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"Ein kluger Intellektueller, der sich nicht zufriedengab mit der Opernbühne"

Sängerkollegin Brigitte Fassbaender zum Tod von Dietrich Fischer-Dieskau

Brigitte Fassbaender im Gespräch mit Ulrike Timm

Dietrich Fischer-Dieskau sei ein "ganz, ganz Großer" gewesen, erinnert sich Brigitte Fassbaender.
Dietrich Fischer-Dieskau sei ein "ganz, ganz Großer" gewesen, erinnert sich Brigitte Fassbaender. (AP Archiv)

Die Sängerin Brigitte Fassbaender hat den verstorbenen Bariton Dietrich Fischer-Dieskau als großen Sänger und Intellektuellen gewürdigt. Sie erinnerte sich auch an die besondere Ehre, zum Beginn ihrer eigenen Laufbahn mit ihm gemeinsam auf der Bühne gestanden zu haben.

Sie sei "total geschockt" über den Tod Fischer-Dieskaus, sagte Fassbaender. Sie habe zwar gewusst, dass er sehr krank gewesen sei, aber nicht, wie sehr. Die Klarheit seines Ausdrucks und die "seelische Vertiefung" seien ungeheurer gewesen: "Dieskau war eine singuläre Erscheinung, und das ist eine große Lücke, die jetzt in der Welt der Kunst entstanden ist."

Fassbaender erinnerte daran, dass sie am Anfang ihrer Karriere das Glück gehabt habe, gemeinsam mit Fischer-Dieskau auf der Bühne stehen zu dürfen, was sie als "ungeheure Auszeichnung" empfunden habe. Der Sänger sei "ein hoch empfindsamer Mensch von großer geistiger Klarheit" gewesen. "Für alle, die mit ihm gearbeitet haben, war er immer in hohem Maße auch Vorbild. Er war einfach eine natürliche, große Autorität."

Die Kammersängerin Brigitte Fassbaender bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes in der Bayerischen Staatskanzlei in München.Kammersängerin Brigitte Fassbaender stand zum Beginn ihrer Karriere mit Fischer-Dieskau auf der Bühne. (picture alliance / dpa / Frank Leonhardt)Im Bereich des Liedes sei Fischer-Dieskau ein Wegbereiter für die Programmgestaltung gewesen, so Fassbaender weiter: Er "war der Erste, der dramaturgisch ausgefeilte Programme vorlegte". Auch in der Entdeckung neuer Komponisten auf dem Liedsektor sei er ein Wegbereiter gewesen: "Er war eben einfach ein kluger Intellektueller, der sich nicht zufriedengab mit der Opernbühne, sondern der eben das alles entdecken wollte, und das Feld des Liedes ist ja unübersehbar."

Wie seine Witwe Julia Varady mitgeteilt hatte, starb der berühmte Bariton im Alter von 86 Jahren im bayerischen Berg bei Starnberg.

Das vollständige Gespräch mit Brigitte Fassbaender können Sie mindestens bis zum 18.10.2012 in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.
Interview Teil 1(MP3-Audio)
Interview Teil 2(MP3-Audio)
Interview Teil 3(MP3-Audio)

Mehr zum Thema bei dradio.de:
Bariton von Weltrang - Zum Tod von Dietrich Fischer-Dieskau - (Deutschlandradio, Aktuell vom 18.5.2012)

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