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Profil / Archiv | Beitrag vom 02.09.2011

Gemeinsam Singen beim Barbier

Chor der Woche: Barbershop-Chor "Herrenbesuch" aus München

Von Carolin Pirich

Rasierschaum und singfreudige Herren, daraus entstand die Barbershop-Musik. (picture alliance / dpa / Ronald Wittek)
Rasierschaum und singfreudige Herren, daraus entstand die Barbershop-Musik. (picture alliance / dpa / Ronald Wittek)

Um 1900 entstand die Barbershop-Musik: Da saßen die Herren beim Barbier und vertrieben sich die Zeit mit gemeinsamen Singen. Seit inzwischen vier Jahren gibt es den Barbershop-Chor "Herrenbesuch" aus München - mit viel Gefühl im Brustkorb.

Das ehemalige Gelände eines Chipherstellers in München. In einem der verlassenen Gebäude probt hier montagabends der Barbershop-Chor Herrenbesuch. Die Tür ist verschlossen. Die Probe beginnt erst in einer halben Stunde. Aber die Männer, die schon da sind, wollen nicht warten.

Thorsten Engels: "Ich kam, und dann standen da drei Leute. Und dann hab ich gesagt, alles klar, ich bin die fehlende Stimme, Tasche weg, jetzt wird gesungen."

Thorsten Engels, Theater-Schauspieler in München und Countertenor. Er hat vorher schon in Aachen in einem kleineren Ensemble gesungen. Nach Auftritten gingen sie, wie viele Musiker, noch ein Gläschen trinken. Beim "Herrenbesuch" heißt dieses Nachglühen Afterglow und sieht ein bisschen anders aus.

Engels: "Wenn ich mit denen irgendwo bin, dann heißt es, lass noch einen singen, lass noch einen singen, lass noch einen singen. Ich finde toll, dass die alle motiviert sind und eigentlich immer singen wollen."

Die meisten Herren kommen direkt von der Arbeit zu Probe, manche in Jackett und mit Aktentasche; Ingenieure, Lehrer, PR-Berater, aber auch Studenten und Rentner. Sobald Chorleiter Hans-Jürgen Wieneke da ist und die Tür zum Probenraum aufschließt, stellen sich auf, lockern sich: In die Knie gehen, Beine, Schultern, Gesicht ausschütteln. Notenständer gibt es keine beim Herrenbesuch, auch keine Noten.

Hans-Jürgen Wieneke leitet den Chor. Er ist kein professioneller Musiker, sondern PR-Berater für IT-Firmen. Er singt, seitdem er in Disneyworld Florida das Barbershop-Fieber bekommen hat. Das war vor mehr als 20 Jahren.

Hans-Jürgen Wieneke: "Da war als Pausenfüller eine A-cappella-Gruppe. Die singen zwar nicht Barbershop, aber Close-Harmony, das heißt, dass die einzelnen Stimmen nah beieinanderliegen, und das führt dazu, dass es nach mehr klingt, als es eigentlich ist. Da bilden sich Obertonreihen, expanded Sound."

Beim Barbershop ist das ähnlich, nur dass die Leadstimme nicht im ersten Tenor liegt, sondern in der Stimme darunter. Zurück in Deutschland, damals wohnte er in Köln, sang Wieneke in verschiedenen Ensembles. Als er nach München zog, gründete er gleich sein eigenes, "Herrenbesuch".

Wienecke: "Ich möchte gerne in drei Jahren 50 Leute haben, langfristig möchte ich 60, 70 haben, weil der Klang dann viel größer ist. Die großen Chöre in Amerika haben 120, 160 Mitglieder und kommen so zu den Wettbewerben. Das ist dann auch ein eindrucksvolles Bild."

An Interessenten mangelt es nicht. Heute ist ein schmaler, großer Mann gekommen, mit dunklen Augen und strahlend weißen Zähnen. Er ist zum zweiten Mal dabei, Elektrotechnik-Ingenieur. Er stammt aus dem Iran und lebt erst seit sechs Monaten in Deutschland. Es war ihm nach der Arbeit schrecklich langweilig, sagt er, bis er ein Konzert von "Herrenbesuch" hörte.

Mosen: "Das war die schönste Tag und Nacht, seit ich in Deutschland bin. Ohne Übertreibung. Was mir super gefallen hat, war die Atmosphäre nach dem Konzert, die Gruppe war zusammen und haben weitergesungen. So etwas habe ich noch nie erlebt."

Wieneke hat bei der letzten Probe eine Hausaufgabe aufgegeben. Die Herren sollten sich etwas vorstellen, an das die Männer beim Singen denken sollen, für den passenden Ausdruck beim Auftritt.
Thorsten Engels hat seine Hausaufgabe gemacht:

"Bei Hearts will full of spring, da muss ich an ein Ehepaar denken, die ich aus meiner Zivizeit kenne. Sie müssen beide gepflegt werden. Da hat mich fasziniert, dass die immer noch verliebt sind."

Klingt doch schon gut. Nicht?

Wienecke: "So sicher nicht, so werden wir das nicht auf die Bühne bringen ..."

Das Ziel: nach ganz oben zu kommen. Wie das geht? Das Publikum zum Weinen bringen.

Wienecke: "Wenn wir Balladen richtig gut singen, dann sehen wir nicht nur bei den Damen ein paar Tränen, sondern auch bei den Herren. Und dann wissen wir, wir haben einen richtig guten Job gemacht."

Nächste Auftritte des Barbershopchores:
30.09.2011 Harmony College, Olpe
15.10.2011 Chorfestival, Sundern

Homepage Barbershop-Chor "Herrenbesuch"

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Externe Links:

Barbershop-Chor "Herrenbesuch"

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