Sonntag, 31. August 2014MESZ02:17 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWie Architektur Konflikte lösen hilft
Auf einem Tisch liegen deutsche Tageszeitungen so versetzt, dass jeweils nur der Titel zu lesen ist, ganz vorne "Die Welt", "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Süddeutsche Zeitung"

Von einem Haus für Obdachlose und Studenten in Wien berichtet begeistert die "SZ", die NZZ" traf den in der Ostukraine geborenen Schriftsteller SerhijZhadan getroffen, und die "taz" hat die US-Spionageverfahren gegen Whistleblower nachgezählt. Es sind acht!Mehr

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Fazit

AusstellungDick aufgetragen
Das Museum für zeitgenössische Kunst, das "MARTa" in Herford

Der Künstler Clemens Krauss bringt wahre Farbgebirge auf die Leinwand, was seine Bilder sinnlich, fast sexuell wirken lässt, so dass man sich ihnen kaum entziehen kann. Doch er malt nicht nur, bekannt ist er auch für seine Videoinstallationen. Mehr

ZeichenkunstZeugnis einer Berührung
Der bedeutende Vertreter des Realismus in einer zeitgenössischen Darstellung. Wilhelm Leibl wurde am 23. Oktober 1844 in Köln geboren und ist am 4. Dezember 1900 in Würzburg gestorben.

In einer kleinen Kölner Ausstellung kann man ein recht unbekanntes zeichnerisches Phänomen begutachten: den Abklatsch. Er entsteht etwa, wenn eine Kohle- oder Kreidezeichnung auf ein anderes Papier abgedrückt wird. Mehr

KunstLeben in der Blase
Küchenmonument, Eine Soziale Skulptur vor dem Museum, Berlinische Galerie, 2014. Auf dem Bild sind rennende Kinder auf einem Feld mit lauter Buchstaben zu sehen, dahinter Menschen, eingehüllt in eine riesige Blase.

Eine riesige Blase aus durchsichtiger Folie, darin Menschen, die Möbel bauen: Auf dem Platz vor der Berlinischen Galerie ist zurzeit das "Küchenmonument" zu sehen. Anwohner und Kunstinteressierte sind von dem Objekt begeistert.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.10.2012

Grass als "neuer Grimmelshausen"

Essayist Fritz J. Raddatz zum 85. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers

Fritz J. Raddatz im Gespräch mit Anke Schaefer

Dem früheren Freund Grass wünscht Raddatz zum Geburtstag alles Gute.
Dem früheren Freund Grass wünscht Raddatz zum Geburtstag alles Gute. (dapd / Sebastian Willnow)

An seinem Schriftstellerkollegen Günter Grass schätze er besonders dessen fantasievolle und genaue Sprache, sagte der Essayist und Romancier Fritz J. Raddatz zum 85. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers. Diese beiden Koordinaten hätten ein großes Werk geformt.

Seine frühen Gedichte in "Gleisdreieck" und die Erzählungen "Katz und Maus" und "Das Treffen in Telgte" nannte Raddatz als herausragende Leistungen in Grass Schaffen. Als besonders gelungen bezeichnete Raddatz den Roman "Der Butt", der ihm wegen der seltsamen und märchenhaften Melange aus Fantasie und Nacherzählung besonders gut gefiele.

In seinem eigenen "Bestiarium der deutschen Literatur" habe er Grass, zugegebenermaßen wenig originell, als Aal eingeordnet: Das sei "eine Platitüde" gewesen, gab Raddatz zu, sollte aber die wichtige Rolle in Erinnerung rufen, die der Aal in Günter Grass Erfolgsroman "Die Blechtrommel" spielte.

Dieser Roman sei bei dessen Erscheinen eine Sensation gewesen, erinnerte sich Raddatz, weil er im Kontrast zu den in dieser Zeit üblichen realistischen Romanen gestanden habe. Mit seiner barock strotzenden Prosa, die gleichzeitig Bezug auf die politische Aktualität nahm, habe sich Grass damals als "neuer Grimmelshausen" präsentiert.

Vor allem wegen unterschiedlicher politischer Bewertungen habe er sich allerdings mit dem früheren engen Freund überworfen: Analysen zur deutschen Wiedervereinigung, das späte Eingeständnis der Zugehörigkeit zur Waffen-SS und auch das aufsehenerregende Gedicht "Was gesagt werden muss" nannte Raddatz als Beispiele dieser Meinungsverschiedenheiten - letzteres bezeichnete Raddatz als "unangenehm, falsch und schlecht".

Allerdings schmälerten diese politischen "Irrtümer" nicht den Stellenwert von Grass schriftstellerischem Schaffen. Dies sei eher ein Thema für die Journalisten, stellte Raddatz fest: "Literaturgeschichte schreibt sich anders."

Mehr zum Thema bei dradio.de:
"Ein politisch eingreifender Schriftsteller" - Literaturkritiker zum 85. Geburtstag von Nobelpreisträger Günter Grass, (DKultur, Thema)