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Interview / Archiv | Beitrag vom 17.04.2013

"Eine Frauenquote ist wirklich ein absolut falsches Signal"

Junge Unternehmer fordern bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Lencke Wischhusen im Gespräch mit Marietta Schwarz

Wischhusen hält nichts von einer Frauenquote in Aufsichtsräten.  (picture alliance / dpa)
Wischhusen hält nichts von einer Frauenquote in Aufsichtsräten. (picture alliance / dpa)

Die Vorsitzende des Verbandes "Die jungen Unternehmer", Lencke Wischhusen, spricht sich gegen eine Frauenquote in den Aufsichtsräten aus. Gerade die Familienunternehmen mit 25 Prozent Frauen in Führungspositionen seien auf einem guten Weg.

Marietta Schwarz: Jetzt wird sie zum Wahlkampfthema der Union, die gesetzliche Frauenquote für Vorstände, allerdings unfreiwillig, denn Angela Merkel wollte um jeden Preis verhindern, dass die Quotenbefürworterinnen ihrer Partei morgen für eine entsprechende Gesetzesinitiative des politischen Gegners stimmen. Und die Damen, unter ihnen auch Ursula von der Leyen, haben sich gefügt.

Geht es nach der Union, soll es also ab 2020, in sieben Jahren, eine feste Quote von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen geben, bislang sind es drei Prozent. Trotzdem gibt es auch unter den Unternehmerinnen solche, die gegen eine Quote sind, zum Beispiel Lencke Wischhusen, Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer. Guten Morgen, Frau Wischhusen!

Lencke Wischhusen: Guten Morgen, Frau Schwarz!

Schwarz: Sie haben als Verbandsvorsitzende gestern noch einen Brief an die Unionsfrauen geschrieben, die sollen bloß nicht für die Quote stimmen. Warum?

Wischhusen: Ja also, eine Frauenquote ist wirklich ein absolut falsches Signal. Denn der Staat ist wirklich nicht der bessere Unternehmer, ich muss Sie da auch noch ergänzen, Sie sagten eben, drei Prozent in den Unternehmen, bei uns als Familienunternehmen haben wir sogar 25 Prozent Frauen in den Führungskräften. Und Frauen sind wichtige Führungskräfte und ich denke, wir sind da auf einem sehr, sehr guten Weg, und dafür brauchen wir keine Quote.

Schwarz: Sie sind auf einem guten Weg und diesen Prozess, den ich eher als schleichend bezeichnen würde, den sollte man auch mit einer Quote keinesfalls beschleunigen?

Wischhusen: Nein. Also, ich denke, wir haben andere Erfolgsfaktoren, die uns dort helfen werden. Da sind verschiedene Sachen zu nennen, an erster Stelle natürlich auch die Politik, wo wir viel Nachholbedarf haben bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, es sind natürlich auch die Unternehmen, die ihren Teil noch dazu beitragen müssen, heißt, flexible Arbeitszeitmodelle, es müssen Home Offices oder auch Betriebskitas angeboten werden.

Aber was auch immer noch vernachlässigt wird, sind die Frauen selber, die nach wie vor sich noch nicht das … sich noch nicht so viel zutrauen. Das heißt, da müssen sie offensiver werden und auch formulieren, wo sie hinwollen und was ihre Ziele sind.

Schwarz: Also, das Problem liegt eigentlich bei den Frauen ganz alleine?

Wischhusen: Nein, um Gottes Willen, nein, nein! Das Hauptproblem sind wirklich die Rahmenbedingungen, die den Frauen überhaupt nicht ermöglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Ich denke, da ist der allererste Schritt, der da geschehen muss. Und das kann nicht über eine Quotenregelung passieren, sondern da muss der andere Weg gewählt werden.

Schwarz: Also, Frau Wischhusen, in den vergangenen Jahrzehnten hat es sich auf jeden Fall nicht von alleine geregelt. Ich habe den Anteil von Frauen in Vorständen ja eben schon erwähnt, 3,5 Prozent. Wie, wenn nicht durch eine gesetzliche Quote, soll sich die Zahl der Frauen in Vorständen – bleiben wir doch mal bei den Vorständen – denn erhöhen?

Wischhusen: Ja, wie gesagt, also, drei Prozent ist die eine Zahl, ich rede von 25 Prozent, die in Familienunternehmen tätig sind. Und wie auch eben schon beschrieben, es ist einfach wichtig, dass den Frauen die Möglichkeit gegeben wird, die Familie und den Beruf zu vereinbaren und dass auch die Unternehmen ihren Teil dazu beitragen, um eben den Frauen das Ganze zu ermöglichen. Denn auch Deutschland ist zum Teil noch nicht so kinderfreundlich und auch da müssen wir uns noch bewegen.

Schwarz: Sie erwähnen jetzt zweimal schon so positiv diese 25 Prozent Frauen in der Geschäftsleitung von Familienunternehmen. Man könnte es auch umdrehen, 75 Prozent der Familienunternehmen werden von Männern geführt! Das halte ich nicht für so einen guten Schnitt!

Wischhusen: Wie gesagt, ich denke, wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg. Da hat sich gerade in den letzten Jahren vieles gedreht und Frauen werden immer mehr von … Fangen wir anders an: Wir haben einen extrem hohen Fachkräftemangel, und Frauen sind unheimlich wichtige und tolle Arbeitskräfte und ich denke, das wird sich von alleine regeln.

Schwarz: Sie selbst, Frau Wischhusen, sind ja in das väterliche Unternehmen einer Verpackungsfirma in Bremen eingestiegen und führen das jetzt mit Ihrem Bruder zusammen. Hätte Ihr Vater es Ihnen auch alleine überlassen?

Wischhusen: Ich denke schon, wenn mein Bruder das nicht gewollt hätte. Aber wir beide sind ein tolles Team, und wir ergänzen uns da hervorragend. Jeder hat seinen Part, und so klappt das wirklich gut. Aber das ist bestimmt nicht an das Geschlecht gekoppelt.

Schwarz: Aber die gläserne Decke, die viel beschworene, an die Frauen stoßen, die gibt es doch. Haben Sie das noch nie von Kolleginnen gehört?

Wischhusen: Natürlich. Also, die gläserne Decke, denke ich, auch das ist eine Sache, die man viel in der Führungsgeneration 60 plus noch findet. Ich denke, da hat sich das gesellschaftliche Bild aber komplett verändert, und die neuen Führungsstile beruhen viel mehr auf Kommunikation. Und da gibt es einfach diese Unterschiede nicht mehr und ich denke auch, dass die gläserne Decke bald eine Vergangenheit sein wird.

Schwarz: Weil eine Generationenfrage?

Wischhusen: Absolut, klar!

Schwarz: Lencke Wischhusen, Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Wischhusen: Vielen Dank!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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