Donnerstag, 2. April 2015MESZ06:26 Uhr

Kommentar

Fracking-GesetzVerantwortung sieht anders aus
Ein Plakat mit der Aufschrift «Stop Fracking» steht am 03.06.2014 in Brünen (Nordrhein-Westfalen) am Niederrhein in einem Feld. (picture alliance / dpa / Martin Gerten)

Der vom Kabinett verabschiedete Entwurf verbietet Fracking nur in sensiblen Regionen, wie Wasserschutzgebieten. Man sei der Industrie regelrecht auf den Leim gegangen, kommentiert Theo Geers: Dieses Gesetz müsse verschärft werden.Mehr

Rücktritt GauweilersNur die Hälfte der Wahrheit
Peter Gauweiler am 27. Februar 2015 im Bundestag bei der Entscheidung über ein weiteres Hilfspaket für Griechenland (imago stock&people)

Der stellvertretende CSU-Chef Peter Gauweiler berief sich auf sein Gewissen, als er seinen Rücktritt bekannt gab. Bemerkenswert ist das, kommentiert Katharina Hamberger - es dürfe aber dennoch nicht überbewertet werden. Es stecke wohl mehr dahinter.Mehr

Katastrophen-BerichterstattungWir informieren uns zu Tode
Wer möchte noch etwas sagen? Nachrichten ohne Inhalt beklagt Peter Lange.  (picture alliance / dpa / Marc Müller)

Der Umgang mit der Germanwings-Katastrophe zeigt, wie die digitale Mediengesellschaft in einen Irrweg treibt, meint Peter Lange. Der Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur beklagt Plattitüden, Pseudonachrichten und hanebüchene Spekulationen.Mehr

weitere Beiträge

Politisches Feuilleton

AsylpolitikFlüchtlingen aus Eigennutz helfen
Die 13-jährige Razan Tamim aus Homsk in Syrien Deutschunterricht für Flüchtlingskinder in der Fritz-Reuter-Schule in Parchim (Mecklenburg-Vorpommern). (dpa / picture alliance / Jens Büttner)

Ziel vieler Flüchtlinge ist Europa, eine Festung, deren Außengrenzen gesichert werden. Illegale Zuwanderung soll verhindert werden. Doch das wird in Zeiten des demographischen Wandels zum fatalen Irrtum, meint der Autor Dieter Bub.Mehr

weitere Beiträge

Kommentar / Archiv | Beitrag vom 30.05.2012

Energiewende nach Plan

Bisher liegen die Akteure gut in der Zeit

Von Günter Hetzke

Strommasten über Strommasten müssen in den kommenden Jahren für die Energiewende errichtet werden. (AP)
Strommasten über Strommasten müssen in den kommenden Jahren für die Energiewende errichtet werden. (AP)

Tatsache ist: Damit die Energiewende gelingt, ist der Ausbau der Stromnetze eine entscheidende Voraussetzung. Denn ein Grundpfeiler für die Umstellung der Energieversorgung, weg von der Atomkraft, hin zu deutlich mehr Strom als bisher aus erneuerbaren Energien, ist die Stromgewinnung durch Windparks auf dem offenen Meer.

Sie sollen die Hauptlast bei der künftigen Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien tragen. Denn auf hoher See weht stetig eine steife Brise und die Stromerzeugung ist verlässlicher als durch Windräder im Binnenland oder durch die Sonnenkraft.

Nur bleibt eben das Problem, das im hohen Norden zwar reichlich Strom erzeugt werden kann, die Industrie-Ballungsgebiete aber, die Hauptabnehmer also, im Westen und Süden der Republik liegen. Dafür aber sind die derzeit vorhandenen Stromtrassen nicht ausgelegt oder gar nicht vorhanden. Neue Netze braucht das Land. Beim Ausbau allerdings hapert es, so das Jammern und Klagen weiter Teile der Wirtschaft und der Politik, in das nun auch Bundeskanzlerin Merkel eingestimmt hat.

Die Energiewende, sie scheint den Bach runter zu gehen, wenn man all den Schwarzsehern Glauben schenkt, die nicht müde werden, darauf hinzuweisen, dass erst mehrere Dutzend Kilometer neuer Leitungen in Betrieb gegangen sind, wo doch tausende Kilometer benötigt werden. Doch ist dieser vielstimmige Hinweis, ja das Entsetzen über das vermeintliche Schneckentempo wirklich berechtigt? Ist der Industriestandort Deutschland auf bestem Weg, sich international zu blamieren, weil Politik, Behörden und Interessenverbände nicht an einem Strang ziehen?

Fakt ist: Großprojekte brauchen Zeit. Es ist erst gut ein Jahr her, dass das Ziel einer Energiewende verkündet wurde. Im Juli, wenige Wochen nach der Verkündung, hatte die Bundesnetzagentur bereits einen Fahrplan für den Ausbau des Stromnetzes vorgelegt und schon damals war klar: Bevor der erste Spatenstich für den Bau einer neuen Stromtrasse erfolgen kann, vergehen nicht Monate, sondern Jahre. Frühestens 2013 kann, wenn alles reibungslos verläuft, der Ausbau starten. Eine realistische, ja, wenn nicht sogar optimistische Einschätzung, wenn wir daran denken, wie lange ein Planfeststellungsverfahren für ähnliche Projekte dauert, wie den Bau einer Umgehungsstraße, einer Autobahn oder einer neuen Eisenbahnstrecke.

Im Sommer 2012, so damals die Bundesnetzagentur, kann dann wohl ein Plan vorgelegt werden, wo welche Netze benötigt werden, damit die Öffentlichkeit Stellung beziehen und der Gesetzgeber aktiv werden kann. Wir haben Ende Mai 2012 – und heute ist dieser Plan veröffentlicht worden.

Und Geldgeber scheinen auch in den Startlöchern zu stehen, haben doch manche langfristig orientierte Anleger, wie Pensionsfonds oder Versicherungen, Investitionen ins Stromnetz als sichere Anlage mit durchaus beachtlicher Rendite entdeckt.

Den Unkenrufen, die immer nur Probleme und Schwierigkeiten sehen, kann man deshalb nur eines entgegnen: Lasst doch die Kirche im Dorf – der Zeitrahmen stimmt bisher perfekt.