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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 19.03.2013

Information statt Glauben

Lawrence M. Krauss: "Ein Universum aus Nichts", Knaus Verlag, München 2013, 252 Seiten

Warum Forscher davon ausgehen, dass unser Universum vor 13,7 Milliarden Jahren entstand, ist bei Krauss nachzulesen. (AP Archiv)
Warum Forscher davon ausgehen, dass unser Universum vor 13,7 Milliarden Jahren entstand, ist bei Krauss nachzulesen. (AP Archiv)

Mit "Ein Universum aus dem Nichts" reagiert Lawrence Krauss auf die in den USA verbreitete Strömung des Kreationismus. Der Physiker plädiert dafür, die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Forschung anzuerkennen. Die mache es möglich, nicht an Gott zu glauben.

Es braucht keinen Gott, um unser Universum zu erschaffen, sagt Lawrence M. Krauss. Philosophie und Theologie haben schon seit 500 Jahren nichts mehr zur Klärung der Frage nach unserer Herkunft beigetragen. Die moderne Wissenschaft hingegen zeige einen Weg, mit rein physikalischen Mechanismen die Entstehung unseres Universums zu erklären.

Krauss schildert, warum Forscher davon ausgehen, dass unser Universum vor 13,7 Milliarden Jahren entstand. Alles, was wir sehen, könnte damals einem Zustand entsprungen sein, in dem es keinen Raum, keine Zeit und keine Naturgesetze gab, und damit praktisch nichts. Für Physiker, die mit virtuellen Teilchen, negativer Energie und Quantenfluktuationen in inflationären Raumblasen hantieren, ist dieser Vorgang durchaus plausibel.

Die dahinter stehende Theorie legt sogar die Existenz unendlich vieler Universen nahe, in denen jeweils andere physikalische Gesetze gelten könnten. Spätestens dann ist die Frage, warum es uns gibt, nicht mehr sinnvoll zu beantworten. In irgendeinem dieser unendlich vielen Universen muss es uns schließlich geben.

"Ein Universum aus Nichts" ist eine Reaktion auf die in Amerika verbreiteten Strömungen des Kreationismus und des "Intelligent Design". Die Anhänger der biblischen Schöpfungslehre und Leugner von Darwins Evolutionstheorie beantworten die uralte Frage "Warum gibt es überhaupt etwas, und nicht vielmehr nichts?", um die Krauss' Buch im Zentrum kreist, gern mit dem Hinweis auf eine erste Ursache: Gott. Der bekennende Atheist Lawrence Krauss möchte hingegen ein Bild des Universums vermitteln, das auf Informationen statt auf Glauben beruht. Für ihn ist es ein Zeichen intellektueller Aufrichtigkeit, die Ergebnisse der Forschung anzuerkennen.

Die Physik, zitiert Lawrence Krauss seinen Kollegen Steven Weinberg, mache es nicht unmöglich, an Gott zu glauben, sie ermögliche es vielmehr, nicht an Gott zu glauben. Dass es auch in der Physik noch offene Fragen gibt, spielt in seinem Buch kaum eine Rolle. Sein wichtigstes Wort lautet "Plausibilität". Beweise für Dunkle Materie, die Inflation oder andere Universen gibt es bislang keine. Auch erkenntnistheoretische Zweifel kennt er nicht. Aber sollte ein Buch, das Antwort auf eine solch profunde Frage geben möchte, nicht auch offen darüber nachdenken, was wir überhaupt sicher wissen können und was wir glauben müssen? Auch das wäre intellektuell aufrichtig, denn bislang hat sich noch jedes Weltbild zuverlässig als vorläufig erwiesen, selbst wenn es im Augenblick zugegebenermaßen nicht danach aussieht.

In Amerika war Krausses Buch eine Provokation. Dort stritt man nach der Veröffentlichung über den Nutzen der Philosophie und die Ontologie des Nichts im philosophischen oder physikalischen Sinn. Schwer vorstellbar, dass es hier ähnliche Diskussionen auslösen wird. Eine Aufforderung an die Leser ist es dennoch: Wo positioniert man sich selbst zwischen dem Elfenbeinturm des Glaubens und dem der Physik? Lesenswert!

Besprochen von Gerrit Stratmann

Lawrence M. Krauss: Ein Universum aus Nichts. Und warum da trotzdem etwas ist
Knaus Verlag, München 2013
252 Seiten, 19,99 Euro

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