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Fazit

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Der Künstler Imi Knoebel 2014 vor seinen Werken "Aliaaa" (l, 2002) und "Ich Nicht X" (2006) in der Ausstellung "Imi Knoebel. Werke 1966-2014" im Kunstmuseum in Wolfsburg.

Der Beuys-Schüler Imi Knoebel gehört zu den wichtigsten Vertretern der Minimal Art in Deutschland. Zum 75. Geburtstag des Künstlers zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg eine umfassende Werkschau, inszeniert von Imi Knoebel selbst. Mehr

TheaterDas ist der Mensch!
Die "Woyzeck"-Inszenierung am Münchner Volkstheater ist ein Wagnis.

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.06.2012

Flop zum Finale

"Theaterformen" Braunschweig endet mit Ivica Buljans missglückter Interpretation von "Yellow Line"

Von Michael Laages

Szene aus "Yellow Line" mit Tobias Beyer und Nina Violic
Szene aus "Yellow Line" mit Tobias Beyer und Nina Violic (Mara Bratos)

"Theaterformen" als Spielwiese für neue Spielweisen. Auf dem 13. internationalem Theatertreffen in Braunschweig blieben sich Kunst und Kundschaft zuweilen völlig fremd. Nicht nur Linien, sondern Gräben zwischen Text, Regie, Publikum und Kritik gab es auch zum Finale der charmanten "Theaterformen".

Schlicht zu bedauern war das Festival-Team, das sich da gerade elf Tage lang - und diesmal wieder in Braunschweig - um "Theaterformen" bemüht hatte. Das kleine und sehr besondere Treffen internationaler Theatermacher kommt so konzentriert wie zielstrebig (und mal mit mehr, mal mit weniger Glück) der glücklicherweise recht klar definierten Aufgabe nach, extrem unterschiedliche Spielarten des theatralischen Ausdrucks zu präsentieren.

Eher selten geht es dabei um "Stücke" im konventionelleren Sinne – aber ausgerechnet die kroatischen Partner des gastgebenden Staatstheaters, durch Unterstützung des "Wanderlust"-Fonds der Bundeskulturstiftung mit Braunschweig verbandelt, bescherten dem Festival gleich zwei wirklich fundamentale Missverständnisse, und das schlimmste zum Schluss: Regisseur Ivica Buljan fand mit dem Ensemble des "z/k/m"-Theaters aus Zagreb überhaupt keinen Zugang für "Yellow Line", die Auftragsarbeit von Juli Zeh und Charlotte Roos. Schlimmer noch – die Inszenierung sah so aus, als habe Buljan sich darum auch gar nicht bemüht.

Immerhin fällt im Stück eine Kuh vom Himmel. Was vor fünfzehn Jahren einem japanischen Fischer im Ochotskischen Meer wohl tatsächlich geschah, bricht hier über einen Ägypter herein, dessen Boot gerade das Mittelmeer zu queren versucht. Von Europas pingeligen Grenzkontrolleuren wird er bestenfalls als Wirtschaftsflüchtling, schlimmstenfalls als Terrorist verdächtigt, während er immer nur nach einem gewissen Herrn Mubarak fragt, der mit im Boot gewesen sein soll.

Um den echten Ex-Staatschef geht es aber nicht – Zeh und Roos wollen vielmehr die Geschichte der Kuh erzählen und wie sie in das Flugzeug kam, aus dem heraus sie Herrn Asch-Schamich, so heißt der Ägypter, ins Boot fiel.

Paul ist schuld daran – der ist ein Zivilisationsflüchtling der grundsätzlicheren Sorte, der das eigene Leben Schritt für Schritt mehr und mehr reglementiert sieht und darum zum Beispiel keine "Yellow Line", keine gelbe Linie mehr akzeptiert, Sicherheitsabstand hin, Privatsphäre her. Auf der Flucht vor der Welt, wie sie ist, und nach vergeblichen Versuchen öffentlicher Provokation kapert er dort, wo einst die heimische Idylle war, eine Kuh, um sie zeichensetzend nach Afrika hinüber zu fliegen. Das Flugzeug gerät in Stürme, und der Pilot schmeißt natürlich als erstes die Kuh raus … so weit, so sonderbar.

Zu sonderbar offenbar für Ivica Buljan – der lässt sich für nicht eine Minute in fast zwei Stunden auf die Motive von Zeh und Roos ein und bricht stattdessen eine Art Pop-Show vom Zaun; getreu der Strategie, dass, was nicht verstanden werden kann oder soll, wenigstens gesungen werden muss. Alle Ensemblemitglieder aus Zagreb (und Tobias Beyer als Braunschweiger Ensemble-Alibi für die "Kooperation") sind auch musikalisch tätig und schrammeln mehr schlecht als recht auf den Instrumenten herum; die Katzenmusik, die dabei entsteht, war sicher selbst in Kroatien schon vor längerer Zeit mal modern.

Zudem beginnt das szenische Gewurschtel dieser Show mit Kuh auf einer Kunst-Auktion, wo moderne Meister die eigenen Werke zu Gunsten all der Profi-Profiteure versteigern, die die arabischen Aufstände finanziert haben … das hätte eine schöne grobe Polemik werden können.

Aber auch die hat Buljan wohl nicht wirklich interessiert. Was aber dann? Nur die Fördergelder aus dem deutschen Fond "Wanderlust"? Die Ergebnisse ihres "Pioniere"-Programms sollten die Braunschweiger dringend evaluieren – denn auch Ivana Sajkos Text "Landscape with the Fall", zur Festival-Eröffnung inszeniert (und vor sich selbst gerettet!) von der Braunschweiger Haus-Regisseurin Daniela Löffner, war ja nicht eben ein Glücksfall.

Gleich zwei Mal also kam keine Übereinkunft zwischen Text und Regie zustande – wie gut also, dass das "Theaterformen"-Festival eigentlich etwas ganz anderes will: Spielweisen zeigen, wie sie vielleicht noch nie und nirgends zu sehen waren. Auch da war die Bilanz der 13. Ausgabe eher durchwachsen – Highlights waren "Freetown", die von der freien Gruppe "Dood Paard" grandios selbstquälerisch zwischen lauter leeren Dosen zelebrierte Gardinenpredigt dreier niederländischer Touristinnen, die an den Stränden der ärmsten Länder Afrikas schnelle Erotik suchen und sich dabei noch immer für die Gutmenschen aus der reichen Welt halten.

Oder "Springville", eine stumme und sehr finster-komische Performance von Miet Warlop, in der Menschen zu Maschinchen mutieren und eins nach dem anderen quasi "explodiert", bevor sich auch ihr Haus in Nichts und Rauch auflöst. Schwer enttäuschend geriet dagegen die äußerst mürbe Geschichtenerzählerei in der neuen Produktion von "Forced Entertainment".Da stürmt gar nichts in "The Coming Storm", und das Ensemble lebt zunehmend von der Legende.

Auch "Rimini Protokoll" scheint mit der Braunschweiger Reprise des "100 Prozent"-Formats gerade nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein.
Mal saß das Braunschweiger Publikum in einem Schaufenster und sah der nicht sehr aufregenden Echtes-Leben-Imitation von Natascha Rajkovic und Bobo Jelzic zu, mal blieb es eher ratlos vor Erinnerungen an mexikanische Revolten im Puppenspiel-Format und vor unausgegorenen Publikumsbeschimpfungen aus Slowenien – es gehört aber durchaus zum Charme der "Theaterformen", dass sich Kunst und Kundschaft zuweilen völlig fremd bleiben dürfen: bitte bloß kein Mainstream!

Derweil hatte Christoph Marthaler mit der Basler Produktion "Meine faire Dame" (wie zur Premiere ja auch hier zu lesen war) an frühe Glücksmomente angeknüpft; auch Braunschweig profitierte davon. Wie sich Hannover und jetzt Braunschweig jeweils grundsätzlich für ein paar Tage mittendrin fühlen dürfen im Labor des neueren Theaters – beispielhaft für ein regionales Festival, werden "Theaterformen" so immer wieder zum Ereignis.

Julie Zeh und Charlotte Roos: "Yellow Line"
Aufführung am Staatstheater Braunschweig
Regie: Ivica Buljan

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Theaterformen