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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 03.02.2008

Ein mutiger Schritt

Vor 50 Jahren wurde der Benelux-Vertrag geschlossen

Von Martin Hartwig

Luxemburg ist einer der drei Benelux-Staaten.  (AP Archiv)
Luxemburg ist einer der drei Benelux-Staaten. (AP Archiv)

Belgien, die Niederlande und Luxemburg gehören jeder für sich genommen nicht gerade zu den großen Ländern Europas. Zusammen kommen sie aber immerhin auf knapp 27 Millionen Einwohner und auch wirtschaftlich sind sie eine Macht, die man nicht ignorieren kann. Solche Überlegungen führten vor 50 Jahren zur Gründung von Benelux.

Seine Majestät der König von Belgien, seine königliche Hoheit des Großherzogtums Luxemburg, ihre Majestät, die Königin der Niederlande haben beschlossen, die ökonomischen Verbindungen zwischen ihren Ländern durch den freien Verkehr von Personen, Waren, Kapital und Dienstleistungen zu festigen.

So lautet die Eingangsformel des Vertrages, mit dem Belgien, die Niederlande und Luxemburg am 3. Februar 1958 einen neuen Staaten- und Wirtschaftsbund ins Leben riefen: Benelux. Grundsätzlich neu war diese Kooperation nicht, und der Vertrag fasste vor allem bereits bestehende Regelungen zusammen. Schon seit den 20er Jahren gab es eine Reihe von Abkommen, die die Zusammenarbeit der drei kleinen Länder zwischen Deutschland und Frankreich fördern sollten. Die Vereinbarungen hatten, abgesehen von der belgisch-luxemburgischen Wirtschaftsunion von 1921, in der Praxis allerdings kaum Bedeutung. Dies änderte sich im zweiten Weltkrieg, als sich die Regierungen und die Monarchen aller drei Länder im Londoner Exil wieder fanden. Die belgische und die niederländische Regierung saßen sogar am selben Platz, dem Eaton Square, und man sah sich praktisch täglich. Paul Henri Spaak, Belgiens Vorkriegspremierminister notierte 1941:

"Selbstverständlich gilt die besondere Sorge Belgiens der Sicherheit und dem Wohlstand Westeuropas. Die Besonderheit Westeuropas liegt in der Tatsache, dass es zwischen diesen Ländern keine territorialen Streitfragen gibt, dass ihre politischen, rechtlichen und moralischen Prinzipien nahe verwandt sind und dass auch ihr gesellschaftliches Gefüge vergleichbar ist. Das heißt, alle Voraussetzungen für ein enges Bündnis sind gegeben."

Angesichts der jüngsten Erfahrungen fielen solche Überlegungen auf fruchtbaren Boden. Der niederländische Finanzminister Van den Broek mahnte seine Kollegen zur Eile.

"Stellt die Wirtschaftsunion sofort her, noch während des Krieges. Wenn ihr auf Befreiung wartet und auf die Rückkehr in Euer Vaterland, bringt Ihr sie nie zustande."

Von diesem Geist beflügelt, schlossen die Repräsentanten Belgiens, Luxemburgs und der Niederlande 1944 - noch im Exil - ein umfassendes Zoll- und Handelsabkommen. Darin verständigten sie sich auf die wechselseitige Öffnung der Märkte und gemeinsame Außenzölle für das Beneluxterritorium. Im Herzen Europas sollte eine Macht aufgebaut werden, die nicht mehr Manövriermasse zwischen den beiden Großen - Deutschland und Frankreich - ist. 1948 trat das Abkommen in Kraft. Das war in einer Zeit, in der viele Länder ihre Märkte abschotteten, um sie vor ausländischer Konkurrenz geschützt von der Kriegs- auf die Friedenswirtschaft umzustellen, ein ungewöhnlicher und mutiger Schritt. Charles Rutten, damals niederländischer Diplomat und "Beneluxpionier", erinnert sich:

"Direkt nach dem Krieg haben die Beneluxländer bei den Verhandlungen um den Marshallplan sehr eng zusammengearbeitet. Da gab es praktisch eine Delegation Benelux..... Und noch heute bewohnen die drei Delegationen der Beneluxländer dasselbe Haus bei der OECD in Paris."

In diesen Jahren war Benelux auch ein wichtiger internationaler Akteur, dessen Bedeutung dann allerdings schnell wieder schwand. Die von vielen Diplomaten gewünschte politische Kooperation scheiterte oft an den widersprüchlichen Interessen von Belgien, das damals ein relativ reiches Industrieland war, und den eher armen, von Landwirtschaft geprägten, Niederlanden. Erschwerend kamen über Jahrhunderte kultivierte Vorurteile hinzu.

"Wie Sie wissen, gibt es immer einige Aspekte, die die Zusammenarbeit sehr schwierig machten, besonders die Kooperation zwischen Holland und Belgien. Die Belgier verdächtigten die Holländer, den Engländern - und die Holländer verdächtigten die Belgier, den Franzosen zu folgen. Das ist keine gute Basis."

So blieb auch der Beneluxvertrag, den Vertreter aller drei Länder am 3. Februar 1958 in Den Haag unterzeichneten, vor allem ein ökonomischer. Er sollte sich allerdings auszahlen. Der Handel zwischen den Ländern war bereits zwischen 1948 und 1958 - also vor dem Vertrag - um 200 Prozent gestiegen und legte seitdem weiter zu. Heute gehören die drei "Kleinen" zu den reichsten Ländern Europas. Welchen direkten Anteil die Benelux-Kooperation daran hat, ist jedoch schwer zu klären , denn viele der trilateralen Abmachungen werden heute von entsprechenden EU-Verträgen "überwölbt". Was Benelux für sich reklamieren kann, ist, dass der kleine Staatenbund der großen und trägen EU oft einen Schritt voraus und insofern ein Art Labor der europäischen Einigung war und ist.

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