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Interview / Archiv | Beitrag vom 22.02.2013

"Es hätte einer deutlicheren Sprache bedurft"

Soziologe Ulrich Beck beurteilt die Europa-Rede des Bundespräsidenten zwiespältig

Bundespräsident Gauck während seiner "Europa-Rede" (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Bundespräsident Gauck während seiner "Europa-Rede" (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Der Soziologe Ulrich Beck spricht von einer "wirklich guten Rede", die wichtige Akzente und Ermutigungen für eine Weiterentwicklung Europas enthalten habe. Andererseits bemängelte Beck, dass grundlegende Aspekte gefehlt hätten.

So habe ihn irritiert, dass Gauck die negativen Folgen der Krise nur am Rande erwähnt habe, sagte Beck: "Europa ist in einer dramatischen Situation." Zum ersten Mal gebe es eine hervorragend ausgebildete Generation, die keine berufliche Zukunft habe. Hinzu kämen "starke Verelendungserscheinungen" in den südlichen Ländern. "Das ist eine Gefährdung auch der Werte und damit der Institutionen, für die Europa steht, die schon einer deutlicheren Sprache bedurft hätte", kritisierte Beck.

Auch zu der Frage, wie sich Europa institutionell weiterentwickeln müsse, hat sich der Bundespräsident nach Meinung Becks nicht ausreichend geäußert. Er habe eine Vielfalt von Perspektiven aufgezeigt, aber einen "zentralen Punkt" ausgelassen, der die Besonderheit Europas ausmache. Europa werde immer im Sinne eines "Entweder-Oder" diskutiert: Entweder nationale oder europäische Souveränität – das sei eine falsche Alternative, so Beck.

Tatsächlich gehe es darum, dass Europa die Nationalstaaten ermächtige, auch ihre nationalen Probleme besser lösen zu können. "Das ist (…) eine fundamentale, auch politisch wichtige Idee, die Gauck nicht berührt hat", sagte Beck.

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