Thema / Archiv /

Ideale Welten: Utopien

Die kühnsten Gedankenexperimente der Menschheitsgeschichte

Einst utopischer Ort der Weltverbesserer: "Freistaat Christiania" in Kopenhagen.
Einst utopischer Ort der Weltverbesserer: "Freistaat Christiania" in Kopenhagen. (AP)

Die Geschichte neuzeitlicher Utopien ist reich an skurrilen Gestalten, eigenwilligen Ideen, aber auch großen Zukunftsentwürfen. Wir wollen im Radiofeuilleton einige dieser Utopien und ihre Schöpfer vorstellen – und dabei den schmalen Grat zwischen Hirngespinst und Vision, zwischen Verrücktheit und philosophischem Weitblick in den Fokus nehmen. Und wir stellen, nach dem Scheitern des vielleicht größten und folgenschwersten utopischen Experiments, des Kommunismus, die Frage nach der Aktualität von Utopien.

Charles Fourier stellte sich 1804 für seine Kolonie "Harmonie" eine Gesellschaft vor, in der es kein Privateigentum und keine Klassengegensätze gab. Er war überzeugter Feminist und Anhänger der freien Liebe, in seinen Siedlungen sollten kleinbürgerliche Moralvorstellungen ebenso endgültig abgeschafft sein wie die vorindustrielle Unterdrückung der Arbeiter - und am Ende, glaubte Fourier, würde sich nicht einmal die Natur dem unausweichlichen Fortschritt entziehen können und das Meer sich in Zitronenlimonade verwandeln. Für ihn selber floss die Limonade nie – er lebte bis zu seinem Tod verarmt und belächelt in Paris, inmitten einer Wohnung voller Zimmerpflanzen.

Ähnliche Schwierigkeiten mit seinen Zeitgenossen hatte 1712 der Abbé de Saint Pierre mit seinem Projekt der "Union Européenne". Für seine Idee, dass Vertreter der europäischen Mächte, statt gegeneinander Kriege zu führen, in einem ständigen Kongress zusammenkommen sollten, um so Streitfälle friedlich zu lösen, wurde der Abbé als lächerlicher Kauz verlacht. Voltaire und Friedrich der Große machten sich öffentlich über ihn lustig.

Eine Reihe im Radiofeuilleton
4. - 9. Januar 2009, täglich um 9.07 Uhr:


"4.1. Halb Verrückter, halb Philosoph: Die Union Européenne des Abbé de Sankt-Pierre"

Durchschütteln statt Frieden schließen - Der Abbé de Sankt-Pierre im Porträt
Die Europäische Union als abwegige Utopie - Interview mit Florian Schui zu den Ideen des Abbé de Sankt-Pierre


"5.1. Kornkammer Mittelmeer: Das Atlantropa-Projekt von Hermann Sörgel"

Zu Fuß von Spanien nach Marokko - Hermann Sörgel im Porträt
Großwahnsinniger Technikenthusiast - Interview mit Alexander Gall zum Altlantropa-Projekt


"6.1. Kolonisierung im All: Die Besiedelung des Mars"

Ein Leben unter der Glaskuppel - Raumfahrtfans träumen von Kolonien auf dem Mars
"Die Erde ist das beste Raumschiff" - Interview mit dem Planetologen Ralf Jaumann

"7.1. Von Orwell bis "Matrix" - Negativutopien als Systemkritik ihrer Zeit"

Von Soma und Precrime-Programmen - Negativ-Utopien in Film und Literatur
Lernen durch Schrecken - Wie Dystopien vor Fehlentwicklungen warnen

"8.1. Freie Liebe, Sozialismus und Zitronenlimonade – utopische Kommunen von den Frühsozialisten bis heute "

Glücksverheißung, Öko und freie Liebe - Utopische Kommunen von New Harmony bis Christiana
Politologe: Genossenschaftsprinzip hat überdauert - Interview mit Andreas Heyer zum utopischen Frühsozialismus und alternativen Lebensformen

"9.1. Radiofeuilleton - im Gespräch"
Utopia <br> Wie stellen wir uns unsere Zukunft vor
Gespräch mit Karlheinz Steinmüller und Norbert Bolz

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Thema

Bildung12 Jahre Schule so gut wie 13

 Die Debatte um das "Turbo"-Abitur reißt nicht ab.

Schüler sind nach 12 Jahren Schule genauso fit fürs Studium wie nach 13, sagt die Bildungsforscherinnen Isabell van Ackeren. Eine Studie, die sie mit Kolleginnen durchgeführt hatte, zeige auch bei der Persönlichkeitsentwicklung keine Unterschiede.

Vinyl "Am Tresen wird über Platten gesprochen"

Eine Schallplatte wird in einem Musikfachgeschäft in Hannover (Niedersachsen) auf einem Plattenspieler abgespielt. 

Für Musikfans, kleine Labels und Plattenläden ist der "RSD", der ursprünglich aus den USA kommt, ein Fest. Limitierte Schallplatten werden in mehr als 300 Stores verkauft und Bands spielen live. Ein richtiger "Vinyl-Feiertag".

Präsidentschaftswahl"Das algerische Volk ist einfach müde"

Der algerische Schriftsteller Yasmina Khadra, Oktober 2013 auf der Frankfurter Buchmesse

Die Menschen seien gelähmt von ihrer Angst vor Gewalt, sagt der Schriftsteller Yasmina Khadra über die Lage in seiner Heimat Algerien. So fehle es an Kräften, die das Regime um Präsident Abdelaziz Bouteflika verjagen könnten.