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Higgs und die großen Rätsel der Physik

Über die Bedeutung der Teilchenphysik für das Verständnis der Welt

Gäste: Rolf-Dieter Heuer, Physiker und Generaldirektor des CERN, und Ulrich Woelk, Astrophysiker und Schriftsteller

Large Hadron Collider (LHC) am CERN in Genf - Aufbau des Compact Muon Solenoid (CMS)
Large Hadron Collider (LHC) am CERN in Genf - Aufbau des Compact Muon Solenoid (CMS) (CERN)

Das Higgs-Teilchen ist ein nach dem britischen Physiker Peter Higgs benanntes Elementarteilchen. Jahrzehntelang war seine Existenz nicht belegt, doch seit Anfang Juli gelang am Forschungszentrum CERN ein erster Nachweis des geheimnisvollen Teilchens, das die Welt zusammenhält.

Es ist eines der großen Rätsel der Physik: Das Higgs-Teilchen, das letzte Puzzlestück im Standardmodell der Teilchenphysik, einer Art Baukasten des Universums. Seit Jahrzehnten wurde danach gesucht, Forschungsmilliarden investiert, am 4. Juli war es endlich soweit: Rolf-Dieter Heuer, der Generaldirektor des CERN, des weltgrößten Forschungszentrums auf dem Gebiet der Teilchenphysik, verkündete: "Wir haben allen Grund zu glauben, dass das Higgs-Boson existiert". Mit dem LHC, dem gigantischen Teilchenbeschleuniger am CERN, war es mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit gelungen, die Existenz dieses winzigen Elementarteilchens nachzuweisen. "Eine Jahrhundert-Entdeckung!", schwärmten Fachleute, selbst Physik-Muffel waren fasziniert.

"Ich erwarte, dass eine neue Tür aufgeht, und wir mit dem LHC das Dunkle Universum betreten", prophezeit Rolf-Dieter Heuer. "Das, was wir vom Universum kennen, sind vielleicht vier bis fünf Prozent, 95 Prozent kennen wir nicht. Dazu gehört die Dunkle Materie. Das herauszufinden, ist die Aufgabe des Beschleunigers."

Ungeklärt sei auch die Frage, was sich jenseits unseres bekannten Sternensystems befindet. Und – ganz existentiell: "Warum gibt es uns überhaupt?" Seine Überzeugung: "Ohne die Teilchenphysik sähe die Welt ganz anders aus." Deshalb versucht er auch, junge Menschen für die Wissenschaft zu gewinnen. "Das Problem ist, dass die Physik, wenn man jung ist, nicht so schmackhaft ist. Deshalb bin ich auch froh, dass wir solche Flagschiffe wie den LHC haben, der die Phantasie anregt."

"Physiker sind die letzten Idealisten in dieser Welt", sagt Ulrich Woelk. Der Schriftsteller und Astrophysiker verbindet in seinem Romanen Naturwissenschaft und Literatur. "Während die Wissenschaft das hat, was sie vorfindet und damit arbeiten muss, erschafft sich die Literatur die Welt. Der Schriftsteller schafft sich aus dem, was er sieht ein literarisches Universum." Er versucht, diese Faszination auch an Jüngere weiterzugeben. So ging er jüngst in einer Projektwoche mit Schülern auf "Sternensuche", in seinem Buch "Sternenklar" erklärte er seiner damals sechsjährigen Tochter das Universum. Der Nachweis des Higgs-Teilchens begeistert auch ihn:

"Wie es genau funktioniert, und ob es wirklich dieses Teilchen ist, kann man im Moment schwer abschätzen. Was man aber sagen kann, ist, dass es gewisse technische Grenzen gibt, noch größer, noch schneller zu bauen – das ist technisch nicht mehr machbar." Letztlich müssten auch die Wissenschaften ihre Grenzen anerkennen. Es sei auch eine Frage der "Kreativität, aus dem, was wir wissen, ein logisches Weltbild zu schaffen, auch anzuerkennen, dass wir die letzten Rätsel doch nicht lösen können."

"Higgs und die großen Rätsel der Physik"
Darüber diskutiert Dieter Kassel heute mit Rolf-Dieter Heuer und Ulrich Woelk. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.


Weitere Informationen:

Das CERN im Internet
Weitere Infos zum Teilchenbeschleuniger

Website von Ulrich Woelk, Astrophysiker

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