Kommentar / Archiv /

Energiewende nach Plan

Bisher liegen die Akteure gut in der Zeit

Von Günter Hetzke

Strommasten über Strommasten müssen in den kommenden Jahren für die Energiewende errichtet werden.
Strommasten über Strommasten müssen in den kommenden Jahren für die Energiewende errichtet werden. (AP)

Tatsache ist: Damit die Energiewende gelingt, ist der Ausbau der Stromnetze eine entscheidende Voraussetzung. Denn ein Grundpfeiler für die Umstellung der Energieversorgung, weg von der Atomkraft, hin zu deutlich mehr Strom als bisher aus erneuerbaren Energien, ist die Stromgewinnung durch Windparks auf dem offenen Meer.

Sie sollen die Hauptlast bei der künftigen Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien tragen. Denn auf hoher See weht stetig eine steife Brise und die Stromerzeugung ist verlässlicher als durch Windräder im Binnenland oder durch die Sonnenkraft.

Nur bleibt eben das Problem, das im hohen Norden zwar reichlich Strom erzeugt werden kann, die Industrie-Ballungsgebiete aber, die Hauptabnehmer also, im Westen und Süden der Republik liegen. Dafür aber sind die derzeit vorhandenen Stromtrassen nicht ausgelegt oder gar nicht vorhanden. Neue Netze braucht das Land. Beim Ausbau allerdings hapert es, so das Jammern und Klagen weiter Teile der Wirtschaft und der Politik, in das nun auch Bundeskanzlerin Merkel eingestimmt hat.

Die Energiewende, sie scheint den Bach runter zu gehen, wenn man all den Schwarzsehern Glauben schenkt, die nicht müde werden, darauf hinzuweisen, dass erst mehrere Dutzend Kilometer neuer Leitungen in Betrieb gegangen sind, wo doch tausende Kilometer benötigt werden. Doch ist dieser vielstimmige Hinweis, ja das Entsetzen über das vermeintliche Schneckentempo wirklich berechtigt? Ist der Industriestandort Deutschland auf bestem Weg, sich international zu blamieren, weil Politik, Behörden und Interessenverbände nicht an einem Strang ziehen?

Fakt ist: Großprojekte brauchen Zeit. Es ist erst gut ein Jahr her, dass das Ziel einer Energiewende verkündet wurde. Im Juli, wenige Wochen nach der Verkündung, hatte die Bundesnetzagentur bereits einen Fahrplan für den Ausbau des Stromnetzes vorgelegt und schon damals war klar: Bevor der erste Spatenstich für den Bau einer neuen Stromtrasse erfolgen kann, vergehen nicht Monate, sondern Jahre. Frühestens 2013 kann, wenn alles reibungslos verläuft, der Ausbau starten. Eine realistische, ja, wenn nicht sogar optimistische Einschätzung, wenn wir daran denken, wie lange ein Planfeststellungsverfahren für ähnliche Projekte dauert, wie den Bau einer Umgehungsstraße, einer Autobahn oder einer neuen Eisenbahnstrecke.

Im Sommer 2012, so damals die Bundesnetzagentur, kann dann wohl ein Plan vorgelegt werden, wo welche Netze benötigt werden, damit die Öffentlichkeit Stellung beziehen und der Gesetzgeber aktiv werden kann. Wir haben Ende Mai 2012 – und heute ist dieser Plan veröffentlicht worden.

Und Geldgeber scheinen auch in den Startlöchern zu stehen, haben doch manche langfristig orientierte Anleger, wie Pensionsfonds oder Versicherungen, Investitionen ins Stromnetz als sichere Anlage mit durchaus beachtlicher Rendite entdeckt.

Den Unkenrufen, die immer nur Probleme und Schwierigkeiten sehen, kann man deshalb nur eines entgegnen: Lasst doch die Kirche im Dorf – der Zeitrahmen stimmt bisher perfekt.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kommentar

OsteuropaRusslands Solo

Wladimir Putin blickt nachdenklich drein.

Ob Wladimir Putin in seiner Zeit in Dresden Doppelkopf gelernt hat, wissen wir nicht. Aber Russland spielt es gar nicht schlecht und macht einen Stich nach dem anderen, meint Gesine Dornblüth.

BundesverwaltungsgerichtUrteil bald von der Realität überholt?

Die Klägerin Anna Ignatius wartet am 16.04.2014 im Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig. Das BVerwG verhandelt am gleichen Tag die Klage von Ignatius aus Freiburg (Baden-Württemberg), die für ihre konfessionslosen Kinder Ethik-Unterricht - analog zum Religionsunterricht fordert.

Eine Klage auf ein verpflichtendes Ethik-Unterrichtsangebot in der Grundschule wurde heute vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig abgewiesen. Dennoch müsse das Religionsrecht der Kirchen überdacht werden, so Kirsten Dietrich.

UkrainePutins Sorgen − Kiews Panik

Bewaffnete vor dem Gebäude der Regionalverwaltung in Slaviansk

Die Separatisten im Osten der Ukraine interessiert kein Referendum − sie wollen ein instabiles Land, sturmreif für die russische Übernahme. Die Stimmung im Donbass ist Anti-Kiew, meint Sabine Adler.

 

Politisches Feuilleton

BundesregierungReformen müssen ihren Namen verdienen

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles gibt sich zufrieden mit dem Kompromiss.

Es scheint, als ob die SPD tatsächlich Reformen anstößt. Doch der Junior-Regierungspartner erreicht nur Stückwerk. Kein Wunder, dass die Wähler die Partei abstrafen, meint Stephan Hebel.