Profil / Archiv /

Eine Kollektion für Miss Obama

Der Modemacher Parsival Cserer

Von Mandy Schielke

Cserer entwirft feminine Strickmode mit einer Mischung aus Repräsentation und Lässigkeit.
Cserer entwirft feminine Strickmode mit einer Mischung aus Repräsentation und Lässigkeit. (AP)

Mit zwei Fashion Weeks im Jahr hat Berlin modisch gesehen schon fast den gleichen Herzschlag wie New York oder Paris. Im weißen Zelt auf dem Bebelplatz wird Mode für den Sommer 2011 gezeigt. Am Freitag ist der Modenachwuchs dran. Acht Finalisten für den Nachwuchspreis "Designer for Tomorrow" zeigen in einer großen Show ihre Entwürfe. Wer gewinnt, bekommt in der nächsten Saison eine eigene Show im Fashion-Zelt und kann gemeinsam mit dem Modehaus Peek&Cloppenburg eine Kollektion entwerfen. Ein erster Schritt ins Modegeschäft wäre das. Ein vielversprechender Kandidat für den Modepreis ist der Jungdesigner Parsival Cserer.

Rot und Grün. Blau und Orange. Violett und Gelb. Immer sind es Komplementärfarben, die Parsival Cserer in seinen lässigen Strickkleidern kontraststark miteinander kombiniert.

Parsival Cserer: "Mein Muster ist eine eckige Form. Es ist von mir gewollt, dass es aussieht wie ein Atari-Spiel, ein frühes Computerspiel, das sehr grob rastig, sehr pixelig ist."

Wie eine Zukunftsvision aus der Vergangenheit wirken diese großen Flächen, Rechtecke, Quadrate, die immer wieder ineinander übergehen und neue kantige Formen bilden. Das Image von Strickmode, schwer und unbequem zu sein, war für den 34-Jährigen dabei kein Hindernis, sondern eine Herausforderung.

Parsival Cserer: "Durch relativ feine Fäden, die ich verwende, wird das Ganze leicht."

Seinen Vornamen - Parsival - hat sich der Modemacher irgendwann selbst gegeben. Jetzt sitzt er gut frisiert, Hemd und Hose aus Seide an der Strickmaschine in der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. Langsam, Faden für Faden, kommt das expressive Muster zum Vorschein. Neben dem Meisterschüler bügelt eine Kommilitonin ihre Abendkleider. Nur noch wenige Tage bis zur Modenschau. Parsival Cserer bleibt gelassen. Fast meditativ bewegt er die Arme an der Strickmaschine.

Parsival Cserer: "Ich war acht Jahre meines Lebens auf der Waldorfschule und an der Waldorfschule arbeitet man sehr sinnlich an Objekten, ob es Werken ist mit Holz, Töpfern, ob es Textil ist, stricken und nähen. Das ist sehr auf die Hände konzentriert."

Auf einem Dorf in Baden-Württemberg wächst Parsival Cserer mit zwei älteren Geschwistern bei der Mutter auf. Als Kind liegt ihm die kreative Arbeit auf der Waldorfschule. Als Teenager aber will er sich davon lösen. Irgendwann, sagt der heute 34-Jährige, bestand der Schulalltag für seien Geschmack aus zu viel Handarbeit. Geistig fühlt er sich unterfordert. Also wechselt Parsival die Schule. Der Modemacher erzählt gern von sich, davon wie es weiterging nach dem Abitur. Er schreibt sich für Religionswissenschaften an der Universität in Tübingen ein:

"Ich fang an zu studieren und merke, es befriedigt mich nicht, wenn ich den ganzen Tag hebräische, griechische Texte übersetze und Exegesen schreibe. Ich brauche ein Produkt, das ich sinnlich ergreifen kann. Und nicht nur eine intellektuelle Freude. Und so kam ich darauf, mich für Modedesign zu bewerben."

Für Parsival Cserer ist Mode kein Fimmel, sondern – nach französischem Vorbild – ein Kulturgut. Mit Kleidung, sagt er, drücken wir uns aus – ob wir wollen oder nicht. Dabei ist er selbst mit ganz anderen Glaubenssätzen groß geworden.

Parsival Cserer: "Meine Großmutter hat schon immer gesagt, es ist wichtig, wenn man nachher vor dem Herrgott steht, dass man eine reine Weste hat im moralischen Sinn, aber was man nachher hat an Schmuck oder was, das hat sie nie interessiert."

Parsival Cserer geht an die Kunsthochschule in Berlin-Weißensee und beginnt mit dem Modedesignstudium. Langsam entwickelt er seinen Stil. Schlicht und alltagstauglich sind seine Entwürfe, mit jeder Kollektion werden die Muster expressiver, die Farben kontrastreicher.

Seine aktuelle Kollektion, die er auf der Fashion Week präsentieren wird und mit der er den Nachwuchspreis "Designer for Tomorrow" gewinnen will, trägt den Titel "Good Morning Miss Obama". Feminine Strickmode, die durch die Kombination aus alltagstauglichen Formen und hochwertigen Garnen aus Seide und Kaschmir Repräsentation und Lässigkeit verbinden soll. Die Idee für den Titel "Good Morning Miss Obama" kam ihm schon vor über einem Jahr:

"Damals war gerade die Wahl von Obama. Das war in den Medien. Endlich findet eine Umbesinnung statt in der amerikanischen Gesellschaft. Mein Stiefvater ist aus Ghana. Ich habe einen starken Bezug zu Afrika auch durch meinen kleinen Bruder. Das habe ich auch mitbekommen, wie der ganze Kontinent das als Zeichen sieht, endlich in der westeuropäischen Gesellschaft einen neuen Status zu bekommen und 'Good morning' heißt 'Wake up' für die ganze Welt. Es brechen neue Zeiten an."

Heute sieht er den politischen Neuanfang in den USA kritischer. Seine Kollektion aber würde er immer wieder Michelle Obama widmen.

Wenn Parsival Cserer nicht im Gemeinschaftsatelier an der Kunsthochschule an eigenen Entwürfen arbeitet, ändert er Kostüme in der Deutschen Oper. So verdient er sein Geld. Denn die eigene Mode ist noch Passion und kein Geschäft. Gewinnt er den Nachwuchspreis, öffnen sich die Tore ins Modegeschäft vielleicht.


Service:
Am 9. Juli 2010 findet nachmittags die Show der Nachwuchsdesigner in Berlin am Bebelplatz statt. Am Abend zeigen Studenten der Kunsthochschule Weißensee ihre Ideen in einer großen Schau im Haus der Kulturen der Welt. Auch dort wird Parsival Cserer mit seiner Mode dabei sein.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Profil

ComicRatatak und Brrrrz!

Zahlreiche Sammlerstücke von Marvel-Comics

Bildergeschichten haben es Uli Pröfrock angetan. Er findet auch für scheinbar unübersetzbare Ausdrücke und Geräusche den passenden Ausdruck. Deshalb ist der Übersetzer für den Jugendliteraturpreis 2014 nominiert.

Akustischer Schatz"Hier spricht der Zackenbarsch"

Ein Großer Zackenbarsch, aufgenommen im Mittelmeer nahe Olibia / Sardinien

"Stumm wie ein Fisch" – das ist eine Redensart, die eigentlich nur etwas darüber aussagt, wie ignorant wir Menschen gegenüber den Meeres- und Flussbewohnern sind. Fische sind nämlich mitnichten stumm! Einer, der das beweisen kann, ist Johannes Kinzer aus Gettorf bei Kiel.

Experimentelle KlängeMusik für Außerirdische

Der Musiker und Hörspielmacher Felix Kubin posiert bei der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises 2014. 

Synthesizer, Seifenrassel, Eimerschlagzeug - mit diesen Instrumenten hat Felix Kubin als Teenager Platten aufgenommen. Auch heute frönt er noch seinem Spieltrieb.