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Flucht aus Brandenburg - staatlich gefördert

Von Jens Rosbach

Allee in Brandenburg
Allee in Brandenburg (AP Archiv)

Brandenburg hat ein Strukturproblem: Immer mehr Menschen verlassen das ostdeutsche Bundesland und hinterlassen leere Dörfer. Wissenschaftler plädieren daher für einen Rückzug des Menschen aus den strukturschwachen Gebieten - und für den Einzug der Wildtiere.

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung schlägt vor, nicht weiter allein auf Zuwanderung und Neuansiedlung zu setzen. Stattdessen sollte man in einzelnen dünn besiedelten Regionen Brandenburgs die Abwanderung fördern, so Institutschef Reiner Klingholz.

"Für diese Regionen, in denen es heute schon relativ schwierig ist zu leben, wo Familien einen Schulweg haben von einer Stunde und mehr, wo ältere Menschen es schwer haben einen Arzt zu finden oder mal ins Krankenhaus zu kommen, da haben wir vorgeschlagen, sollte man den Menschen anbieten, wenn sie es wollen, dass man ihnen die Umsiedlung in Regionen mit einem besseren an eine Infrastruktur erleichtert."

Die Regionalforscher plädieren für staatliche Umsiedlungshilfen: Abwanderungswilligen sollte man bei der Wohnungssuche helfen oder Prämien für einen Wegzug zahlen. Den Wissenschaftlern zufolge würden die entvölkerten Gebiete Brandenburgs auf diese Weise zu einem "Naturerlebnis Wildnis" werden.

Klingholz: "Wir kennen das ja aus der Alpenregion, aus der Schweiz, aus Italien. Dort, in den Alpentälern, zieht sich die Bevölkerung ähnlich zurück, wie in den neuen Bundesländern. Und genau dort sind massiv diese Tiere, die früher da auch gelebt haben - Luchse, Wölfe, aber auch Bären - zurückgekommen. Und ich glaube, das ist auch für den Naturschutz eine große Bereicherung, wenn diese großen, wild lebenden Säugetiere nach Mitteleuropa zurück kehren."

Im Brandenburger Landtag sorgen die unkonventionellen Vorschläge für Empörung. Sowohl die rot-schwarze Regierungsfraktion als auch die linke Opposition hält nichts davon, ganze Landstriche "aufzugeben". Laut dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist die Aufregung aber nur gespielt. Das Land habe bislang einzelne Regionen gefördert und andere vernachlässigt, analysieren die Fachleute. Die dünn besiedelten Gebiete seien von der Politik längst aufgegeben worden.



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