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Ultraschall / Archiv | Beitrag vom 17.12.2013

Festival für neue MusikUltraschall Berlin 2014

Veranstaltet von Deutschlandradio Kultur und dem kulturradio vom rbb

Ein Kontrabass liegt am 19.04.2013 auf dem Marktplatz in Sontra (Hessen) in der Sonne und wartet auf seinen Einsatz bei einer Veranstaltung. (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)
Neue Musik - präsentiert von Deutschlandradio Kultur und kulturradio (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)

Ultraschall Berlin. Mit diesem leicht veränderten Titel geht das Festival für neue Musik, veranstaltet vom kulturradio vom rbb und Deutschlandradio Kultur, ab diesem Jahr an den Start.

Eine neue Optik von kühler Eleganz und eine neue Homepage unterstreichen den neuen Auftritt. Die wichtigste Veränderung, die wir 15 Jahre nach der Gründung des Festivals vorgenommen haben, ist neben einem personellen Wechsel auf Seiten des rbb die Verdichtung auf fünf Tage. Inhalte und Schwerpunkte vermitteln sich, so hoffen wir, auf diese Weise noch prägnanter; es wird leichter möglich, unmittelbare Verbindungen und Vergleiche zu ziehen. Und unseren zahlreichen überregionalen Besuchern erleichtern wir damit den Besuch des Festivals.

Mehr denn je präsentiert sich Ultraschall Berlin als ein Ganzes. Geblieben ist das Anliegen, die musikalische Kunst der Gegenwart in verschiedensten Facetten erlebbar zu machen und diese zueinander in Beziehung zu setzen. Ultraschall Berlin versteht sich dabei einerseits als ein Forum des Neuen, seien es Uraufführungen, neue Tendenzen, neue künstlerische Konstellationen. Darüber hinaus bietet das Festival aber auch eine historische Perspektive auf Wiederentdeckungen, deren Relevanz in einem neuen, gegenwärtigen Spannungsfeld neu beleuchtet wird. Die Avantgarde von heute und Klassiker der Moderne stehen bei uns in einem sich gegenseitig befruchtenden Austausch. Und dieser Kontext stiftet Erkenntnis. Dabei geben, wie bisher schon, Musiker, die zu den besten Interpreten weltweit zählen, Gewähr für Aufführungen von höchster Qualität.

Deutschlandradio Kultur und kulturradio vom rbb sind die beiden Partner, die Ultraschall Berlin gemeinsam ausrichten. Von dieser Grundkonstellation ausgehend, thematisieren wir in diesem Jahr nicht zuletzt den Duogedanken, der sich als roter Faden und auf ganz unterschiedliche Weise durch die Programme zieht. Das GrauSchumacher Piano Duo, eines der besten Klavierduos weltweit, beweist, wie zwei Musiker über viele Jahre zu einer fast schon unauflöslichen Einheit verschmelzen. Aber auch Kontrabass und Zither gehen einen ebenso reizvollen wie fragilen Dialog als eines von verschiedenen Saitenduos ein. Die Sopranistin Claudia Barainsky und der Liedpianist Axel Bauni sind seit vielen Jahren ein außergewöhnliches Lied-Duo. Es gibt mehrere Doppelkonzerte, von denen eines bezeichnenderweise Janus heißt. Beim europäischen Netzwerkprojekt „New Forum Jeune Création“, das mit sechs Uraufführungen bei Ultraschall Berlin seinen Abschluss findet, haben sich jeweils zwei Komponisten mit einem der drei Ensembles zusammengetan. Das sind nur einige der Duo-Spuren, die sich in diesem Jahr bei Ultraschall Berlin verfolgen lassen.

Dazu gehören auch die beiden Orchester der roc berlin, die auch in Zukunft wichtige Eckpfeiler des Festivals bilden. Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin spielt das Eröffnungs- und Abschlusskonzert. Als renommierte Dirigenten konnten Heinz Holliger und Lothar Zagrosek gewonnen werden. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin ist unter der Leitung von Johannes Kalitzke vertreten.

Seit vielen Jahren verbindet uns eine intensive Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, einem der herausragenden Stipendien-Programme im Bereich der Neuen Musik. Auch diese Kooperation findet natürlich ihre Fortsetzung. In diesem Jahr richtet sich der Fokus auf zwei Komponisten aus Nordeuropa: auf die schwedische Komponistin Malin Bång, der ein Porträtkonzert gewidmet ist, und den norwegischen Komponisten Øyvind Torvund. Darüber hinaus sind aber auch in diesem Jahr wieder etliche der ehemaligen Gäste des BKP im Programm vertreten.

Die Konzerte werden ergänzt durch zahlreiche Vermittlungsprojekte. Komponistengespräche, Einführungen und Schülerprojekte sollen das Verständnis für die zeitgenössische Musik verbessern.

Die Verdichtung des Festivals bedeutet gleichzeitig eine Konzentration auf drei Spielstätten. Neben den vertrauten Adressen Radialsystem V und Großer Sendesaal des rbb ist Ultraschall Berlin zum ersten Mal mit zwei Abenden im HAU Hebbel am Ufer zu Gast.

Ein Festival, zwei Sender und eine Fülle musikalischer Entdeckungen.
Wir freuen uns auf Sie!

Andreas Göbel (kulturradio vom rbb)
Rainer Pöllmann (Deutschlandradio Kultur)

Ausführliche Informationen zum Festival, dem Programm und den beteiligten Künstlern finden Sie ab Anfang Januar auch auf unserer neuen Festival-Homepage:
www.ultraschallberlin.de

Freitag, 17.01.2014, 20.00 Uhr

Berghain

Prolog

Art’s Birthday 2014
1.000.051 Jahre Kunst

1963 datierte der Fluxuskünstler Robert Filliou die Geburtsstunde der Kunst auf den 17. Januar „vor einer Million Jahren“. Zum 1 000 051. Art’s Birthday präsentiert die Klangkunst-Redaktion von Deutschlandradio Kultur zwei neue Hörstücke aus Skandinavien und schlägt damit einen Bogen zu einem der Schwerpunkte von Ultraschall Berlin: Hanna Hartman inszeniert einen akustischen Boxkampf und Jana Winderen belauscht die Kommunikation von Säugetieren via Ultraschall. Abgerundet wird der Abend durch eine Licht-/Klangperformance des kanadischen Audiokünstlers Nicolas Bernier.

Hanna Hartman
The Lost Lines (Turgor)
Deutsche Erstaufführung

Hanna Hartman
Black Bat (Turgor) (2014)
a study of smashes – and maybe some splashes ...
Uraufführung

Alexandre Babel, Schlagzeug
Theo Nabicht, Kontrabassklarinette
Hanna Hartman, Elektronik

Jana Winderen
Out of Range (2014)
Uraufführung

Jana Winderen, Elektronik

Nicolas Bernier
frequencies (synthetic variations) (2013)

Nicolas Bernier, Elektronik

Eine Veranstaltung von Deutschlandradio Kultur, Redaktion Hörspiel/Klangkunst, Berghain und EBU Ars Acustica Group. ´


Mittwoch, 22.01.2014, 20.00 Uhr
Haus des Rundfunks, Großer Sendesaal

Zwei Seiten einer Medaille vereint Heinz Holliger in seinem Doppelkonzert Janus – und gibt damit auch einen Kommentar zu seiner eigenen Künstlerpersönlichkeit als Komponist und Musiker. In beiden Funktionen ist er auch bei Ultraschall Berlin zu erleben. Genauso wie Jörg Widmann, dessen aphoristische Bruchstücke, fünf Duos für Klarinette und Klavier, beide Künstlerkomponisten interpretieren. Jörg Widmann wiederum wird als Solist in Elliott Carters Klarinettenkonzert zu erleben sein. Dieses vereint in sich Altersweisheit und jugendliche Energie, aber auch einen freien Umgang mit einer klassischen Form. Auch Klaus Hubers Tenebrae haben ein Doppelgesicht als eine Passion mit instrumentalen Mitteln und eine einsätzige Sinfonie.

Jörg Widmann
5 Bruchstücke (1997)
für Klarinette und Klavier

Elliott Carter
Clarinet Concerto (1996)

Heinz Holliger
Janus (2011/2012)
Doppelkonzert für Violine, Viola und kleines Orchester

Klaus Huber
Tenebrae (1967)
für großes Orchester

Jörg Widmann, Klarinette
Thomas Zehetmair, Violine
Ruth Killius, Viola
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Klavier und Leitung: Heinz Holliger


Donnerstag, 23.01.2014, 19.00 Uhr
HAU Hebbel-am-Ufer (HAU 2)

New Forum Jeune Création

„New Forum Jeune Création“ – das sind drei renommierte Ensembles für neue Musik aus drei europäischen Ländern, angeschlossen drei elektronische Studios sowie sechs junge Komponisten, die nach einem internationalen Wettbewerb die Chance bekamen, drei Jahre lang kontinuierlich und intensiv mit Ensembles und Studios zu arbeiten und neue Stücke zu schreiben. Bei Ultraschall Berlin kommen die Werke zur Uraufführung. (Im Februar und März gibt es weitere Aufführungen in Antwerpen und Lyon.) Ästhetische Vielfalt war ausdrücklich erwünscht. So trifft lautstarker Noise auf asketisches Frickeln und Konzeptkunst auf feinziselierte Partituren. Ein dreiteiliges Konzert mit nicht weniger als sechs Uraufführungen. In den Pausen gibt es Gespräche mit Komponisten, Musikern und Dramaturgen zum Projekt.

Aurelio Edler‐Copes
Contre les Murs (2014)
für Ensemble und Elektronik
Uraufführung

Eduardo Moguillansky
doppelspalt (2014)
für Ensemble und Elektronik
Uraufführung

ensemble mosaik
Leitung: Eduardo Moguillansky

Johannes Kreidler
Slide show music (2014)
für sieben Instrumente, Audio- und Videoplayback
Uraufführung

Hikari Kiyama
Kojiki (2014)
für Ensemble, Elektronik und Video
Uraufführung

ChampdAction
Leitung: Serge Verstockt

Aurélien Dumont
Fables asséchées (2014)
für zehn Instrumente und Elektronik
Uraufführung

Christopher Trapani
Convergence Lines (2014)
für zehn Spieler und Live-Elektronik
Urauffführung

Ensemble Orchestral Contemporain
Leitung: Pierre-André Valade

Konzert von Grame, in Zusammenarbeit mit den beteiligten Institutionen und den Festivals Ultraschall Berlin und DeSingel Antwerpen, finanziert mit Unterstützung der Europäischen Kommission und Impuls neue Musik / Deutsch-französischer Fonds für zeitgenössische Musik. In Zusammenarbeit mit HAU Hebbel am Ufer.


Freitag, 24.01.2014, 19.00 Uhr
HAU Hebbel-am-Ufer (HAU 1)

Musikalische Avantgarde aus Norwegen

Seit seinem sensationellen Konzert mit Werken von Simon Steen-Andersen bei Ultraschall 2011, das seitdem bei vielen europäischen Festivals zu erleben war, ist das Ensemble asamisimasa aus Oslo auch hierzulande in aller Munde. Jetzt kommen sie wieder nach Berlin, mit einem aufregenden Programm unangepasster und exzentrischer norwegischer Komponisten, angesiedelt im Grenzbereich zwischen Theater und Konzert. Dazu gehören mit dem Theater-Musiker Trond Reinholdtsen, der seinen Schlagzeuger und das Publikum ins Inferno führt, mit Lars Petter Hagen und Øyvind Torvund, derzeit Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, wichtige norwegische Stimmen von heute. Von Bjørn Fongaard kommt auch ein historisches Stück aus den 1960er Jahren zur Aufführung. Ergänzt wird das Programm durch Komponisten aus Berlin und Schweden – womit dann auch ein Link zum zweiten Konzert des Abends entsteht.

Martin Schüttler
Selbstversuch, die Anderen (2012)
für verstärktes Ensemble, Rückkopplungen und Live-Elektronik

Lars Petter Hagen
seven studies in self-imposed tristesse (2004)
Elektroakustisches Werk für vier Kanäle
Deutsche Erstaufführung

Max Wainwright
Radio 1 (2013)
für sechs Instrumentalisten und drei Transmitter
Deutsche Erstaufführung

Bjørn Fongaard
Galaxy op. 46 (1966)
Uraufführung der Version für E-Gitarre und Zuspiel

Øyvind Torvund
Plastic Wave (2013)
für Klavier und Quartett
Deutsche Erstaufführung

Entr’acte
Trond Reinholdtsen
Inferno (2013)
für Schlagzeug und Video
Deutsche Erstaufführung

Ensemble asamisimasa:
Anders Førisdal, Gitarre
Tanja Orning, Violoncello
Håkon Stene, Schlagzeug
Kristine Tjøgersen, Klarinette
Ellen Ugelvik, Klavier

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD und HAU Hebbel-am-Ufer.

 

Freitag, 24.01.2014, 21.00 Uhr
HAU Hebbel-am-Ufer (HAU 2)

How long is now
Komponistenporträt Malin Bång

Die schwedische Komponistin Malin Bång sieht ihre Musik in enger Verbindung zum Alltag. Ein Jahr lang hat sie als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD die Stadt akustisch erkundet und durchforstet. Und auch das (Selbst-)Porträtkonzert mit den Curious Chamber Players aus Stockholm, das Bång mit befreundeten Musikern gegründet hat, kreist um die Idee von „urban situations“. Die Werke befassen sich mit bestimmten Orten in Berlin, die in einem Transformationsprozess begriffen sind. Objekte, die Bång an diesen Orten gefunden hat, und Aufnahmemomente urbaner Räume dienen als Referenzen in den Kompositionen, in denen Bång insbesondere den Parameter Zeit entwickelt. Die Architektin und Designerin Anna Kubelik verleiht diesen Räumen eine besondere Gestalt.

Structures of Molten Light (2012)
für Ensemble

Interlude: Berlin Objects

Purfling (2012)
für Violine und Elektronik

Interlude: Berlin Objects

Turbid Motion (2009)
für Ensembler

Interlude: Berlin Objects

Split Rudder (2011)
für Paetzold-Kontrabassblockflöte und Elektronik

Interlude: Berlin Objects

Neues Werk (2013)
für Klavier, Klarinette, Violoncello, Gitarre und vier Objekte
Uraufführung

Curious Chamber Players
Bühne: Anna Kubelik

Ein Konzert von Berliner Künstlerprogramm des DAAD und Ultraschall Berlin, in Zusammenarbeit mit HAU Hebbel am Ufer. CCP mit Unterstützung von Kulturrådet in Schweden.

 

Samstag, 25.01.2014, 15.00 Uhr
Radialsystem V

Wie verhalten sich junge Komponisten, wenn sie Musik für die Besetzung Klaviertrio schreiben, angesichts eines Giganten des 20. Jahrhunderts wie Présence, dem Ballet blanc von Bernd Alois Zimmermann? Parallelen und Gegensätze finden sich auf unterschiedlichsten Ebenen. Philipp Maintz teilt mit Zimmermann in tourbillon das Tänzerische, wenn er eine Musik schreibt, die „elegante Pirouetten dreht“. David Philip Hefti hat Lichter Hall als Gegenstück zu seinem ersten Klaviertrio konzipiert und setzt seinem ausgedehnten Erstling einen kompakten Kontrast entgegen, während Johannes Boris Borowski sein ebenfalls einsätziges Klaviertrio unter die Vortragsüberschrift „leicht und geheimnisvoll“ stellt. Ergänzt wird das Konzert mit dem extrem reduzierten Klavierstück sadness/untitled von Marko Nikodijevic und den manipulierten Klängen in QUASARE / PULSARE von Olga Neuwirth.

Olga Neuwirth
QUASARE / PULSARE (1995/96)
für Violine und Klavier

Johannes Boris Borowski
Klaviertrio (2013)
Deutsche Erstaufführung

Philipp Maintz
tourbillon (2008)
Musik für Violine, Violoncello und Klavier

Marko Nikodijevic
sadness/untitled (2000)
für Klavier

David Philip Hefti
Lichter Hall (2012)
Trio Nr. 2 für Violine, Violoncello und Klavier

Bernd Alois Zimmermann
Présence (1961)
Ballet blanc für Violine, Violoncello und Klavier

Boulanger Trio:
Karla Haltenwanger, Klavier
Birgit Erz, Violine
Ilona Kindt, Violoncello


Samstag, 25.01.2014, 17.00 Uhr
Radialsystem V

Saitenduos

Vier Kompositionen in drei verschiedenen Duobesetzungen, allein für Saiteninstrumente. In seinem Duo NAHT bezieht sich Philipp Maintz auf den chilenischen Schriftsteller Pablo Neruda, wenn er seinem Stück den Untertitel „ich erwarte von der Nacht keine Erklärungen“ gibt. Eine schon von der Besetzung her dunklere Klangmischung haben die beiden Duos für Viola und Kontrabass der norwegischen Komponisten Ruben Sverre Gjertsen und Jon Øyvind Ness. Einen akustischen Blick in eine Region außerhalb Europas wagt Leopold Hurt in Aggregat, das seinen Ursprung in einer Fassung für Basszither und chinesische Erhu hat.

Philipp Maintz
NAHT (yo no pido a la noche explicaciones) (1999/2000)
Musik für Violine und Violoncello

Ruben Sverre Gjertsen
Duo für Viola und Kontrabass (2007)

Jon Øyvind Ness
Gust (2006)
für Viola und Kontrabass

Leopold Hurt
Aggregat (2005)
für Violoncello, Basszither in Vierteltonstimmung und Elektronik

Ekkehard Windrich, Violine
Kirstin Maria Pientka, Viola
Cosima Gerhardt, Violoncello
Arnulf Ballhorn, Kontrabass
Leopold Hurt, Zither


Samstag, 25.01.2014, 19.00 Uhr
Radialsystem V

1961, im Alter von gerade einmal siebzehn Jahren, hat Peter Eötvös anlässlich des Geschichte gewordenen Raumfluges von Jurij Gagarin sein Klavierwerk Kosmos geschrieben. Fast vier Jahrzehnte später entstand die bis heute gültige Neufassung des Werks. Zwei Klassiker der Moderne sind die Werke von Steve Reich und György Ligeti. Steve Reich erkundet in PianoPhase exemplarisch das Prinzip der Phasenverschiebung, während György Ligeti im zweiten seiner 3 Stücke für zwei Klaviere unter anderem direkten Bezug auf Steve Reich nimmt. Einen ähnlichen Bezug, in diesem Fall zu dem bildenden Künstler Max Beckmann, stellt Steffen Schleiermacher in seinem Triptychon her, das durch eine Uraufführung des Komponisten ergänzt wird.

Steve Reich
PianoPhase (1967)

Steffen Schleiermacher
Triptychon – Hommage à Max Beckmann (2009)

Peter Eötvös
Kosmos (1961/1999)
Version für zwei Klaviere

Steffen Schleiermacher
Wund-Gestein. Hommage à Gerhard Altenbourg (2013)
Uraufführung

György Ligeti
Monument – Selbstporträt – Bewegung (1976)
Drei Stücke für zwei Klaviere

GrauSchumacher Piano Duo:
Andreas Grau, Klavier
Götz Schumacher, Klavier


Samstag, 25.01.2014, 21.30 Uhr
Radialsystem V

Bis heute widmen sich Komponisten dem klassischen Liederzyklus. Claudia Barainsky, eine der besten Interpretinnen im Bereich des zeitgenössischen Liedes, präsentiert in ihrem Rezital einige aktuelle Beispiele. In seinen Engel-Liedern thematisiert Jan Müller-Wieland die Symbiose einer Beziehung zwischen einem Komponisten und einer Schriftstellerin. Philipp Maintz fasst insgesamt zehn Aphorismen aus Ron Winklers Gedichtsammlung vereinzelt Passanten zu größeren Komplexen zusammen, ohne das Aphoristische, das „Raunen in der Wahrnehmung“ der literarischen Vorlage zu verleugnen. Hans-Jürgen von Bose hat sich nach In hora mortis zum zweiten Mal mit der Dichtung des vorwiegend als Dramatiker bekannten und als Dichter immer noch unterschätzten Thomas Bernhard auseinander gesetzt. Walter Zimmermann, der 2014 seinen 65. Geburtstag feiert, verzichtet in Himmeln des Schweizer Autors Felix Philipp Ingold ganz auf Klavierbegleitung und überlässt das deklamatorisch dichte Werk ganz der Sopranistin.

Jan Müller-Wieland
Engel-Lieder (2011)
nach Gedichten von Birgit Müller-Wieland
für Sopran und Klavier

Walter Zimmermann
Himmeln aus Colla Voce (2007)
auf einen Text von Felix Philipp Ingold
für Sopran solo

Philipp Maintz
Septemberalbum (2010)
Lieder für Sopran und Klavier nach Texten von Ron Winkler

Hans-Jürgen von Bose
Bernhard-Zyklus (2006)
Fünf Lieder nach Gedichten von Thomas Bernhard

Claudia Barainsky, Sopran
Axel Bauni, Klavier

 

Sonntag 26. Januar 2014, 15.00 Uhr
Radialsystem V

Ein Folklore-Instrument wird Protagonist der zeitgenössischen Musik. Dass die Zither, beheimatet in der alpenländischen Volksmusik, mehr kann als heimatliche Klänge zu erzeugen, beweist der Komponist und Zitherspieler Leopold Hurt. Tradition trifft auf Moderne – durchaus kein Widerspruch. Der Kontrabass, ehemals allenfalls ein Kuriosum als Soloinstrument, wird seit einiger Zeit immer stärker als Reservoir faszinierender Klangmöglichkeiten entdeckt. Edicson Ruiz, Kontrabassist der Berliner Philharmoniker, hat bereits jetzt mit 28 Jahren seinem Instrument zu neuer Popularität verholfen. Er präsentiert in seinem Soloprogramm eine Auswahl von Werken der letzten Jahre, die das Bassinstrument endgültig von seiner Rolle als Fundament der Musik emanzipieren und die mit Klängen überraschen, die man diesem Instrument zuvor niemals zugetraut hätte.

Georg Friedrich Haas
ein Saitenspiel (2002)
für umgestimmte Diskantzither

Hannes Seidl
Twisted Strip (2002)
für Zither

Leopold Hurt
Neues Werk (2013/2014)
für Zither
Uraufführung

Leopold Hurt, Zither

Roland Moser
…sehr mit Bassstimme sanft… Hommage à Friederike Mayröcker (2011)

Rudolf Kelterborn
Kontrabass-Notenheft (2012)

Heinz Holliger
Preludio e Fuga (a 4 voci) (2009)

Edicson Ruiz, Kontrabass


Sonntag, 26.01.2014, 17.00 Uhr
Radialsystem V

Junge Ensemble-Szene: Das Ensemble Garage

Die 1980er-Jahre waren die Gründerzeit für viele jener Ensembles für neue Musik, die heute für die enorme Qualität der europäischen Avantgarde-Szene stehen. Es scheint, als gebe es derzeit, drei Jahrzehnte später, wieder eine Phase von Ensemble-Neugründungen. Unter völlig veränderten ökonomischen und ästhetischen Bedingungen tun sich junge Musiker zusammen, um auf ganz andere Weise als ihre Vorgänger – aber mit dem gleichen künstlerischen Anspruch – die Musik der Gegenwart (und damit die Zeitläufte ganz allgemein) neu zu interpretieren. Multimediales ist dabei ebenso selbstverständlich wie konzeptuelle Ansätze, Ausweitungen ins Szenische und der selbstverständliche Umgang mit Elektronik. Das Ensemble Garage, gegründet 2009 in Köln von der Komponistin Brigitta Muntendorf, ist insofern auch ein Generationen-Projekt. Das Programm bei Ultraschall Berlin thematisiert auf vielfältige Weise den Duo-Gedanken, nicht zuletzt in der Begegnung von realer und virtueller Welt.

Jagoda Szmytka
Greetings from a Doppelgänger (2013)
für verstärktes Ensemble

Brigitta Muntendorf
Public Privacy #1 (2013) flute cover
für Soloflöte, Video und Stereozuspielung

Michael Beil
Karaoke Rebranng! (2009/11)
für Violine, Saxophon, Klavier, Schlagzeug, Live-Video & 8-Kanal-Zuspielung

Brigitta Muntendorf
Public Privacy #2 (2013) piano cover
für Soloklavier, Video und Stereozuspielung

Jagoda Szmytka
sky-me type me (2011)
für vier verstärkte Stimmen

Brigitta Muntendorf
shivers on speed (2013)
für Flöte, Klarinette, Klavier, Violine und Violoncello

Ensemble Garage:
Liz Hirst, Flöte
Nils Kohler, Klarinette
Frank Riedel, Saxophon
Malgorzata Walentynowa, Klavier
N.N., Schlagzeug
Maximilian Haft, Violine
Annegret Mayer-Lindenberger, Viola
Eva Boesch, Violoncello


Sonntag, 26.01.2014, 20.00 Uhr
Haus des Rundfunks, Großer Sendesaal

Erst mit fünfzig Jahren begann Giacinto Scelsi, seinen eigenen unverwechselbaren Kompositionsstil zu entwickeln. Auf dem Weg dahin entstand nach seiner Schaffenskrise, in der er fünf Jahre nichts komponierte, vor 1960 das Orchesterwerk Kamakala, das Scelsi niemals veröffentlichte und das jetzt erstmals öffentlich aufgeführt wird. Während Scelsi in seinen Werken immer wieder Bezug auf östliche, speziell indische Philosophien nimmt, hat Nicola Sani, Experte für das Werk von Giacinto Scelsi, seinem Orchesterwerk Al folle volo ein Zitat aus Dantes La Divina Commedia vorangestellt. Theatralisch geht es dagegen zu in Touché von Hanspeter Kyburz: ein brillant-ironisches Duell auf einen Text der Sprachwissenschaftlerin Sabine Marienberg, in dem die beiden Sänger zunächst fragmentarisch aneinander vorbeireden und erst gegen Ende versöhnlicher zueinander finden. Um das Schreiben selbst geht es Helmut Lachenmann in seinem gleichnamigen Orchesterwerk, zum einen direkt physisch erfahrbar in den Aktionen der Musiker, aber auch in dem Gedanken, dass Notation mehr ist als der Ablaufplan eines Werkes, vielmehr den Ausdrucksgehalt von Musik in sich einschließt.

Nicola Sani
Al folle volo (2004)
für Orchester

Hanspeter Kyburz
Touché (2006)
für Sopran, Tenor und Orchester
Text: Sabine Marienberg

Giacinto Scelsi
Kamakala (vor 1960)
für Kammerorchester
Uraufführung

Helmut Lachenmann
Schreiben (2003/2004)
für Orchester

Cornelia Horak, Sopran
Daniel Kirch, Tenor
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Lothar Zagrosek

 

Freitag, 31.01.2014, 20.00 Uhr
Haus des Rundfunks, Großer Sendesaal

Epilog

Seine Musik ist immer auch Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen. So ist es keineswegs nur musikalisch zu verstehen, wenn Mathias Spahlinger in seinem Streicherstück und als wir die Peripherie zum eigentlichen Zentrum erhebt. Die vier Streichergruppen sitzen kreuzförmig im Parkett, das Publikum in den freien Räumen zwischen den Musikern. Es gibt keine Zentralperspektive, kein Innen und Außen, kein Zentrum und keinen Rand. Und damit auch höchst unterschiedliche Wahrnehmungen dessen, was musikalisch geschieht.

Mit den beiden Orchesterwerken von Mathias Spahlinger knüpft Ultraschall an die Aufführung von akt, eine treppe herabsteigend im Jahr 2010 an. Manuel Hidalgos Gran Nada ist dazu ein Pendant, mit der Doppelbedeutung des „Großen Nichts“ und dem andalusischen Granada spielend. Und mit Seuring | Schalter von Leopold Hurt kommt noch ein letztes Mal in diesem Jahr die Zither zum (diesmal symphonisch-konzertanten) Einsatz.

Leopold Hurt
Seuring | Schalter (2011-12)
für E-Zither, Elektronik und großes Orchester

Mathias Spahlinger
und als wir (1993)
für 54 Solo-Streicher

Manuel Hidalgo
Gran Nada (1996/97)
für Akkordeon und Streicher

Mathias Spahlinger
morendo (1975)
für Orchester

Leopold Hurt, Zither
Christine Paté, Akkordeon
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Johannes Kalitzke

(Planungsstand 16.12.2013, Änderungen vorbehalten)

Ultraschall

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