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Kommentar

TarifeinheitsgesetzFesseln für die kleinen Gewerkschaften
Mitglieder der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) demonstrieren mit Transparenten und Trillerpfeifen in Berlin vor der Zentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz (picture alliance / dpa/ Sören Stache)

Seine unheilvolle Wirkung hat das Gesetz zur Tarifeinheit schon entfaltet, bevor es überhaupt in Kraft ist. Es spaltet statt zu einen. Es verschärft Tarifkonflikte, statt sie zu befrieden, kritisiert Gerhard Schröder mit Blick auf den Streik der GDL.Mehr

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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 30.05.2012

Energiewende nach Plan

Bisher liegen die Akteure gut in der Zeit

Von Günter Hetzke

Strommasten über Strommasten müssen in den kommenden Jahren für die Energiewende errichtet werden. (AP)
Strommasten über Strommasten müssen in den kommenden Jahren für die Energiewende errichtet werden. (AP)

Tatsache ist: Damit die Energiewende gelingt, ist der Ausbau der Stromnetze eine entscheidende Voraussetzung. Denn ein Grundpfeiler für die Umstellung der Energieversorgung, weg von der Atomkraft, hin zu deutlich mehr Strom als bisher aus erneuerbaren Energien, ist die Stromgewinnung durch Windparks auf dem offenen Meer.

Sie sollen die Hauptlast bei der künftigen Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien tragen. Denn auf hoher See weht stetig eine steife Brise und die Stromerzeugung ist verlässlicher als durch Windräder im Binnenland oder durch die Sonnenkraft.

Nur bleibt eben das Problem, das im hohen Norden zwar reichlich Strom erzeugt werden kann, die Industrie-Ballungsgebiete aber, die Hauptabnehmer also, im Westen und Süden der Republik liegen. Dafür aber sind die derzeit vorhandenen Stromtrassen nicht ausgelegt oder gar nicht vorhanden. Neue Netze braucht das Land. Beim Ausbau allerdings hapert es, so das Jammern und Klagen weiter Teile der Wirtschaft und der Politik, in das nun auch Bundeskanzlerin Merkel eingestimmt hat.

Die Energiewende, sie scheint den Bach runter zu gehen, wenn man all den Schwarzsehern Glauben schenkt, die nicht müde werden, darauf hinzuweisen, dass erst mehrere Dutzend Kilometer neuer Leitungen in Betrieb gegangen sind, wo doch tausende Kilometer benötigt werden. Doch ist dieser vielstimmige Hinweis, ja das Entsetzen über das vermeintliche Schneckentempo wirklich berechtigt? Ist der Industriestandort Deutschland auf bestem Weg, sich international zu blamieren, weil Politik, Behörden und Interessenverbände nicht an einem Strang ziehen?

Fakt ist: Großprojekte brauchen Zeit. Es ist erst gut ein Jahr her, dass das Ziel einer Energiewende verkündet wurde. Im Juli, wenige Wochen nach der Verkündung, hatte die Bundesnetzagentur bereits einen Fahrplan für den Ausbau des Stromnetzes vorgelegt und schon damals war klar: Bevor der erste Spatenstich für den Bau einer neuen Stromtrasse erfolgen kann, vergehen nicht Monate, sondern Jahre. Frühestens 2013 kann, wenn alles reibungslos verläuft, der Ausbau starten. Eine realistische, ja, wenn nicht sogar optimistische Einschätzung, wenn wir daran denken, wie lange ein Planfeststellungsverfahren für ähnliche Projekte dauert, wie den Bau einer Umgehungsstraße, einer Autobahn oder einer neuen Eisenbahnstrecke.

Im Sommer 2012, so damals die Bundesnetzagentur, kann dann wohl ein Plan vorgelegt werden, wo welche Netze benötigt werden, damit die Öffentlichkeit Stellung beziehen und der Gesetzgeber aktiv werden kann. Wir haben Ende Mai 2012 – und heute ist dieser Plan veröffentlicht worden.

Und Geldgeber scheinen auch in den Startlöchern zu stehen, haben doch manche langfristig orientierte Anleger, wie Pensionsfonds oder Versicherungen, Investitionen ins Stromnetz als sichere Anlage mit durchaus beachtlicher Rendite entdeckt.

Den Unkenrufen, die immer nur Probleme und Schwierigkeiten sehen, kann man deshalb nur eines entgegnen: Lasst doch die Kirche im Dorf – der Zeitrahmen stimmt bisher perfekt.