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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.01.2006

Feier des spanischen Films

20. "Goya"-Verleihung in Madrid

Von Wolfgang Martin Hamdorf

Die spanische Regisseurin Isabel Coixet mit ihren zwei Goyas für das beste Drehbuch und die beste Regie. (AP)
Die spanische Regisseurin Isabel Coixet mit ihren zwei Goyas für das beste Drehbuch und die beste Regie. (AP)

Zum zwanzigsten Mal wurden in Madrid die Goyas, die nach dem spanischen Maler benannten spanischen Filmpreise verliehen. So war die diesjährige Gala auch dem Rückblick auf die letzten Jahre gewidmet. Nachdem in den letzten Jahren die Preisverleihung zu politischen Stellungnahmen gegen den Irak-Krieg benutzt wurde, blieb es in diesem Jahr relativ entspannt.

"The secret life of the words", "Das geheime Leben der Wörter", eine ebenso ergreifende, wie melancholische Liebesgeschichte auf einer Ölbohrinsel, war der Gewinner der Gala. Der Goya für das beste Drehbuch, die beste Produktion, die beste Regie und den besten Film überraschte auch die Regisseurin und Drehbuchautorin Isabel Coixet:

"Wir können noch so gute Geschichten schreiben, ohne unsere Superschauspieler sind wir nichts. Ohne die Schauspieler, ohne mein Team, ohne die Leute auf der Bohrinsel wäre der Film nichts geworden. Und vielen Dank auch an meine Eltern in Barcelona - ihnen sind vor lauter Freudentränen jetzt bestimmt die Taschentücher ausgegangen."

"The secret life of the words" ist ein wirklicher "independent film” von einer spanischen Regisseurin und spanischen Produzenten in englischer Sprache mit Sarah Polley, und Hollywoodstar Tim Robbins auf einer abgelegenen Erölbohrinsel unter schwierigsten Bedingungen gedreht. Produziert hat ihn "El Deseo", die Firma von Spaniens wohl bekanntestem Regisseur Pedro Almodovar und seinem Bruder. Für Augustín Almodovar war es ein risikoreiches Projekt:

"Natürlich liebe ich diesen Film, deswegen haben wir uns so auf dieses Projekt eingelassen und auf Isabel. Aber es ist kein harmloser, leicht zugänglicher Film, der jetzt gleich die Massen ins Kino holt. Ich bin jetzt über die Preise sehr glücklich, weil es auch ein sehr mutiger Film ist. Ich war schon davon überzeugt, dass Isabel den Preis für das beste Drehbuch bekommen würde, aber dann war es doch eine wunderbare Überraschung."

Die vier Hauptpreise zeigen aber auch, dass die Akademie offensichtlich nicht nachtragend ist, denn die Brüder Almodovar hatten erst Anfang des vergangenen Jahres energisch und medienwirksam ihren Austritt aus der Akademie erklärt.

Insgesamt lag bei den diesjährigen Goya-Nominierungen ein Schwerpunkt auf dem sozialrealistischen Autorenfilm: Geschichten von arbeitslosen Jugendlichen in Sevilla, von jungen Prostituierten in Madrid oder vom undurchdringlichen Geflecht der Verdrängung der Erinnerung in einem baskischen Dorf waren Themen, die auch bezeichnend sind für eine selbstbewusste und vielfältige Annäherung der Filmemacher an die spanische Realität und das in einer regionalen Vielfalt.

Es war eine ganz besondere Gala, bei der der Rückblick auf die zwanzigjährige Geschichte der "Goyas” im Vordergrund stand. Hollywood und die Verleihung der Oscars waren 1985 das grosse Vorbild für die spanische Filmakademie, die von Filmverleihern, Schauspielern, Regisseuren und Filmschaffenden aller Sparten gegründet wurde. Und so trat auch zu dieser Gala im Madrider Kongresspalast, der zwanzigsten, die Creme de la creme des spanischen Films auf: Von Alejandro Amenábar und Antonio Banderas über Carmen Maura bis hin zu Alex de la Iglesia.

Die Präsidentin der Akademie, die Schauspielerin Mercedes Sampietro, verbreitete in ihrer Ansprache selbstbewussten Optimismus:

"Ich glaube, wir machen immer bessere Filme, die auch immer mehr Zuschauer bekommen. Zwar gibt es immer noch Medienvertreter, die stolz verkünden, dass sie sich niemals einen spanischen Film ansehen, aber gut, trotz dieser Leute und trotz einer unverhältnismässig grossen Konkurrenz von Zauberkindern, Riesengorillas und grünen Unholden, die sich auf unserer Leinwand ausbreiten, trotz der Kleingeistigkeit mancher Fernsehanstalt, der Ängstlichkeit der Politiker und unserem eigenen gelegentlichen Mangel an Selbstbewusstsein sind der spanische Film und unser eigenes Geschöpf, die Goya-Preise, so lebendig wie nie."

Und tatsächlich war 2005 kein schlechtes Jahr für den spanischen Film. Nach Angaben des Kulturministeriums hat er 1,7 Millionen Zuschauer gewonnen und damit den Marktanteil um 3,5 Prozent auf 16,74 Prozent gesteigert.

Wiederholt hatte sich die Gala in den letzten Jahren zum Forum des politischen Protestes entwickelt - etwa gegen die Beteiligung der spanischen Regierung am Irakkrieg oder gegen die Einschränkung der künstlerischen Ausdrucksfreiheit. Seit dem Wahlsieg der Sozialisten im März 2004 hat sich das Verhältnis zwischen Film und Politik beruhigt.

Allerdings fordern Filmproduzenten seit Monaten die Erfüllunmg vergangener Wahlversprechungen ein. Film soll als kulturelles Gut im Zuge der Liberalisierung des Weltmarktes stärker geschützt sein. Ein geschützter Raum zur kulturellen Entfaltung fordert der katalanische Produzent Jaume Rouras, Coproduzent des Gewinnerfilms "The secret life of words" metaphorisch

"Wir sollten ruhig etwas ehrgeiziger sein. Wir haben unsere Werte, unsere Kultur und unseren sprachlichen Reichtum, nicht nur um sie zu verteidigen, sondern auch um sie weiter zu vermitteln. Und dafür brauchen wir eine Halbbinsel, wir sind doch schon von Wasser umschlossen, also hätten wir doch gerne eine kleine Landverbindung, damit wir etwas geschützter vorangehen können. Das ist auch kein großes Problem, wenn der politische Wille da wäre, würden das alle unterstützen."

Kulturpresseschau

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