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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 11.12.2015

Gesellschaft für deutsche Sprache"Flüchtlinge" ist Wort des Jahres

Aus Scrabble-Buchstaben wurde "Das Wort des Jahres" gelegt. (dpa/picture-alliance/Jens BüŸttner)
Das Wort des Jahres ist Flüchtling. (dpa/picture-alliance/Jens BüŸttner)

Das Wort, das das öffentliche Leben in Deutschland 2015 am meisten geprägt hat, ist "Flüchtlinge". So sieht es zumindest die Gesellschaft für deutsche Sprache, die das "Wort des Jahres" kürt. Die Jury gab auch zu bedenken, dass der Begriff tendenziell abschätzig klinge.

"Flüchtlinge" ist das Wort des Jahres 2015. Dies gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden bekannt.

Zur Begründung hieß es, es sei stark im deutschen Wortschatz verankert und stehe für das zentrale Thema in 2015.

Zudem sei das Wort auch sprachlich interessant: Die Nachsilbe "-ling", die sich auch in Begriffen wie "Eindringling" oder "Emporkömmling" finde, klinge für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig. Ob sich allerdings der neuerdings öfters verwendete Ausdruck Geflüchtete durchsetze, bleibe abzuwarten.

Auch die Journalistin Sieglinde Geisel hatte vor einigen Monaten im Deutschlandradio Kultur darauf hingewiesen: "Wie wir die Menschen benennen, die nun nach Europa kommen – aus welchen Gründen auch immer – hat Einfluss darauf, wie wir sie behandeln." Sie thematisiert ebenfalls die Endung "-ling", die mit negativen Assoziationen verbunden sei. Außerdem reduziere der Begriff "Flüchtlinge" Menschen auf ihre Flucht. Als Alternative empfiehlt sie "Geflüchtete", "Refugees" oder "Heimatvertriebene".

"Mogel-Motor" und "Selfie-Stab" sind auch dabei

Zum "Wort des Jahres 2015" hatte die Jury aus rund 2500 Vorschlägen einen Begriff gewählt, der das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben des vergangenen Jahres sprachlich besonders bestimmt hat.

Auf dem zweiten Platz landete "Je suis Charlie". Mit diesem Slogan hätten Millionen Menschen ihre Solidarität mit den Opfern des Terroranschlags am 7. Januar auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris bekundet und für Pressefreiheit demonstriert, so die Jury.

Den dritten Platz hat "Grexit" inne. Der Ausdruck stehe für die Frage, ob Griechenland aufgrund seiner hohen Staatsverschuldung aus der Eurozone ausscheiden müsse - und damit für das Topthema der ersten Jahreshälfte.

Die folgenden Plätze der Zehner-Hitliste der belegen die Wörter beziehungsweise Wendungen "Selektorenliste", "Mogel-Motor", "durchwinken", "Selfie-Stab", "Schummel-WM", "Flexitarier" und den Ausspruch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "Wir schaffen das".

Worte als Jahres-Chronik

Die Gesellschaft für deutsche Sprache kürt seit 1977 regelmäßig Wörter und Wendungen, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise bestimmt haben.  Dabei stünden deren Signifikanz beziehungsweise Popularität im Vordergrund. Die ausgewählten Wörter stellten eine sprachliche Jahres-Chronik dar. Ihre Auswahl sei aber mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden.

2014 hatte die Jury die Berliner "Lichtgrenze" zum Mauerfall-Jubiläum zum Wort des Jahres gekürt. In den den Jahren zuvor waren es die Abkürzung GroKo (2013), die Rettungsroutine (2012) und der Stresstest (2011).

2014 hatte die Jury "Lichtgrenze" in Anspielung auf die Lichtinstallation bei den Berliner Feiern zu 25 Jahren Mauerfall zum Wort des Jahres gewählt.

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