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Gründung von Robin Wood war Trotzaktion

Vor 30 Jahren wurde die Umwelt- und Naturschutzorganisation "Robin Wood" gegründet

Von Frank Grotelüschen

Die Aktivisten von Robin Wood wurden vor allem durch spektakuläre Aktionen bekannt, hier gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens (03.06.2010)
Die Aktivisten von Robin Wood wurden vor allem durch spektakuläre Aktionen bekannt, hier gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens (03.06.2010) (picture alliance / dpa)

Etwa 50 deutsche Mitglieder von Greenpeace gründeten am 12. November 1982 die Umwelt- und Naturschutzorganisation "Robin Wood". Sie wollten nicht länger nur die in der Greenpeace-Zentrale konzipierten Aktionen umsetzen, sondern selbst eigene starten. Mittlerweile zählt der Verein zu den schlagkräftigsten Umweltorganisationen in Deutschland.

"Ich brauche die Phenole! Ich brauche das Dioxin!"

Hamburg, die Raffinerie des Erdölkonzerns Shell. Auf langen Holzbeinen stakst ein Mann auf und ab, geschminkt als Gerippe. Der Tod auf Stelzen.

"Ich brauche das Nitrat! Ich brauche die Radioaktivität!"

Eine Protestaktion von Robin Wood – laut, drastisch, fast schon schrill.

"Ich brauche alles, was giftig ist!"

Es ist Oktober 1984, und mit der Aktion will die Umweltorganisation die Einführung von bleifreiem Benzin durchsetzen – gegen den Widerstand von Ölkonzernen und Autoherstellern. Denn das bleihaltige Benzin, das die Bundesbürger bis dato tanken, ist giftig und schädigt Menschen, Tiere und Pflanzen, insbesondere den Wald. Es ist eine der frühen Aktionen von Robin Wood. Erst zwei Jahre zuvor, am 12. November 1982, hatte sich der Umweltschutzverein gegründet – als Splitterorganisation von Greenpeace.

"Eigentlich war die Gründung von Robin Wood eine Trotzreaktion."

Sagt Klaus Scheerer, ebenso wie seine Ehefrau Anne Mitglied der ersten Stunde. Zuvor hatten sich beide beim deutschen Zweig von Greenpeace engagiert. Aber Anne Scheerer sagt:

"Da waren wir nicht so ganz glücklich, weil wir nicht direkt hier in Deutschland auch was machen konnten. Greenpeace International hatte da das Sagen."

Die Konzepte für die Protestaktionen wurden in der Greenpeace-Zentrale geschmiedet. Die deutschen Mitglieder sollten sie im Wesentlichen nur umsetzen. Anne und Klaus Scheerer und etwa 50 anderen Aktivisten war das zu wenig. Sie verließen Greenpeace und riefen Robin Wood ins Leben.

"Wir haben einen ganz normalen Verein gegründet, wie jeder Schrebergartenverein. So dass jedes Mitglied im Verein die Themenstellung beeinflussen konnte."

Ein basisdemokratischer Anspruch, der bis heute gilt. Schnell fanden die Umweltschützer ihr erstes, das namensgebende Thema. Anne Scheerer:

"Wir haben gleich eine bundesweite Aktion gemacht. Das war gegen Waldsterben. Und das war wirklich ein Knaller. Wir haben hier in Hamburg den Michel besetzt und haben oben vom Turm ein Transparent runtergelassen."

In anderen Städten besetzten die "Rächer der Entlaubten" Schornsteine von Kraftwerken. Das Medieninteresse war riesig. Auf Anhieb schaffte es Robin Wood bis in die Tagesschau. Dazu Klaus Scheerer:

"Wir wollten in erster Linie mal darauf aufmerksam machen, dass das Waldsterben überhaupt zur Kenntnis genommen wurde. Das war ja damals eine ganz andere Zeit. Der Umweltschutzgedanke war hier überhaupt noch nicht verbreitet."

"Was ist denn hier los? Sabotage! Freie Fahrt für freie Bürger!"

Tempo 100 gegen das Waldsterben. Eine Kernforderung von Robin Wood. Um ihr Ausdruck zu verleihen, stellten die Umweltschützer unter anderem gefälschte Tempo-100-Schilder an der Autobahn auf, sehr zum Ärger der Polizei. Doch bald erweiterte sich das Themenspektrum. Robin Wood protestierte gegen Kraftwerks-Abgase und Flugverkehr, gegen Transrapid und Kernkraft. Eine der erfolgreichsten Aktionen war der Protest gegen die Hamburger Fabrik des Chemiekonzerns Boehringer. Hier wurde Lindan hergestellt, ein giftiges Pflanzen- und Holzschutzmittel.

"Auf diesem Gelände sind die Brunnen mit Dioxin vergiftet. Die ganze Umgebung ist vergiftet. Hier sind Hunderte von Gemüsebauern in der Umgebung, die kein Gemüse mehr anbauen können."

Die Aktivisten besetzten die Fabrik, ketteten sich ans Werktor.

"Hier spricht die Polizei. Ich fordere Sie auf, die Zufahrt zu räumen. Sollten Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, werden Zwangsmittel gegen sie angewandt!"

Doch Robin Wood setzte sich durch: Im Juni 1984 wurde das Werk geschlossen, das Gelände saniert. Nicht der einzige Erfolg von Robin Wood mit seinen heute 1400 Mitgliedern, meint Öko-Pionier Klaus Scheerer:

"Dieser Umweltgedanke, der damals ganz neu war, der ist ja heute allgegenwärtig. Umweltschutz ist in aller Munde."

Doch ist eine Organisation wie Robin Wood in Zeiten, in denen mit den Grünen eine erklärte Umweltpartei in den Parlamenten sitzt, überhaupt noch nötig?

"Auf jeden Fall!"

sagt Robin-Wood-Sprecherin Ute Bertrand.

"Ich glaube, die ist nötiger als je zuvor. Das zeigt sich auch daran, dass die ganzen Institutionen eigentlich einen großen Glaubwürdigkeitsverlust erleiden. Uns wird eher geglaubt als Politiker XY oder selbst dem Experten XY. Und der Impuls ist ganz stark auch: Wir wollen was selber machen. Wir wollen nicht gucken, dass wir gerettet werden von irgendeiner anderen Stelle. Sondern wir wollen die Dinge selbst in die Hand nehmen."

Und Umweltthemen, die bislang kaum wahrgenommen werden, gebe es genug. Sei es eine Uranfabrik in Niedersachsen, seien es Palmöl-Plantagen in den Tropen, für die großflächig Regenwald abgeholzt wird.

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