Samstag, 1. November 2014MEZ09:25 Uhr

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Fazit

Elaine SturtevantDie Crazy Cat ihrer Generation
Die Künstlerin Elaine Sturtevant posiert am 04.06.2011 in Venedig bei der Eröffnung der 54.Kunstbiennale Venedig vor der Preisverleihung für die Fotografen.

Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt zeigt das grafische Werk Elaine Sturtevants - einschließlich 80 bisher noch nicht veröffentlichter Zeichnungen. Für Kurator Mario Kramer war die Künstlerin ein Augenöffner.Mehr

Goethe 2.0Das Leben eines Universalgenies digital
Auf dem Bild "Goethe in der römischen Campagna" von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein liegt Goethe hingebettet vor einer italienischen Landschaft

Es ist eines der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik: "Propyläen. Forschungsplattform zu Goethes Biographica", nennt es sich. Wird der moderne Mensch den alten Dichter durch die digitalen Medien besser verstehen? Mehr

Filme der WocheSolidarität in den 80ern und heute
Die belgischen Brüder Jean-Pierre (l) and Luc Dardenne (r) bei der Vorstellung ihres Films "Zwei Tage, eine Nacht" beim Valladolid International Film Festival in Spanien, aufgenommen am 18.10.2014

Engagement, Kooperation und Mitgefühl auf der Leinwand: Das mitreißende britische Sozialdrama "Pride" punktet mit Spaß und Pointen; "Zwei Tage, eine Nacht" der Gebrüder Dardenne zeigt den Kampf einer Angeschlagenen in einem Klima sozialer Kälte.Mehr

weitere Beiträge

Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.10.2012

Grass als "neuer Grimmelshausen"

Essayist Fritz J. Raddatz zum 85. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers

Fritz J. Raddatz im Gespräch mit Anke Schaefer

Dem früheren Freund Grass wünscht Raddatz zum Geburtstag alles Gute.
Dem früheren Freund Grass wünscht Raddatz zum Geburtstag alles Gute. (dapd / Sebastian Willnow)

An seinem Schriftstellerkollegen Günter Grass schätze er besonders dessen fantasievolle und genaue Sprache, sagte der Essayist und Romancier Fritz J. Raddatz zum 85. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers. Diese beiden Koordinaten hätten ein großes Werk geformt.

Seine frühen Gedichte in "Gleisdreieck" und die Erzählungen "Katz und Maus" und "Das Treffen in Telgte" nannte Raddatz als herausragende Leistungen in Grass Schaffen. Als besonders gelungen bezeichnete Raddatz den Roman "Der Butt", der ihm wegen der seltsamen und märchenhaften Melange aus Fantasie und Nacherzählung besonders gut gefiele.

In seinem eigenen "Bestiarium der deutschen Literatur" habe er Grass, zugegebenermaßen wenig originell, als Aal eingeordnet: Das sei "eine Platitüde" gewesen, gab Raddatz zu, sollte aber die wichtige Rolle in Erinnerung rufen, die der Aal in Günter Grass Erfolgsroman "Die Blechtrommel" spielte.

Dieser Roman sei bei dessen Erscheinen eine Sensation gewesen, erinnerte sich Raddatz, weil er im Kontrast zu den in dieser Zeit üblichen realistischen Romanen gestanden habe. Mit seiner barock strotzenden Prosa, die gleichzeitig Bezug auf die politische Aktualität nahm, habe sich Grass damals als "neuer Grimmelshausen" präsentiert.

Vor allem wegen unterschiedlicher politischer Bewertungen habe er sich allerdings mit dem früheren engen Freund überworfen: Analysen zur deutschen Wiedervereinigung, das späte Eingeständnis der Zugehörigkeit zur Waffen-SS und auch das aufsehenerregende Gedicht "Was gesagt werden muss" nannte Raddatz als Beispiele dieser Meinungsverschiedenheiten - letzteres bezeichnete Raddatz als "unangenehm, falsch und schlecht".

Allerdings schmälerten diese politischen "Irrtümer" nicht den Stellenwert von Grass schriftstellerischem Schaffen. Dies sei eher ein Thema für die Journalisten, stellte Raddatz fest: "Literaturgeschichte schreibt sich anders."

Mehr zum Thema bei dradio.de:
"Ein politisch eingreifender Schriftsteller" - Literaturkritiker zum 85. Geburtstag von Nobelpreisträger Günter Grass, (DKultur, Thema)