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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 29.12.2011

Friseur mit dunklem Geheimnis

Tendai Huchu: Der Friseur von Harare, Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2011

Der Friseur ist zum Verwöhnen da, auch in Harare in Simbabwe, zeigt Tendai Huchu. (AP)
Der Friseur ist zum Verwöhnen da, auch in Harare in Simbabwe, zeigt Tendai Huchu. (AP)

Ein Mann aus reicher Familie arbeitet begeistert als einfacher Friseur in Simbabwe, botet mit seiner Vorliebe für Frisuren, Kosmetik und Eleganz sogar die beliebteste Kollegin des Ladens aus. Die deckt sein tiefstes Geheimnis auf.

Wer zum Friseur geht, möchte nicht nur den modischsten Haarschnitt ausprobieren, sondern sich auch verwöhnen lassen und den neuesten Klatsch erfahren. Dies gilt weltweit, also auch im angesagtesten Salon von Harare. Hier arbeitet die junge Friseurin Vimbai. Sie ist die Beliebteste im Team, sogar die Ministerin lässt sich nur von ihr frisieren. Vimbai hat das gewisse Etwas, sodass die Damen sich beim Verlassen des Salons einfach besser fühlen.

Doch eines Tages kommt Dumisani, ein neuer Kollege, in den Salon und besticht durch seinen Charme und sein Können Vimbais Chefin und ihre Kundinnen. Vimbai fürchtet nicht nur um ihren Verdienst, den sie als alleinerziehende Mutter so dringend benötigt. Neid und Eifersucht machen sich in ihr breit. Doch als Dumisani plötzlich ohne Bleibe ist, nimmt die praktische Vimbai ihn als Untermieter auf. Auch sie erliegt mit der Zeit dem Charme des gut aussehenden jungen Mannes. Als Vimbai entdeckt, dass die Familie von Dumisani zu den reichsten und angesehensten Simbabwes gehört, ahnt sie, dass Dumisani ein Geheimnis umgibt, doch Liebe macht blind. Erst als die Eifersucht sich wieder ihre Bahn bricht, kommt die Wahrheit mit brutaler und zerstörerischer Wucht ans Licht.

Schon früh erkennt der Leser, dass der junge charmante Friseur, der sich so gut in die Seelen seiner Kundinnen denken kann und eine besondere Vorliebe für Frisuren, Kosmetik und Eleganz hat, ein Doppelleben führt. Doch für Vimbai, eine gottesfürchtige junge Frau in Simbabwe, sind solche Gedanken unvorstellbar. Tendai Huchu, der heute in Schottland lebt, hat sich in seinem Debütroman einem der großen Tabus des afrikanischen Kontinents angenommen – der Homosexualität. In Simbabwe gibt es seit 2006 ein Gesetz gegen "Sexuelle Abnormität", das schon das Händchenhalten von Männern unter Strafe stellt.

Der Autor schreibt aus der Perspektive der jungen Vimbai und lässt so Dumisanis Geheimnis fast bis zum Schluss bestehen. Doch Tendai Huchu erzählt in seinem Roman auch viel über das pulsierende Leben in Harare. Seine Figuren gehören allen Schichten an und kämpfen mit den Widrigkeiten des Lebens. Dazu gehört eine Inflation, bei der das Geld in großen Bündeln gar nicht so schnell ausgegeben werden kann, wie es an Wert verliert. Aber auch die umstrittene Landreform des langjährigen Diktators Robert Mugabe und sein repressives Regime werden durch verschiedene Figuren deutlich und kritisch hinterfragt.

Der Autor lässt seine Protagonistin kurzweilig über ihr Leben, ihre Gefühle und Gedanken plaudern. Durch die Ich- Form kann sich Vimbai über sich selber lustig machen. Kurze spritzige Dialoge führen dazu, dass der Roman schnell und leicht zu lesen ist. Trotz der vielen tragischen Anklänge schildert Tendai Huchu seine Geschichte um Vorurteile und Moral, Familientragödien und Ambitionen junger Menschen in Simbabwe mit großer Leichtigkeit, viel Humor und Witz, sodass die bittere Wahrheit erst langsam ins Bewusstsein des Lesers rückt und nicht nur ein Lächeln, sondern auch Nachdenklichkeit zurücklässt.

Besprochen von Birgit Koß

Tendai Huchu: "Der Friseur von Harare"
Aus dem Englischen von Jutta Himmelreich
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2011,
301 Seiten, 19,90 Euro

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