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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 17.04.2012

Freiheit, Wohlstand und rastlose Unruhe

Bas Kast: "Ich weiß nicht, was ich wollen soll. Warum wir uns so schwer entscheiden können und wo das Glück zu finden ist", S. Fischer, Frankfurt am Main 2012, 288 Seiten

Einfach mal abschalten: Hier ein Mann bei Yoga-Übungen in einem Hamburger Park.
Einfach mal abschalten: Hier ein Mann bei Yoga-Übungen in einem Hamburger Park. (AP)

Geld allein macht nicht glücklich, die Konsumgesellschaft überfordert den Menschen, das mediale Überangebot macht ihn nervös. Nichts wirklich Neues. Doch der Psychologe Bas Kast stellt das alles kurzweilig und unter Einflechtung vieler empirischer Studienergebnisse dar.

Dass es der Menschheit in der westlichen Welt in den letzten Jahrzehnten im Hinblick auf materiellen Wohlstand, Sicherheit und persönliche Freiheit so gut geht wie noch nie, ist eine Tatsache. Dass die Menschheit dadurch aber nicht glücklicher wird, ist ein Rätsel, das auch die Wissenschaft umtreibt. Insbesondere Psychologie und Volkswirtschaft haben in den letzten Jahren intensiv "Glücksforschung" betrieben und in immer neuen empirischen Studien festgestellt, dass die Binsenweisheit offensichtlich wirklich stimmt: Geld allein macht nicht glücklich.

Der Bestseller-Autor Bas Kast, selbst ausgebildeter Psychologe, hat sich das Thema nun vorgenommen und präsentiert in seinem neuen Buch einige der einschlägigen Forschungsergebnisse auf munter plaudernde, anschauliche Weise. Drei Kapitel behandeln erstens die Freiheit, zweitens den Wohlstand, und drittens die rastlose Unruhe als diejenigen (Luxus-)Probleme, die den modernen, westlichen, urbanen, global vernetzten Menschen umtreiben.

Das erste Problem: unsere Konsumgesellschaft "leidet" an zuviel Freiheit, insbesondere Wahlfreiheit, was dazu führt, dass wir uns nicht mehr entscheiden können, und uns weder besonders gut noch gerne festlegen. Weder für eine von 250 angebotenen Marmeladensorten, noch für einen von hunderttausenden möglichen Ehepartnern. Jede Entscheidung, die wir im Überangebot des Supermarktes oder der Online-Dating-Plattform treffen, birgt in sich schon den Zweifel, ob nicht doch eine andere Wahl uns glücklicher gemacht hätte. Mit dem (messbaren) Resultat, dass wir insgesamt weniger zufrieden sind mit dem Leben.

Das zweite Problem: Geld macht nicht nur nicht von selbst glücklich. Die Marktförmigkeit unserer Gesellschaft, in der alles zu kaufen ist, auch Dienstleistungen und Hilfestellungen, die früher von der Familie oder anderen Gemeinschaften übernommen wurden, führt zu sozialer Vereinzelung und zwischenmenschlicher Distanzierung. Diese schraubt, ebenfalls messbar, unser allgemeines Glücksempfinden nach unten.

Und schließlich: Die endlosen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, das mediale Überangebot und die Dauervernetztheit führen zu einer hektischen Aufmerksamkeitszerstreuung, in der wir nichts mehr in Ruhe genießen können.

Kast stellt das alles kurzweilig und unter Einflechtung vieler empirischer Studienergebnisse dar. Er entgeht gekonnt der bei solcher Gesellschaftskritik immer drohenden Gefahr, in eine Nostalgie für "die guten alten Zeiten" zu verfallen, als wir noch unfreier, ärmer, bescheidener und glücklicher waren. Gute Lösungsvorschläge bietet freilich auch er nicht: ein bisschen bewusster leben, ab und an innehalten, Alternativen ausprobieren, sich handy- und internetfreie Zeiten herausnehmen. Nicht wirklich neu. Aber vielleicht reicht das ja auch fürs Erste.

Besprochen von Catherine Newmark

Bas Kast: Ich weiß nicht, was ich wollen soll
Warum wir uns so schwer entscheiden können und wo das Glück zu finden ist
S. Fischer, Frankfurt am Main 2012
288 Seiten, 18,99 Euro