Interview / Archiv /

Immer im Dienst: "Manche Mitarbeiter wollen sich nicht einschränken"

Arbeitswissenschaftler lehnt Anti-Stress-Verordnung in Gesetz ab

Freizeit und Arbeit verschränken sich immer mehr: Rufbereitschaft ist in Führungsfunktionen nahezu normal
Freizeit und Arbeit verschränken sich immer mehr: Rufbereitschaft ist in Führungsfunktionen nahezu normal (picture-alliance/ ZB)

Gegen die vom DGB geforderte Anti-Stress-Verordnung in Bezug auf ständige Erreichbarkeit wendet sich Sascha Stowasser, Direktor des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft. Auf eine als wichtig eingeschätzte Nachricht zu warten, mache nicht zwangsläufig krank.

Stowasser hält es nicht für sinnvoll, die ständige Erreichbarkeit von Arbeitnehmern durch moderne Kommunikationsgeräte gesetzlich zu regeln. Notwendig seien zwar klare Regeln, um der Erreichbarkeit auch in der Freizeit durch den Arbeitgeber Grenzen zu setzen. Dies müsse jedoch betriebsspezifisch geregelt werden. In manchen Positionen sei eine ständige Rufbereitschaft notwendig. Als Beispiel nannte Stowasser leitende Angestellte und Produktionsleiter. Pauschalisierungen seien nicht hilfreich: "Manche Mitarbeiter brauchen das Engagement. Sie wollen sich nicht einschränken."

Arbeit und Freizeit seien heute auch stärker verschränkt, ohne das dies zwangsläufig negative Auswirkungen habe, sagte Stowasser: "Beispielsweise macht es Menschen nicht zwangsläufig krank, auf eine Nachricht zu warten, die sie als besonders wichtig einschätzen." Die Kosten für Unternehmen aufgrund psychischer Erkrankungen von Mitarbeitern würden auf 8 Milliarden Euro geschätzt. Konkrete Zahlen zum Problem der ständigen Erreichbarkeit gebe es aber keine. Neue Vorgaben zum Umgang mit psychischen Belastungen durch ständige Erreichbarkeit würden ab 2013 in den Gesprächen von Bund, Ländern und Sozialpartnern erarbeitet, sagte Stowasser

Das vollständige Interview mit Sascha Stowasser können Sie in unserem Audio-on-Demand-Angebot bis zum 16. November 2012 als MP3-Audio hören.

Homepage des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Interview

KoalitionStefan Liebich: Rot-Rot-Grün ist möglich

Stefan Liebich, (Die Linke) aufgennommen am Sonntag (23.10.2011) während des Bundesparteitag seiner Partei in Erfurt.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich sieht Gemeinsamkeiten mit SPD und Grünen in der sozialen Umverteilung. Er zeigt sich aber skeptisch, was ein mögliches Bündnis mit den beiden anderen Parteien betrifft.

Reich der MitteChinas Angst vor dem Abstieg

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hält in Peking bei einem deutsch-chinesischen Forum für Energieeffizienz vor einer Plakatwand stehend eine Rede.

Der Umschwung vom Wachstumsmodell zum Hochlohnland schaffe die Notwendigkeit von Reformen in China, sagt die Wissenschaftlerin May-Britt Stumbaum. Massive Umweltprobleme wie auch Korruption müssten bekämpft werden.

Ukraine-Konflikt"Da fehlt die politische Führung"

Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einer Deutschlandfahne

Der frühere Verteidigungsstaatssekretär Walther Stützle wirft der Bundesregierung schwere Versäumnisse in der Sicherheits- und Russlandpolitik vor. Deutschland habe seine konzeptionell führende Rolle in der transatlantischen Allianz verloren.