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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.04.2007

Geld vorhanden, Konzepte nicht

Berlin und Bund einigen sich auf die Finanzierung des Humboldt-Forums

Von André Hatting

Ein Fotograf macht Aufnahmen von zerlegten Stahlträgern aus dem Mittelteil des früheren Palastes der Republik in Berlin. (AP)
Ein Fotograf macht Aufnahmen von zerlegten Stahlträgern aus dem Mittelteil des früheren Palastes der Republik in Berlin. (AP)

Nach langem Zögern hat sich das Land Berlin nun auch dafür entschieden, sich finanziell am Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zu beteiligen. Dafür wird dem Land auch eine Nutzung von 5.000 Quadratmetern im zukünftigen Humboldt-Forum eingeräumt. Wie diese konkret aussieht, ist derzeit noch unklar.

Laut ist es. Und zugig. Viel ist nicht mehr übrig vom einstigen Volkskammersaal. Von der Prachtstraße Unter den Linden dringt Verkehrslärm durch das offen gelegte rostige Stahlgerüst. Hier stand einmal der Palast der Republik. Und genau hier soll in sechs Jahren das Humboldtforum eröffnet werden. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee:

Tiefensee: "Berlin soll an dieser Stelle ein Schaufenster der außereuropäischen Kulturen erhalten. Wie ich meine, in einer wunderbaren Symbiose mit dem, was auf der Museumsinsel bereits stattfindet. Es geht nicht darum, Berlin nur im Blick zu haben, sondern es geht darum, auch für die Bundesrepublik ein solches Schaufenster zu gestalten. Und deshalb ist es auch eine bundespolitische Aufgabe, eine bundespolitische Verantwortung. Und deshalb hat sich der Bundestag in mehreren Beschlüssen eindeutig dazu bekannt."

Das Land Berlin dagegen bislang nicht. Zumindest nicht, was die Frage der Finanzierung des Humboldt-Forums angeht. Bis zuletzt hatte sich Berlin geweigert, auch nur einen einzigen Cent für das neue Kulturforum in historischer Stadtschlossfassade zu zahlen. Dass die Hauptstadt nun doch einlenkt, liegt daran, dass ihre Beteiligung weit geringer ausfällt, als ursprünglich geplant. Nicht mehr über 12000 Quadratmeter will Berlin in dem Humboldt-Forum beanspruchen, sondern nicht einmal halb so viel. Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister der Hauptstadt:

"Wir werden also in dem Gesamtpaket Anspruch erheben auf 5.000 Quadratmeter Nutzfläche für Einrichtungen, die das Land Berlin benennt. Damit verbunden sind Kosten von 32 Millionen Euro: 5000 Quadratmeter Fläche und 32 Millionen Euro Kosten, die damit verbunden sind."

Neben den 32 Millionen Euro Beteiligung, die das Land Berlin ab 2012 in Raten zahlen will, wünscht sich der Bund, dass weitere 80 Millionen Euro an Privatmitteln, also Spenden, hinzukommen. Insgesamt soll das Humboldt-Forum nur noch 480 Millionen Euro statt ursprünglich 750 Millionen kosten. Minimallösung wolle er das aber nicht nennen, sagt Bundesbauminister Tiefensee. Es sei vielmehr die Konzentration auf den Kern des Humboldt-Forums:

Tiefensee: "Der Entwurf unterscheidet sich von dem ersten dadurch, dass alles, was nicht nötig ist für ein Humboldt-Forum, nicht gebaut wird. Das bezieht sich insbesondere auf den Hotelbau und die damit einhergehende komplizierte Tiefgarage, die wir nicht bauen müssen."

Auch die kostspielige Kuppel müsse nicht gebaut werden. Das hatten Kritiker gefordert. An ihr will Tiefensee aber festhalten. Offen bleibt, wie das Land Berlin seine auf 5000 Quadratmeter verkleinerte Nutzfläche gestalten wird. Darüber werde erst in den kommenden drei Monaten entschieden, so Klaus Wowereit. Eines aber sei klar: Auf der kleineren Fläche kommen nicht mehr sowohl die Humboldt Universität als auch die Zentral- und Landesbibliothek als Nutzerinnen in Frage. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee wünscht sich, dass auf der gesamten Fläche die wissenschaftliche Sammlung der Humboldt Universität gezeigt würde. Wowereit dagegen sieht in dem gefundenen Kompromiss keine Vorentscheidung für die Humboldt-Universität und gegen eine öffentlichkeitswirksame Bibliothek. Im Gegenteil:

"Wir können auch umgekehrt sagen, dass heute eine Chance eröffnet worden ist auch für die Zentral- und Landesbibliothek, eine Nutzung hier zu haben, weil, die bisherige Beschlussfassung war: Gar keine Nutzung durch das Land Berlin. Insofern ist durch die heutige Entscheidung im Sinne für die ZLB kein Nachteil entstanden, sondern eher ein Fenster geöffnet worden."

So sicher, wie jetzt die Finanzierung nach der Einigung zwischen Bund und Berlin zu sein scheint, so unsicher sei nach wie vor der eigentliche Sinn und Zweck des Humboldt-Forums, kritisiert Luc Jochimsen. Im Deutschlandradio Kultur sagte die kulturpolitische Sprecherin der Linkspartei.PDS im Bundestag:

"Gerne wäre es mir gewesen, man hätte erst ein Konzept gehabt und hätte dann gesagt, es kostet 32 Millionen Euro seitens Berlin und so viel seitens des Bundes. Das Schlimme ist, dass es eigentlich kein wahrhaftiges Konzept gibt, was man in dem Schaufenster Deutschlands auslegen möchte und wohin man da einladen möchte."

Zuversichtlicher zeigte sich dagegen Monika Grütters. Die Obfrau der Unions-Fraktion im Bundestagsausschuss für Kultur und Medien sagte ebenfalls im Deutschlandradio Kultur, es gebe nun immerhin eine Planung, die finanziell "einigermaßen seriös" wirke. Damit komme das Stadtschloss in greifbare Nähe. Zweifel äußerte die CDU-Politikerin aber am Zeitplan. Die Verzögerungen beim Rückbau des Palastes der Republik seien wenig viel versprechend:

"Wenn das so langsam und schleppend mit dem Abriss weitergeht, wie das Berlin bisher praktiziert hat, dann soll in diesem Sommer noch ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden, im Jahr 2010 wollen wir beginnen, 2013 eröffnen. Das finde ich sehr ehrgeizig."

Zumindest der nächste Termin steht fest: Bereits im Mai will sich das Bundeskabinett mit dem Projekt Humboldt-Forum befassen.

Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Grütters begrüßt Berliner Beteiligung am Stadtschlossaufbau

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