Donnerstag, 24. Juli 2014MESZ12:44 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsSchnapsidee auf der Zunge
Die Flasche steht auf einer Handfläche.

Die Umwandlung der Beuys'schen "Fettecke" in fünfzigprozentigen Schnaps ist Thema in den Feuilletons. Die "Welt" lässt den Vorwurf, die Künstler hätten sich an Beuys versündigt, nicht gelten. Mehr

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Fazit

AusstellungGipfeltreffen dreier Großmeister
Eine Frau steht vor einer großformatigen Fotografie.

Superhelden-Fotos von Andreas Gursky, Jeff Walls Fotos von Alltagsfiguren und Zeichnungen von Neo Rauch. Die Ausstellung in der Kestnergesellschaft Hannover sei ein "visuelles Experiment", erklärt Kurator Veit Görner. Es ist ihm gelungen.Mehr

ShakespeareKleines Kino-Wunder
Filmszene aus "Viel Lärm um nichts" ("Much Ado About Nothing") von Joss Whedon

Es darf gestaunt werden: eine Shakespeare-Adaption, die im Hier und Heute spielt, dabei lustvoll die Sprachgewalt des Dichters feiert, nicht ins Grobe abgleitet, und die dennoch brüllend komisch ist.Mehr

Film Noir Originelle Mordmethoden
Der chinesische Schauspieler Fan Liao ("Bai Ri Yan Huo"/ "Feuerwerk am helllichten Tage") posiert am während der 64. Internationalen Filmfestspiele in Berlin mit dem Goldenenen und Silbernen Bären. Liao wurde mit dem Silbernen Bären als bester Darsteller ausgezeichnet, der Film gewann den Goldenen Bären.

"Feuerwerk am helllichten Tage" von Dao Yinan war der große Gewinner bei der letzten Berlinale. Aber abgesehen von einer der originellsten Mordmethoden der Filmgeschichte (Schlittschuh) hat Film eigentlich nichts, was den Preissegen rechtfertigt.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.10.2012

Grass als "neuer Grimmelshausen"

Essayist Fritz J. Raddatz zum 85. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers

Fritz J. Raddatz im Gespräch mit Anke Schaefer

Dem früheren Freund Grass wünscht Raddatz zum Geburtstag alles Gute.
Dem früheren Freund Grass wünscht Raddatz zum Geburtstag alles Gute. (dapd / Sebastian Willnow)

An seinem Schriftstellerkollegen Günter Grass schätze er besonders dessen fantasievolle und genaue Sprache, sagte der Essayist und Romancier Fritz J. Raddatz zum 85. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers. Diese beiden Koordinaten hätten ein großes Werk geformt.

Seine frühen Gedichte in "Gleisdreieck" und die Erzählungen "Katz und Maus" und "Das Treffen in Telgte" nannte Raddatz als herausragende Leistungen in Grass Schaffen. Als besonders gelungen bezeichnete Raddatz den Roman "Der Butt", der ihm wegen der seltsamen und märchenhaften Melange aus Fantasie und Nacherzählung besonders gut gefiele.

In seinem eigenen "Bestiarium der deutschen Literatur" habe er Grass, zugegebenermaßen wenig originell, als Aal eingeordnet: Das sei "eine Platitüde" gewesen, gab Raddatz zu, sollte aber die wichtige Rolle in Erinnerung rufen, die der Aal in Günter Grass Erfolgsroman "Die Blechtrommel" spielte.

Dieser Roman sei bei dessen Erscheinen eine Sensation gewesen, erinnerte sich Raddatz, weil er im Kontrast zu den in dieser Zeit üblichen realistischen Romanen gestanden habe. Mit seiner barock strotzenden Prosa, die gleichzeitig Bezug auf die politische Aktualität nahm, habe sich Grass damals als "neuer Grimmelshausen" präsentiert.

Vor allem wegen unterschiedlicher politischer Bewertungen habe er sich allerdings mit dem früheren engen Freund überworfen: Analysen zur deutschen Wiedervereinigung, das späte Eingeständnis der Zugehörigkeit zur Waffen-SS und auch das aufsehenerregende Gedicht "Was gesagt werden muss" nannte Raddatz als Beispiele dieser Meinungsverschiedenheiten - letzteres bezeichnete Raddatz als "unangenehm, falsch und schlecht".

Allerdings schmälerten diese politischen "Irrtümer" nicht den Stellenwert von Grass schriftstellerischem Schaffen. Dies sei eher ein Thema für die Journalisten, stellte Raddatz fest: "Literaturgeschichte schreibt sich anders."

Mehr zum Thema bei dradio.de:
"Ein politisch eingreifender Schriftsteller" - Literaturkritiker zum 85. Geburtstag von Nobelpreisträger Günter Grass, (DKultur, Thema)