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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.10.2007

Giordano hält Großmoscheen für "Landnahme auf fremdem Territorium"

Schriftsteller sieht Integration von Ausländern in Deutschland gescheitert

Moderation: Jörg Degenhardt

Ralph Giordano, Schriftsteller und Publizist (AP)
Ralph Giordano, Schriftsteller und Publizist (AP)

Der Schriftsteller Ralph Giordano hat den Bau von Großmoscheen scharf kritisiert. Es sei seltsam wenn so getan werde, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt, dass hier in Deutschland Großmoscheen wie Pilze aus dem Boden schössen, sagte Giordano im Deutschlandradio Kultur. Das müsse hinterfragt werden.

Jörg Degenhardt: 2750 muslimische Gebetshäuser, darunter 160 repräsentative Bauten mit Kuppel und Minarett gibt es mittlerweile in Deutschland. Die älteste Moschee steht übrigens in Schwetzingen in Baden-Württemberg, sie wurde bereits 1779 bis 1791 errichtet.

Gestern gab es wieder den bundesweiten Tag der offenen Moschee, erstmals gemeinsam veranstaltet von den vier größten islamischen Dachverbänden in Deutschland. Es kam ein Meer oder viele zehntausend Besucher. Mit der alljährlichen Aktion am 3. Oktober, am Nationalfeiertag, wollen die Muslime ihr Selbstverständnis als Teil Deutschlands hervorheben. Ihr Motto lautete dann gestern auch "Moscheen - Brücken für eine gemeinsame Zukunft".

Inwieweit diese Brücken schon tragen und wie diese Zukunft aussehen soll - darüber möchte ich reden mit dem Publizisten und Autor zahlreicher Bestseller, mit Ralph Giordano. Guten Morgen, Herr Giordano.

Ralph Giordano: Guten Morgen.

Degenhardt: In Deutschland sei es schwerer, eine Moschee zu bauen, als ein Kernkraftwerk, sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Sie selbst sind gegen den Bau einer Großmoschee in Köln. Woher rühren diese Widerstände, diese Ängste und ja auch Bürgerinitiativen gegen neue Moscheebauten, auch in Frankfurt oder etwa in Berlin?

Giordano: Also, zunächst einmal finde ich es seltsam, wenn so getan wird, als wenn es das Selbstverständlichste von der Welt ist, dass hier in Deutschland Großmoscheen - Großmoscheen wohlgemerkt - wie Pilze aus dem Boden schießen. Und dass das nicht hinterfragt werden soll und kann. Selbstverständlich muss es hinterfragt werden.

Ich habe gestern die Bilder gesehen: Natürlich kann man nicht das Geringste dagegen haben, dass Nicht-Muslime Moscheen besuchen, aber da beginnen die Fragen. Erstens: Wo sind die Frauen? Zweitens: Wer bezahlt eigentlich diese Millionen von Kosten, die diese Giga- und Mega-Moscheen eben kosten?

Das ist doch eine Frage, die gestellt werden darf, und da kann ich Ihnen ganz eindeutig sagen: Die wahren Bauherren, zum Beispiel der zentralen Großmoschee in Köln, sind nicht Herr Schramma, auch nicht der Architekt Böhm, der wahre Bauherr ist auch nicht die DITIB, dieser größte, türkische Immigrantenverband, sondern das ist die Diyanet, die Religionsbehörde in Ankara, eine staatliche Stelle, ein Teil der Regierung.

Durch den Bau dieser Großmoscheen, die wie Pilze aus dem Boden schießen, aus deutschem Boden schießen, ist die Diyanet, ich wiederhole es, und das bedeutet, dass die Türkei auf diese Weise hier sozusagen mitregiert in unserem Land.

Degenhardt: Das heißt, eine Moschee ist für Sie nicht etwa das Gleiche wie beispielsweise eine Kirche oder eine Synagoge?

Giordano: Nein, selbstverständlich nicht. Wir leben hier in einem judäo-christlichen Geschichtsbereich. Und ich finde es unglaublich, dass so getan wird, als wenn die Geschichte, die Europa mit dem Islam verbindet, genau das Gleiche ist, als mit dem Alten und dem Neuen Testament, und der Kultur, die daraus entstanden ist. Davon kann doch gar keine Rede sein. Die Wahrheit ist: Ich habe eine Lawine losgetreten mit meinem ... am 16. Mai 2007 ...

Degenhardt: ... da ging es, dass muss ich noch mal kurz erläutern, um die Großmoschee, die in Köln gebaut werden soll und gegen den Bau Sie protestiert haben.

Giordano: Gegen den ich protestiert habe. Und siehe da - was passiert? Ich habe Hunderte und Aberhunderte von Briefen bekommen, Herr Kollege, mit einem gleichlautenden Tenor, 90 Prozent, ein gleichlautender Tenor, nämlich: Giordano, wir sind besorgt wie Sie über eine schleichende Islamisierung, aber wir wagen nicht, es zu sagen und öffentlich zu bekunden, weil wir dann in die falsche rechte neonazistische Ecke gestellt werden. Und da gehören wir nicht hin.

Und ich kann Ihnen nur sagen, es bestätigt sich diese niederträchtigste aller niederträchtigen Totschlagargumente, nämlich: Wer die Moschee kritisiert, den Bau der Moschee kritisiert oder den Islam kritisiert, der macht die Sache der Nazis von heute.

Degenhardt: Das heißt also, auch der Bau einer Moschee, Herr Giordano - Entschuldigung, wenn ich Ihnen ins Wort falle -, der Bau einer Moschee ist für Sie auch kein Zeichen von Integration, und so ein Tag wie der gestrige, der Tag der offenen Moschee, ist dann aus Ihrer Sicht dann vielleicht nur pure Symbolik?

Giordano: Selbstverständlich, natürlich. Wir müssen doch den harten Tatsachen ins Auge sehen. Das bedeutet, die Integration ist gescheitert. Wenn 25 Jahre über etwas gesprochen wird, was dann nicht stattfindet, kann man doch zu keinem anderen Schluss kommen, als dass die Integration gescheitert ist.

Degenhardt: Aber das hörte sich auf dem letzten Integrationsgipfel im Kanzleramt doch anders an?

Giordano: Ja, das ist eben falsch. Was ist denn hier passiert? Die Politiker haben ein gravierendes, schwerwiegendes innenpolitisches Problem über Jahrzehnte hin geschönt, verdrängt, geleugnet. Das hat den jetzigen Zustand ja mitbewirkt.

Also, die Integration ist gescheitert. Das ist eine der harten Wahrheiten, denen wir uns stellen müssen und denen sich die Umarmer, diese ... Einäugigen, die Multi-Kulti-Illusionisten, diese Beschwichtigungs-Dogmatiker nie gestellt haben. Die Integration ist gescheitert und wir müssen uns Gedanken machen, wie es jetzt weitergehen kann. Man kann auf falschen Fundamenten nicht aufbauen.

Degenhardt: Das ist die Frage. Wo sollen zum Beispiel die Muslime ihrer Religion nachgehen, wenn nicht in Moscheen?

Giordano: Das ist ja immer wieder das gleiche Argument, ja, sie muss raus aus den Hinterhof-Moscheen. Herr Kollege, ich kann nur sagen, zwischen Hinterhof-Moscheen und Großmoscheen, Giga-Moscheen, Mega-Moscheen gibt es eine ganze Reihe von Abstufungen ohne Abschreckungseffekt wie in diesem Falle hier - ob es nun in Duisburg ist, in Köln, in Mannheim, Frankfurt oder München.

Diese Giga-Moscheen, die ja gebaut werden, sind meiner Meinung nach - und nicht nur meiner Meinung nach, sondern ein großer Teil der deutschen Bevölkerung hat ganz klar erkannt, was die wahre Absicht ist, nämlich ein Machtanspruch, es ist eine Kriegserklärung, es ist eine Landnahme auf fremdem Territorium.

Ich mache hier doch nicht alle Muslime schlecht, ich kehre mich doch nicht gegen alle Muslime. Ich kehre mich gegen eine schleichende Islamisierung. Ich bin kein Türkenschreck, Herr Kollege, ich bin kein Anti-Muslim-Guru. Ich habe nicht zum Bürgerkrieg aufgerufen. Ich habe ein schwerwiegendes, innenpolisches Problem durch meinen Protest an die Öffentlichkeit gebracht. Der öffentliche Diskurs ist da, Gott sei Dank.

Und über ein Thema, ein wichtiges, schwerwiegendes, innenpolitisches Thema zu sprechen, auch konträr zu sprechen, ist immer noch besser als das, was bis jetzt da war, nämlich über dieses Problem zu schweigen, es zu verdrängen oder zu beschönigen.

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