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Konzert / Archiv | Beitrag vom 17.02.2016

Herbert Blomstedt bei den Berliner PhilharmonikernGottbegnadete Nebenwerke

Aufzeichnung aus der Philharmonie

Der Dirigent Herbert Blomstedt während einer Probe in der Philharmonie in Köln, aufgenommen am 22.06.2006 (picture-alliance / dpa / Hermann Wöstmann)
Der Dirigent Herbert Blomstedt während einer Probe in der Philharmonie in Köln (picture-alliance / dpa / Hermann Wöstmann)

Erst kam Ludwig van Beethoven, dann Johannes Brahms. Und was geschah dazwischen? Sehr viel, meint Herbert Blomstedt. Der schwedische Dirigent plädiert für die originelle Musik des Sinfonikers und Landsmanns Franz Berwald.

Gute Dirigenten sind wie gute Weine: sie reifen mit der Zeit und prägen besondere Merkmale aus. Viele ältere Dirigenten – und der 88-jährige Herbert Blomstedt gehört zu ihnen – bevorzugen bei ihren raren Auftritten die Sinfonien Anton Bruckners. Eher ungewöhnlich ist der Fall, der mit diesem Konzert Blomstedts mit den Berliner Philharmonikern eintritt: Der amerikanisch-schwedische Maestro widmet sich darin einem ganz und gar abseits stehenden Komponisten; einem Musiker, der seine Sinfonien in der Mitte des 19. Jahrhunderts und damit in einer Zeit schrieb, die heute – zwischen Beethoven und Brahms – eher als Orientierungsphase denn als goldene Ära der Musikgeschichte betrachtet wird.

Franz Berwald heißt dieser Komponist, geboren 1796 in Stockholm, gestorben 1868 ebendort – seine Lebenszeit ist der von Gioacchino Rossini (1792-1868) vergleichbar. Er hatte deutsche Vorfahren und lebte auch zeitweise in Berlin, wo er seine musikalische Erfolglosigkeit durch die Arbeit als Orthopäde kompensierte. Dass er sich als Komponist nie etablieren konnte, dass von seinen vier Sinfonien zu Lebzeiten nur eine gespielt wurde, hängt wohl vor allem mit der formal und harmonisch erstaunlich unkonventionellen Musik zusammen, die sich Berwald ausdachte. Nicht nur dem Untertitel nach ist etwa seine Dritte Sinfonie ein "singuläres" Werk – eines, das wohl niemand so gut kennt wie Herbert Blomstedt, der die Partitur herausgegeben hat.

Ergänzt wird das konzise Programm um die Siebte Sinfonie von Antonín Dvořák, ein weiteres großes "Nebenwerk" der Sinfonik des 19. Jahrhunderts. Dvořák, der als unermüdlicher Erfinder gesanglicher Melodien in die Geschichte einging, erweist sich hier als Schöpfer eines unerwartet dunklen Werks – und gibt dem seinerzeitigen philharmonischen Chefdirigenten Hans von Bülow recht, der Dvořák "den nächst Brahms gottbegnadetsten Tondichter der Gegenwart" nannte.

 

Philharmonie Berlin

Aufzeichnung vom 11. Februar 2016

 

Franz Berwald

Sinfonie Nr. 3 C-Dur "Symphonie singulière"

 

ca. 20.35 Uhr Konzertpause,darin:  "Singulär – Franz Berwald als Sinfoniker", von Jan Brachmann

 

Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

 

Berliner Philharmoniker

Leitung: Herbert Blomstedt

Konzert

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