Seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt
 
 

Länderreport / Archiv | Beitrag vom 03.11.2006

Flirt mit der Quantenphysik

In Hamburger Bibliotheken wird gelernt ... und auch geflirtet

Von Sabine Eichhorst

Besucherin einer Bibliothek (AP)
Besucherin einer Bibliothek (AP)

Der staubige Geruch alter Bücher ist es nicht. Auch nicht sein Interesse an Wissenschaft und Forschung. Wenn Tom in die Unibibliothek geht, dann weil er einen Partner zum Joggen sucht. Oder die Liebe seines Lebens. Bibliotheken sind Orte der Begegnung, ihre Nutzer jung, klug und gebildet.

Es kommen etwa gleich viele Männer und Frauen. Wäre doch gelacht, wenn man da nicht den einen oder anderen anregenden Zeitgenossen träfe! In der Abteilung Neuere Geschichte beispielsweise oder zwischen den Nachschlagewerken zur Quantenphysik... Bibliotheken mögen Orte der Ruhe, der Recherche, der Besinnung sein - vor allem aber sind sie Kontaktbörsen!

Sie kommen einzeln, die meisten; nur wenige betreten das Foyer zu zweit. Sie gehen hinüber zu den Garderoben, ziehen ihre Jacken aus, schließen Mäntel und Taschen in einen Spind. Mappen, Hefte, Ordner unterm Arm steigen sie die Treppen hinauf.

Sie laufen an den hohen Regalen der Lehrbuchsammlung, der Nachschlagewerke, Zeitschriften und Wörterbücher entlang, bis sie in den hinteren Teil des Lesesaals gelangen. An Tischen lassen sie sich nieder, streuen Bleistifte und Leuchtstifte, Tabellen und Taschenrechner, Zettel, Radiergummis, Müsliriegel und Kinderschokolade um sich. Ziehen den Reißverschluss einer Strickjacke auf, stellen eine Literflasche Mineralwasser vor sich hin; trinken und schrauben die Flasche wieder zu. Streichen sich das Haar aus dem Gesicht, streichen über das leere Blatt Papier. Stehen auf und gehen zur Buchausgabe.

Mann: "Dadurch, dass die meisten zum Lernen hier sind, wollen die meisten auch ihre Ruhe haben. Ich selber komme auch nur zum Lernen her."

Eine hoch gewachsene Brünette kehrt mit einem Bücherstapel zurück. Katalog der fossilen Dinoflagelaten, Evolution der Organismen, Oberrheinischer Fossilkatalog. Sie blättert, liest, markiert, schreibt ab. Sie alle lesen, exzerpieren, markieren, kopieren. Stützen Köpfe in Hände, bohren in der Nase, denken nach. Ab und zu ein Blick nach rechts. Ein Blick nach links.

Frau: "Wenn man es darauf anlegen würde, würde es bestimmt gehen, da jemanden kennen zu lernen. Gleiches Alter, gleiche Interessen..."

Männer: "Leute kennen lernen? Wenn eine Hausarbeit geschrieben wird auf jeden Fall! Da kommt man leicht ins Gespräch - was hast du denn da? - Flirtbörse könnte man das nennen."

Eine grazile Blonde sucht einen freien Tisch. Jura, offensichtlich, unterm Arm den Münchner Kommentar Band 7 Transportrecht §§ 407-457 (schätzungsweise sieben Zentimeter dick), GK-HGB Gemeinschaftskommentar zum Handelsgesetzbuch (zehn Zentimeter), Kommentar zum Vorruhestandsgesetz- Arbeitsteilzeitgesetz (15 Zentimeter!). Ein sehr schwarzhaariger Mann schaut von seiner Lektüre auf. Dann wieder Stille, Versunkenheit. Aufmerksamkeit gleichwohl. Die Blonde streicht eine Strähne aus dem Gesicht, der Schwarze fährt sich durchs kurze Haar.

Mann: "Man kann hier auch mal Frauen kennen lernen. Was soll ich erzählen? Dann stellst du ihr eine juristische Frage und man kommt ins Gespräch und wenn man sich gegenseitig sympathisch findet, läuft da auch ein bisschen was."

Hat er schon mal…? Nein, sagt der Student der Jurisprudenz. Kennen gelernt ja - aber nicht verliebt.

Überall Schilder: Psst - nicht reden! Keine Handys! Man hört das Geräusch von Kappen, die von Stiften gezogen werden. Hosennähte, die bei jedem Schritt aneinander reiben. Eine Bibliothek ist ein Ort der Stille - an dem sich Hunderte, Tausende begegnen. Ein Ort des Verweilens; der Körper ruht, nur der Geist bewegt sich, die Fantasie, die Imagination.

Mann: "Zurzeit ist Ramazan, da muss ich die Fantasie immer ein bisschen runterdrücken, weil sonst wird das nichts mit dem Fasten."

Zwei Männer: "Wir haben keine Zeit, Leute kennen zu lernen. - Nee, wenn wir hier sind, lernen wir die ganze Zeit. Wir gehen kurz Mittagessen und dann gehen wir wieder her und lernen weiter. Kennen lernen, das mache ich woanders. Da trinke ich auch gern mal ein Bier dazu, anstatt mir Thermodynamik anzugucken... - Wenn ich mir aber andere Studiengänge hier angucke, da ist das wohl eher andersrum. Es gibt Leute, die rennen nur hier durch die Gegend und unterhalten sich, anstatt was zu lernen. Die sind aber auch immer hier - weil sie wahrscheinlich öfter durchfallen. Fängt mit B an und hört mit WL auf."

Mann: "Ich bin fest vergeben, aber flirten - bin ich immer dabei. Kann ich auch ganz gut..."

Zwei Männer: "Ich sehe das nicht ganz so. Ich komme hierher, um zu arbeiten, und diese Flirtaktionen überlasse ich eher meinen südländischen Kommilitonen. Ich sitze da vor meinem Rechner und studiere die Bücher. - Ich glaub ihm nicht. Als Mann hat man hier gar keine Chance, die ganze Zeit sich zu konzentrieren. Vor allen Dingen im Sommer nicht, ehrlich, weil das ist dann zu übertrieben: Minirock, Ausschnitt bis zum Bauchnabel - da geht gar nichts mehr..."

Die Bibliothek - ein Ort der Inspiration. Des Flanierens, der Entdeckung. In der Staats- und Universitätsbibliothek geht es ruhiger zu. In der juristischen Bibliothek ein deutlich höherer Hormonspiegel. Konzentration auf Bücher überall, doch hier und da sind spürbar alle Antennen ausgefahren...

Zwei Frauen: "Man lernt unglaublich viele Leute kennen, mit denen man sich privat trifft. Einfach dadurch, dass man sich viel mit denen unterhält, zusammen Mittag essen geht und so. - Vor allem: Man sitzt in der Gruppe, diskutiert Sachen, es ist lustig, man wird sich sympathisch, man geht zusammen Mittagessen und irgendwann wird daraus mal ein DVD-Abend… - ja, doch, schon."

Zwei hübsche, hoch gewachsene, norddeutsch-blonde Elevinnen, strahlend, einnehmend… Wird aus dem Flirt auch Liebe?

Zwei Frauen: "Doch, wir kennen jemanden, der hat hier seine Freundin kennen gelernt: Fabian. - Stimmt. - Ja, die saßen nebeneinander, haben Hausarbeit geschrieben, und sie hatte dann ein Frage und er hat die beantwortet, und so kamen sie ins Gespräch."

Im Katalogsaal drei Frauen, eine schüchtern, verhalten, die anderen beiden offen, interessiert, zugewandt:

Frau: "Wir haben uns ja auch besser kennen gelernt, weil wir hier immer zusammen lernen, gemeinsam. Von daher ist es vielleicht auch ein bisschen Kontaktbörse..."

Zwei Männer: "Die wollten mich kennen lernen, aber ich wollte die nicht kennen lernen! - Ich denke, das hängt auch ein Stück vom Studium selber ab. Geisteswissenschaftler müssen unter Umständen weniger lernen als Leute, die Medizin oder Jura studieren. Da hat man’s nichts so mit dem Kennen lernen. Da lernt man lieber seine Bücher besser kennen. Wenn man die Zeit hätte, würde man sicherlich auch auf den einen oder anderen näher eingehen, aber ich habe persönlich wenig Zeit für so was."

Eine Frau, das Haar raspelkurz, liest Allgemeine psychoanalytische Neurosenlehre; auf ihrem T-Shirt steht in roten Lettern DENKEN HILFT. Eine andere Frau - Mandelaugen, schwarzer Zopf – sitzt mit einem Medizinbuch und untergeschlagenen Beinen wie Buddha auf ihrem Stuhl - und mindestens ebenso versunken. Ein Mann lacht seinen Bildschirm an, scrollt durch eine Reihe von Zeichnungen alter Kirchtürme. Ein zuckersüßes Mädchen setzt sich an einen freien PC. Kurze Zeit später sitzt neben ihr ein Junge, hübsch und glatt wie ein Vorabendserienschauspieler. Beide tippen. Keine Blicke. Sie wartet, während der Computer hochfährt. Er schlägt etwas nach. Sie packt ihr Handy aus. Er packt sein Handy aus. Sie ruft einen Stadtplan auf, er ruft eine Kinoseite auf. Sie kaut auf ihrem Stift. Er tippt etwas in sein Handy. Sie steht auf und geht. Er sieht ihr kurz hinterher.
Die Uhr im Saal zeigt viertel vor drei.

Frau: "Man muss halt offen sein. Aber wenn man behaftet ist, negativ aufzufallen oder ‘ne Absage zu bekommen, das hemmt natürlich. Und den Mut haben wahrscheinlich nicht viele. Oder auch Desinteresse, das kann natürlich auch sein. Jeder macht sein Ding und gut ist. Ist schwierig, finde ich..."

Das Bistro im Erdgeschoss. Dunkel, die Luft satt von Stimmen, kein Sprechverbot. Ein Mann, rechts, liest Erfolgreiches Webdesign, trinkt Latte Macciato. Ein anderer Mann, links, Typ Schöngeist, mit Hornbrille und gewinnendem Lächeln. Hat er schon mal jemanden... in einer Bibliothek?

Mann: "Doch, durchaus, ja. Man kann sich ja zum Beispiel vor dem Regal treffen und zufällig für dasselbe Buch interessieren oder für ähnliche Literatur und spricht dann die Person an, ohne dass primär der Hintergedanke vorherrschend war, da den Kontakt herzustellen. So, dass sich wirklich zufällig was ergibt."

Zwei Frauen: "Bei manchen Juristen denkt man, die wollen auf Party. Aber eigentlich will man was lernen. Aber dadurch, dass man gleiche Themen hat, tauscht man sich aus: ‘tschuldigung, darf ich mal was fragen oder: was sagst du dazu?"

Mann: "In dem Moment loslaufen, wo auch die entsprechende Person losläuft! Also wenn da schon eine richtige Verliebtheit vorliegt, dann ist man wohl ohnehin gar nicht fähig, die Konzentration auf das eigentliche Geschäft aufrechtzuerhalten und dann macht es auch nichts aus, etwas länger zu warten, bis die Person sich in Bewegung setzt. Sonst könnte man ja auch mit kleinen Zettelchen operieren, die man sich zuschiebt - also so stark wird ja dieses Stillegebot auch nicht eingehalten, selbst im Handschriften-Lesesaal nicht. Da gibt’s ja zum Beispiel auch Anfragen, die man ans Bibliothekenpersonal richtet, und die stören ja auch die absolute Stille."

Zwei Frauen: "Aber dass daraus mehr wird... - Man tauscht ja noch nicht mal Namen aus. Man redet kurz und geht dann wieder. - Später grüßt man sich vielleicht noch, und irgendwann kennt man sich dann auch nicht mehr. Zumindest die Juristen! Sehr arrogant.”"

Chef: ""Das ist so ein meeting-point, diese Bibliothek. Wir sind allerdings eine Bibliothek und kein Kommunikationszentrum."

Sagt der Chef der Bibliothek.

Chef: "Das ist ja auch schön, wenn sich solch ein Kommunikationsbedürfnis entwickelt, nur befriedigen sollte man dieses Bedürfnis außerhalb der Bibliothek, nicht in der Bibliothek. Wir haben 1000 Leseplätze hier, und das kann nur funktionieren, wenn sich jeder diszipliniert verhält, sonst stört er nämlich die Arbeitsmöglichkeiten der anderen."

Und die Mitarbeiter...

Mitarbeiterin: "Naja: Flüstern. Und es findet sich immer etwas, wo ein Wille ist, ist ein Weg. Findet sich schon was.”"

Mann: ""Das tut man einfach. In ruhigeren Ecken oder mit dem Nachbarn mal kurz einen Smalltalk halten - das geht."

Chef: "Man soll denken. Und nicht reden."

Im Lesesaal schreibt eine Frau eine SMS.

Mitarbeiterin: "Dann wird erstmal unten abgecheckt: die Telefonnummern. Und dann brummt das Handy, obwohl es aus sein soll. Tja und dann... - gehen sie raus. Das kriege ich schon mit, wie sich das hier vorne dann sammelt."

Mitarbeiterin: "Handys - die sind absolut verboten! Man kann natürlich keine Leibesvisitation machen - sie müssen sie aber ausstellen. Das tun sie leider auch nicht immer. Selbst wenn sie nur vibrieren in der Hosentasche, stört es, weil die Leute dann aufspringen."

Mann: "Tja: muss man sich was einfallen lassen, muss kreativ sein! So wie man das auch macht, wenn man auf ‘ner Party ist, am Wochenende. Und dann muss man hoffen, dass man erfolgreich ist!"

Und… - war er schon erfolgreich? Hat er Herzen gebrochen zwischen Mittelhochdeutsch und Quantenphysik. Der kreative Studiosus zuckt mit den Schultern. Heißt wohl eher: nein…

Mann: "Ich habe jetzt keine Masche, ich will auch nicht blöd anmachen, sondern: man kommt einfach ins Gespräch, wenn man ‘ne Hausarbeit schreibt. Man sitzt an einem Tisch, nebeneinander, gegenüber sitzen welche und dann fragt man, was der da hat und dann kommt man ins Gespräch."

Ja… - und dann?

Mann: "Am ersten Tag läuft dann wahrscheinlich noch nichts. Aber dann sieht man sich wieder, sagt Hallo, kommt ins Gespräch, fragt: was hast du am Wochenende gemacht? Und dann könnte man ja irgendwann die Nummern austauschen, wenn es geht..."

Mann: "Ich selbst habe noch nicht ein Mädchen kennen gelernt, das ich noch nicht kannte… - also so hat es bei mir auch noch nicht geklappt. Aber mal sehen… Vielleicht in der Zukunft!"

Blondinen in Pumps oder Turnschuhen; Sonnyboys, braun gebrannt; sinnliche Schönheiten mit wiegendem Gang und wogenden Locken; athletische Kerle mit kantigen Gesichtern und Polohemden; schlaksige Typen und Siegelringträger; Mädchen mit Perlenketten und Hippies mit Rübezahlbärten und Baseballkappen. Europäer, Asiaten, Afrikaner. Kluge Menschen, alle. Was für Möglichkeiten! Und trotzdem… - die Suche nach Mr. und Mrs. Right bleibt seltsam in der Schwebe. Wenig Handfestes. Viel Flirt, wenig Liebe?

Zwei Männer: "Leider noch nicht hier gefunden, die Liebe des Lebens. Ich suche immer nur nach Schiller. Und Goethe. - Aber ich bin ja erst im dritten Semester. Das kommt vielleicht noch!"

Mann: "Ah, das ist, glaube ich, sehr schwierig hier zu finden. Diese Kontaktschwelle zu übertreten ist durch das Lernen nicht möglich."

Frau: "Ich weiß, dass es einige gibt. Es ist nicht so außergewöhnlich, dass sich hier auch Paare finden. Es gibt ja um die Bibliothek herum auch noch die AGs, Seminare, Veranstaltungen, wo man dann ja auch mal private AGs bildet, wo man dann sagen könnte: darüber findet man sich…"

Frau: "Nee, das sind dann doch eher kurze Sachen."

Das sind doch eher kurze Sachen, sagt eine Frau, die aussieht, als wäre sie bereits erfolgreiche Anwältin - Kostüm, Perlenkette, Pumps, Pokerface -, und wahrscheinlich findet sie die Liebe ihres Lebens im Yachtclub.
Im Lesesaal ein Student, eingeschlafen vor seinem Laptop, der Kopf ruht auf Strafrecht Besonderer Teil 2. Niemand beachtet ihn. Auch nicht, als er aufwacht, leise stöhnt, verschlafen guckt, im Gesicht rote Streifen und den Abdruck vom Strickmuster seines Pulloverärmels. Intimität, in gedämpfter Stille. Im Foyer der Bibliothek der Rechtswissenschaft schaut unterdessen ein heißblütiger Schwarzhaariger mitleidig auf seinen blassblonden Kommilitonen herab, der versichert, nur zum Lernen in die Bibliothek zu gehen. Der Feurige glaubt dem Blassen kein Wort. Hat er, zwischen Allgemeinem Prozessrecht und Internationalem Privatrecht, schon die Liebe gefunden…?

"Ich würde sagen: ja. Aus meinem Semester…"

Ja… - Glückwunsch! Ist es fürs Leben?

"Das ist privat. Das ist Sonja übrigens... auch eine gute Freundin von mir…"

Später Nachmittag. Ein Mann trinkt Kaffee im Bistro. Sitzt an einem der langen Tische, in beiläufiger Nähe eine Frau - blondes Haar, locker hochgesteckt, Brille. Sie liest. Er interessiert sich für ihre Lektüre, rutscht näher. So lange, bis beide einander gegenüber sitzen. Eine kleine, etwas mollige Schwarzhaarige kommt, wiegender Gang, Augen wie Glut. Mit einem Blick sondiert sie die Lage. Kauft eine Limonade und geht wieder. Ein cooler Typ - Jeans, Trainingsjacke, kantiges Gesicht - setzt sich ebenfalls an den langen Tisch; in gebührendem Abstand. Der Kaffeetrinker hört der blonden Frau zu, lächelt; mustert ab und zu den Typen neben sich. Dann kommt ein rothaariges Mädchen, winkt, und der Coole wirkt plötzlich weniger cool. Der Mann sieht die Frau sehr intensiv an.

Frau: "Ich hatte hier einen Zettel liegen, einen Schmierzettel, wo was zu Afghanistan drauf stand. Und so kamen wir über dieses Thema ins Gespräch. Wir haben uns, glaube ich, knapp ‘ne Stunde unterhalten. Und wir wissen, dass wir uns auf jeden Fall hier noch mal sehen..."

Sie haben sich nicht verabredet. Ist nicht nötig.

Frau: "Die meisten, die hier sitzen, sind im Examen und die sind dann jeden Tag hier. Und von daher kann man wetten, dass man zum Mittag oder zur Kaffeezeit immer jemanden hier trifft."

Mann: "Ich würde sagen, manche sehen das hier als ‘nen Laufsteg, ehrlich gesagt."

Er? Will lernen. Nichts gegen einen Flirt, aber Mrs. Right? Sucht er woanders. Sagt’s und verschwindet im Lesesaal.

Am Ende des Tages holen sie ihre Jacken, Taschen, Mäntel. Gehen, manche einzeln, einige zu zweit, nach Hause. Am Eingang küsst sich ein Pärchen.
Viele werden wiederkommen, am nächsten Tag, am übernächsten - und wer weiß... vielleicht irgendwann... eventuell… Viel Flirt und Gebalz zwischen Mittelhochdeutsch und Quantenphysik. Doch die große Liebe will Sehnen, Verlangen, Geduld und Beharrlichkeit… Auch in einer Bibliothek.
Fabian, von dem die hübschen, hoch gewachsenen, norddeutsch-blonden Elevinnen erzählten, lebt übrigens inzwischen in München. Mit der Liebe seines Lebens aus dem Lesesaal… - ist er nicht mehr zusammen.

Länderreport

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur