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Interview / Archiv | Beitrag vom 17.03.2016

Gipfel-DiplomatieSuche nach dem schmalen Grat

Thomas Matussek im Gespräch mit Marianne Allweiss und Andre Hatting

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Anreise zum außerordentlichen EU-Gipfel in Brüssel am 18. Februar 2016 (picture alliance / dpa)
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Anreise zum EU-Gipfel Mitte Februar: Wenn die Diplomaten gut gearbeitet haben, kann sie Erfolge feiern (picture alliance / dpa)

Wenn Spitzenpolitiker auf Gipfeln erscheinen, haben Diplomaten meist schon die Arbeit erledigt. Gipfel-Politik könne man sich vorstellen wie einen Eisberg, sagt der ehemalige Botschafter in London, Thomas Matussek: Über der Wasserlinie die Chefs, darunter das große Heer der Zuarbeiter.

Wenn Bundeskanzlerin Merkel heute auf dem Brüsseler EU-Gipfel erscheint, haben Diplomaten bereits sämtliche Möglichkeiten für Kompromisse und Lösungen ausgelotet. Die Aufgabe der Diplomaten sei zuerst einmal, Aufklärung über die Interessenlagen der Verhandlungspartner zu betreiben, sagte der ehemalige Botschafter in London und Indien, Thomas Matussek, im Deutschlandradio Kultur. Das sei manchmal gar nicht so leicht, betonte er – denn gerade in demokratischen Gesellschaften sind die Meinungen, die zu einem Thema geäußert werden, oft vielfältig.

Vor den Treffen von Spitzenpolitikern gebe es dann zahlreiche Sondierungsgespräche, man taste sich von allen Seiten an eine Problemlösung heran. Im Einzelfall müsse dann der schmale Grat gefunden werden, der für alle Seiten noch tragbar sei, so Matussek.

Es ist viel besser, Kompromisse mit allen zu schließen

Was bilateral schon schwierig sein kann, ist im EU-Rahmen mit 28 Regierungsvertretern ein echtes Kunststück. Dennoch: Der Versuchung, renitente Regierungschefs mal eben zu überstimmen, sollte man besser nicht folgen, rät der Ex-Diplomat:

"Sie müssen nicht alle 28 an Bord haben, aber es hat sich herausgestellt in der EU, dass es viel besser ist, Kompromisse mit allen zu schließen und nicht Leute einfach zu überstimmen, weil, die haben die Möglichkeit, sich auf andere Weise irgendwann mal zu rächen, und in der EU ist es eine gute Tradition, die alle Bundesregierungen bisher befolgt haben, dass man sich mit den engsten und wichtigsten Partnern vorher sehr eng abstimmt."

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