Seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Literatur
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Literatur
 
 

Studio 9 | Beitrag vom 08.07.2014

Fashion WeekFasern aus Eukalyptus und Soja

Das vegane Modelabel Umasan pflegt den Minimalismus und setzt auf innovative Textilien

Von Marietta Schwarz

Schwarz-Weiß-Porträt der Zwillinge Anja und Sandra Umann. Sie betreiben gemeinsam das vegane Modelabel Umasan. (A&S Umann GmbH)
Die Zwillinge Anja und Sandra Umann betreiben gemeinsam das vegane Modelabel Umasan. (A&S Umann GmbH)

Seit 2010 betreiben die Zwillingsschwestern Anja und Sandra Umann das Modelabel Umasan. Sie verzichten in ihren Kollektionen auf Leder, Seide und Wolle - doch ein angestaubte Öko-Image liegt ihnen fern. Mit ihrer von japanischer Schnittkunst geprägten Mode sind sie auf der Berliner Fashion Week zu Gast.

Die Uhr tickt in diesen Tagen vor Beginn der Fashion Week. Alles passiert gleichzeitig. Die Nerven müssten eigentlich blank liegen. Doch davon ist im Atelier von Umasan nichts zu spüren. Ok, die Pappkartons türmen sich in der Westberliner Altbauwohnung. Stoffballen und Nähproben, vor allem schwarze, liegen quer auf den Tischen. Und die Männer-Kollektion, die Anja und Sandra Umann gerade in Paris präsentiert haben, hängt an Kleiderstangen mitten in der Küche! Aber es herrscht eine fast meditative Ruhe.

"Man wird uns nie in einer extrem hektischen Atmosphäre finden, das ist einfach nicht unser Ding."

... sagt Sandra Umann.

"Und ich glaube auch, dass wir dadurch alles etwas zügiger umsetzen können, wenn man sich nicht irgendwie reinsteigert."

Ein "Ich" fällt selten, wenn man mit Anja und Sandra Umann redet. Klar, sie sind Geschäftspartnerinnen. Aber sie sind eben auch Zwillinge. Eineiige Zwillinge.

"Das erste Mal, dass wir auseinandergezogen sind, war vor zwei Jahren hier in Berlin, als die Arbeit so intensiv wurde, dass wir gemerkt haben, Privatleben gibt es eigentlich nicht mehr, es gibt nur noch Umasan, das ist unser Leben."

Zwei zierliche Frauen mit blassem Teint stehen da vor einem, die selbstverständlich ihre eigene Kollektion tragen: Sandra, die blondierte Kurzhaarige mit dem Undercut, im kastigen schwarzen Mantel, darunter schmal geschnittene Hosen und grobes Schuhwerk aus schwarzem Kunstleder. Anja mit asymmetrisch geschnittenem schwarz glänzenden Oberteil, das vorne einseitig gerafft ist. Dazu ebenfalls: grobes Schuhwerk aus Kunstleder. Zwei perfekte Outfits. Zwei Menschen wie aus einem Guss.

33 Jahre zusammen gelebt

"Das ist ne Art von Seelenverwandtschaft, die kann man ganz schwer jemandem erklären. Es ist oft so, dass meine Schwester nur ein Wort spricht und ich geb ihr dann schon die Antwort auf die Frage, die sie stellen wollte. Das erleichtert natürlich auch die Zusammenarbeit. Aber bringt mit sich, dass es für jeden dritten, der in unserem Team arbeitet, etwas schwierig ist..."

Sandra und Anja Umann sind 35 Jahre alt. 33 davon haben sie zusammen gelebt. In Dresden, wo sie aufwuchsen, in München, wo sie nach dem Mauerfall hinzogen. Dann in Tokyo und in Paris.

Anja Umann: "So wie San mit mir Mode studiert hat, hab ich mit ihr die Fotografie dann teilweise praktiziert. Ich als Stylistin, sie als Fotografin, und dadurch waren wir immer sehr an den Projekten des anderen dran."

Ob sie aus einer kreativen Familie stammen?

Beide: "Nichts!"

Die Eltern hatten eine Bäckerei. Der Bruder ist Handwerker.

2010 gründeten Anja und Sandra Umann ihr Label Umasan quasi ohne Eigenkapital. Anja hatte Erfahrungen als Stylistin beim japanischen Modemacher Yohji Yamamoto gesammelt, Sandra als Fotografin für große Modemagazine. Sie suchten sich Investoren und legten los, gleich mit Blick auf den internationalen Markt. Inzwischen wird ihre Mode weltweit verkauft. Weil sie vegan ist, aber eben auch wegen ihres Designs.

Die präzise Linienführung, das geschickte Umspielen der Figur. Die Reduktion auf verschiedene, meist schwarze Oberflächen. Der japanische Einfluss ist nicht zu übersehen.

Einen Körper herausarbeiten, nicht verkleiden

Anja Uman: "Es geht um Kleidung, nicht um Mode, einen Körper herauszuarbeiten und ihn nicht zu bekleiden oder zu verkleiden."

Auf den von Sandra Umann konzipierten Schauen in Paris, Mailand und Berlin stecken androgyne Männer und Frauen in diesen Kleidern. Das ist avantgardistisch und erfordert schon etwas Mut beim Tragen.

"Das Thema 'vegan' stand relativ früh schon auf dem Programm. Und diese neuen Fasern haben uns dann so interessiert, dass wir irgendwann gesagt haben, da wollen wir Pioniere sein."

Kein Kaschmir, keine Seide, kein Leder. Anja und Sandra Umann sind selbst Veganerinnen. Die Suche nach hochwertigen langlebigen Textilien betreiben sie mit großer Leidenschaft. Zum Teil entwickeln sie neue Stoffe für ihre Kollektionen zusammen mit Garnherstellern. Auf pflanzlicher Basis. Da wären zum Beispiel Algen.

"Algen ist ein Produkt, das wir sehr gern verwenden, weil es hautpflegende Eigenschaften hat. Das ist keine reine Faser, sondern als Grundbasis eine Eukalpytusfaser, die angereichert wird mit Algenmineralien. Wir haben dann auch noch Buchenholzfasern, wir haben Sojaproteinfasern, wir haben Fasern, die mit Zink oder Chitosan angereichert sind."

Das Rohmaterial kommt von europäischen Zulieferern. Gefertigt wird die Kollektion dort, wo Anja und Sandra geboren sind: in Sachsen.

Eigentlich ist den Schwestern die schnelllebige Welt der Mode mit ihren ständig wechselnden Trends zuwider. Umasan setzt da einen Kontrapunkt, und das scheint zu funktionieren. Bei der diesjährigen Show auf der Fashion Week werden auch wieder Männer und Frauen jeden Alters auf dem Laufsteg sein. Und ein Streichquartett und zwei Sänger. Es soll sogar farbiger werden. Der rostrote Stoffballen in der Ecke muss jetzt ganz dringend verarbeitet werden.

Mehr zum Thema:

 Lifestyle - Berlin goes vegan (Deutschlandradio Kultur, LÄNDERREPORT, 16.01.2014)

Interview

Invasive ArtenDem Waschbär geht's an den Kragen
Ein Waschbär sitzt im Wildpark Grafenberger Wald in Düsseldorf auf einem Baum. (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)

Nordamerikanische Grauhörnchen, die unsere roten Eichhörnchen verdrängen, fremde Krebsarten oder einfach der Waschbär − diese "invasiven" Arten will die EU dezimieren. Wir fragen Till Hopf vom Naturschutzbund, was er von der neuen Verordnung hält.Mehr

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur