"Iron Man 2" ist, im wahrsten Sinne, also buchstäblich, ein primitiver Schrottfilm. Keine Magie, keine Tiefe, keine Spannung, keine Ironie, keine Pointen. Ohne Überraschungen. Motto: Platt, platt, platt. Sinnleer, unterhaltungslos. Mit jetzt einem Arschloch-Helden von der Billig-(Serien-)Sorte. Ein durch und durch reizloser, niveauloser, langweiliger Fortsetzungsmüll.

USA 2010; Regie: Jon Favreau; Darsteller: Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Don Cheadle, Scarlett Johansson, Sam Rockwell, Mickey Rourke, Samuel L. Jackson, Jon Favreau, Clark Gregg, John Slattery, Kate Mara; FSK: ab 12; Länge: 118 Minuten

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